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Artikel vom 13.12.2007

Wissenswertes

Die Schlumpf-Staatsaffäre…

Die neue Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf ist die Tochter eines alt Bundesrates, den ein anderer, berüchtigter Schlumpf ins Fettnäpfchen schubste…

Von Jürg-Peter Lienhard



Das war im März 1984: Die Schlümpfe beim Händeschütteln…


Der Schweizer Textilindustrielle Fritz Schlumpf war bis zu seinem Tod im Jahr 1992 ein in Frankreich gesuchter Wirtschafts-Krimineller, der mit seiner masslosen Sammelwut für alte Autos seine Fabriken in Frankreich zugrundegehen liess. Als Selbstinszenierer drängte er sich an der Eröffnung des Automobilsalons 1984 in Genf zur offiziellen Eröffnungs-Delegation durch und schüttelte im Blitzlichtgewitter der Journalisten seinem Homonymen, dem damaligen Bundespräsidenten Leon Schlumpf, die Hand.

Der Magistrat hatte jedoch mit dem Kriminellen weder verwandtschaftliche noch sonstwelche Beziehungen, kannte die «Affäre Schlumpf» zwar aus den Medien, wollte den stets mit Backenbart und seltsam gebundener Seidenkrawatte extravagant und auffallend auftretenden Namensvetter angeblich nicht erkannt haben. Obwohl sein Foto damals während Jahren in allen Medien der Welt für Aufsehen erregte: Nach dem betrügerischen Konkurs flüchtete der Bankrotteur Fritz Schlumpf zusammen mit seinem Bruder Hans nach Basel und logierte dort im Luxushotel «Drei Könige».

Als Schweizer Bürger, der zwar nicht in der Schweiz geboren worden war und aufwuchs, konnte er aufgrund verfahrensrechtlicher Umstände nicht nach Frankreich ausgeliefert werden und benutzte das «Asyl» in seiner Luxusherberge für eine langanhaltende juristische Schlacht gegen die französische Justiz, die er mit einem guten Dutzend der prominentesten französischen Advokaten führte.

Bundespräsident Leon Schlumpf strahlt auf der Foto, die ihn beim Händeschütteln zeigt, ziemlich unbefangen. Im Nachhinein wollte er sich lediglich als Homonyme angesprochen wissen, zumal als Blick auf der ersten Seite titelte: «Unser Bundespräsident begrüsste gesuchten Wirtschafts-Kriminellen - Schlumpf-Händedruck wird zur Staatsaffäre».

Dem kriminellen Fritz Schlumpf hingegen bekam der von ihm inszenierte Tritt des Bundespräsidenten ins Fettnäpfchen nicht, zumal nicht so, wie er sich dies wohl ausgedacht haben mag: Auch andere Schweizer Tageszeitungen nahmen Notiz von der heftigen Reaktion der französischen Gewerkschaft CFDT auf die publizierte Foto, denn sie intervenierte sofort beim Bundespräsidenten. Und so rückte der Autonarr erneut als Krimineller ins Rampenlicht der internationalen Presse, die ihn schon zu vergessen begann.

Zumal seine rund 4000 entlassenen Arbeiter in den vier französischen Textilbetrieben durch den damals fast zehn Jahre zurückliegenden Arbeitskampf nach dem Konkurs ermüdet und gespalten waren. Die rund 600 wahnwitzig zusammengesammelten und mit veruntreuten Mitteln bis aufs letzte i-Tüpfelchen restaurierten Oldtimer in Schlumpfs privater Automobilsammlung jedoch wurden zur Konkursmasse geschlagen und zur Deckung der Schulden an die öffentlich-rechtliche Gesellschaft «Musée National de l‘Auotomobile» in Mülhausen abgetreten.

Immerhin hatte Bundespräsident Leon Schlumpfs Kollege, Bundesrat Kurt Furgler, die Machenschaften des Fritz Schlumpf aufgrund eines parlamentarischen Vorstosses von Nationalrat Jean Ziegler scharf verurteilt. Das war allerdings sieben Jahre vor dem Händedruck zwischen Schlumpf und Schlumpf…

Die private und geheime Autmobilsammlung der Gebrüder Fritz und Hans Schlumpf wurde nach der Enthüllung durch die Fotos von jpl im März 1977 durch die entlassenen Arbeiter besetzt und zwei Jahre als Pfand für die Arbeitsplätze besetzt gehalten.

Von Jürg-Peter Lienhard

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