Artikel vom 22.06.2009

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Nebenbei bemerkt

Apropos Bioscope…

Zum Thema Ecomusée d'Alsace

Von Reinhardt Stumm

Wenn mein Webjournal-Chef schlechte Laune verbreitet, bin ich vorsichtig. Verliert nicht der liebe Lienhard manchmal ein bisschen das Mass? Sein Bioscope-Bericht war freilich so gut belegt und argumentiert, dass er gar nicht zu bezweifeln war. Aber wer schafft es, für dieses Ramsch-Tournier im Departement Haute Alsace um die dreissig Millionen Euro Staatsgelder locker zu machen? Das ist der Genie-Streich!

Ich habe ein Problem damit. Das hat zwei Seiten. Sozusagen zweimal dieselbe Seite, wenn das geht. Diese ganze Bioscope-Anlage ist ein Kapitel mehr in der unendlichen Geschichte der entwürdigenden, beleidigenden Behandlung von Menschen, die damit aufwachsen, dass man ihnen das Reizwort Kultur so durchs Maul zieht wie kleinen Kindern die Zahnbürste, ohne dass sie je erführen, was das eigentlich und wirklich ist.

Die eine Seite: Schlaue Kultur-Unternehmer, die wissen, wo ihr Weizen blüht, spekulieren, in der Regel erfolgreich, auf die Neugier, die Sensationslust, die Unerfahrenheit, die geschmackliche Unbildung von Menschen, an der sie ihr Geld verdienen. Sie würden jeden auf Pistolen fordern, der behaupten wollte, dass sie selber auf demselben Niveau lebten. Dass man ihnen ihren Schund abkauft, freut sie, muss sie freuen, weil er sie in den Stand setzt, ihren eigenen, sorgfältig herangezogenen und sehr gehobenen Geschmacksansprüchen gerecht zu werden. Der Unternehmer diesen Zuschnitts sitzt im Corbusier-Sessel, schreibt Werbetexte für Plaxstikmöbel und lacht sich scheckig, wenn er sie seiner Frau vorliest. Die Fernsehewerbung kann Beweise zuhauf für diese Behauptung liefern.

Die andere Seite derselben Erscheinung ist die: Die Leute, die ihren Müll verkaufen, glauben selbst daran. Sie würden es nicht verstehen, wenn man ihnen vorwürfe, dass sie sich über ihre Kunden lustig machen – sie würden mit ihren Kunden wegen Beleidigung auf die Barrikaden gehen.

Welcher Vorgang für das Bioscope zutrifft, diese furzende, röchelnde Plastikblase, diesen grossmäuligen Turnierplatz des schlechten Geschmacks, ist ohne genaue Kenntnis der Voraus-Gänge nicht zu beurteilen. Der Verdacht liegt nahe, dass Variante zwei zutrifft. Sie ist weder besser noch schlechter als Variante eins. Die eine wie die andere wäre Grund genug, wegen allgemeiner, auf Profit gerichteter Geschmackverderbnis vor den Menschengerichtshof zu ziehen.

Die Gefahr, dort am Ende denselben, dann nur in beeindruckende Roben verkleideten Typen gegenüberzustehen, muss einen freilich von Anfang an mutlos machen. Und das wissen wir ja sowieso: Schlechter Geschmack ist nicht strafbar, bringt aber gutes bis sehr gutes Geld.

Von Reinhardt Stumm

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• Lesen Sie den Artikel, worauf Reinhard Stumm sich bezieht: «Welcome to the Bio-Disco»


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