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Artikel vom 16.06.2005

Mit Stumm unterwegs

Aus: baz vom 14.6.2005

Forte: 70

Reinhardt Stumm mag den Basler Dramatiker Dieter Forte besonders gut und hat ihm auf seine Art schriftlich zum Geburtstag gratuliert. Hier ein Auszug aus der Laudatio, die am 14. Juni 2005 in der Basler Zeitung erschien (red):

Von Reinhardt Stumm



Kein Geburtstags-Fest ohne Freunde: Dieter Forte (70, links) und Reinhardt Stumm (74, rechts). Aufnahme von der Be-Lesung des Autors Forte in der Schmiedenzunft Basel, an dessen 70. Geburtstag - organisiert vom Literaturhaus Basel. Alle Fotos und Legenden: J.-P. Lienhard, Basel © 2005



Dieter Forte hat immer auf sich zu geschrieben, war geduldig und hartnäckig auf der Suche nach seinem eigenen, unverstellten Ich, frei von falscher Bewegung, frei von aufgezwungener Einsicht, frei von modischer Zeitgenossenschaft.

Luther & Münzer (1970 in Basel uraufgeführt), das Dunant-Stück (1973), Kaspar Hausers Tod (1979), Das Labyrinth der Träume (1983), Der Artist im Moment seines Absturzes (1991), von den Hörspielen nicht zu reden, das war der Forte aus den Jahren des gesellschaftskritischen Theaters. Dann die Abkehr. Möglich, dass das Theater ihn nicht mehr wollte, sicher, dass er das Theater nicht mehr brauchte.

Es war die logische Fortentwicklung eines grossen Erzähltalents (irgendwann sollten ja auch wir die Unterschiede von Dramatik und Epik begreifen). Forte verdichtete und dynamisierte. 1992 erschien Das Muster. Ein Roman. 1995 Der Junge mit den blutigen Schuhen; 1998 In der Erinnerung. Was zusammengehörte, kam schliesslich als Trilogie zwischen zwei Deckel: Das Haus auf meinen Schultern. Die vielgerühmte Geschichte der Zusammenführung einer italienischen und einer polnischen Familie.



Wunschbild des Geburtstags-Kindes: Forte mit Swetlana Geier, der Übersetzerin von Tolstoi und Dostojewski.



Was Forte schafft, ist so erstaunlich wie ungewöhnlich – stille Gemeinden im Lärm des Literaturbetriebs. Fortes Leser wissen, wovon er erzählt. Manchmal, in stillen Augenblicken, weggewendet von der Welt, hören sie mit ihm das Rauschen des Universums. Darauf das Wort Erzählkunst zu verwenden, ist altmodisch, befriedigend und wahr.

Heute wird er siebzig. Aber warum sollen wir eigentlich ihm gratulieren? Gratulieren wir lieber uns, dass wir ihn haben! Ihm wünschen wir ganz eigennützig Glück und Segen, auf dass wir ihn noch ein bisschen behalten!



Auch Schauspieler aus der berühmten Inszenierung von «Luther & Münzer» in der ebenso berühmten Düggelin-Aera am Basler Stadttheater kamen zum Geburtstags-Fest. Hier ist es Andreas Schulz aus dem Düggelin-Ensemble der 70er-Jahre. Übrigens: Was Forte aus seinem Pochettli guckt, ist nicht etwa eine Gurke, sondern eine vom Fotografen schlecht arrangierte Rose mit Blättern…

Von Reinhardt Stumm

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