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Artikel vom 23.04.2016

Dreiland

Europaweit einzigartiger Weg am Rheinufer eröffnet

Der Rheinuferweg zwischen Dreirosenbrücke Basel St. Johann, Huningue und Weil am Rhein ist eröffnet und lädt zum besinnlichen Lesen von 24 Poesietafeln

Von Jürg-Peter Lienhard



Der neue Rheinuferweg vor dem Fabrikgelände der Novartis St. Johann ist auch ein Dichterweg für die im Dreiland gesprochene alemannische Sprache. © foto@jplienhard.ch


Das ist in Europa einzigartig: Ein Flussuferweg, der drei Länder überschreitet und mit Poesie verbindet. Nach zehn Jahren harzigem Projektieren, Taktieren und schliesslich Bauen, konnte endlich am Samstag, 23. April 2016, der Fussweg zwischen der Dreirosenbrücke beim ehemaligen Rheinhafen St. Johann und Huningue eingeweiht werden. Damit ist nun das letzte Teilstück des Dreiländer-Rheinuferweges zwischen Basel, Huningue und Weil am Rhein mit der rheinüberquerenden Fussgänger-Passerelle «Dreiländerbrücke» zu einem Ganzen zusammengefügt worden.



24 Gedichte von 24 Dichtern des Dreilands sind in Bronzetafeln verewigt und entlang des dreiseitigen Rundwanderweges in unterschiedlichem Abstand angebracht. © foto@jplienhard.ch Für mehr hier klicken:

Zehn Jahre dauerte die Realisierung dieses Projektes, das von der Chemiefirma Novartis initiiert, wenn nicht gar aufgedrängt wurde: Um die Modernisierung und Sanierung der alten Fabrikationsanlagen der ehemaligen Vorgänger-Firmen Durand-Huguenin und Sandoz zu ermöglichen, nachdem diese mit dem auf der anderen Rheinseite ansässigen Chemiekonzern Ciba-Geigy zur Novartis fusionierten, musste die beinahe hundert Jahre dort ansässige Rheinhafenanlage St. Johann auf verschiedene bestehende Standorte umgesiedelt werden.

Zudem verkaufte die Stadt die Durchgangsstrasse zwischen dem äusseren St.-Johann-Quartier und der Landesgrenze zu Huningue an die Novartis, die zuvor durch das Gelände des Konzerns führte. Jetzt muss der Verkehr von der Stadt über die Landesgrenze nach Huningue einen ziemlich weitläufigen Umweg um das Konzerngelände nehmen. Immerhin ist der Novartis das Zugeständnis abgerungen worden, dass das Rheinufer als Fussgängerweg freigemacht und öffentlich zugänglich wird.

Mit der Aufhebung der Hafenanlage ging auch die linksufrige Umgestaltung des Firmenstandortes der Novartis St. Johann einher, wo heute anstelle der früheren hässlichen Fabrikationsanlagen heute architektonische Wunderwerke von weltberühmten Architekten entstanden sind und nun neumodisch «Campus» genannt werden.

Das nun eröffnete Teilstück des St.-Johann-Rheinuferweges passt daher optisch ganz gut zu den angrenzenden Novartis-Bauten der Basler Star-Architekten Herzog und De Meuron. Das Chemiegelände ist nämlich mit einer gut drei Meter hohen, konisch sich nach oben verjüngenden Mauer aus senkrecht eingelassenen schmalen, meterlangen Kalksteinen aus ockerfarbigem bayrischem Bruch abgegrenzt.



Big Brother Novartis is watching you… Entlang dem Novartis-Fabrikgelände sind Überwachungskameras angebracht, und die Mauer des Uferweges musste mindestens drei Meter hoch sein… © foto@jplienhard.ch


Die Architektur dieses Weges, respektive der Abbruch des Rheinhafens, ist vom Zürcher Landschaftsarchitekturbüro Hager Partner AG gestaltet worden, dessen Projekt den ausgeschriebenen Wettbewerb gewann. Spannend sind die senkrecht angebrachten Steine, die dadurch der Mauer Leichtigkeit vermitteln, während wagerecht liegende Mauersteine eher den Eindruck der «Schwere» abgeben, wie Guido Hager erklärte.

Die Steine sind nicht mit Mörtel zusammengefügt, so dass sich in den Fugenspalten Gekreuche und Gefleuche ansiedeln mag, ja sogar an gewissen Stellen unter dem Gehweg hindurch zum Fluss hinunter gelangen kann, ohne von Velopneus und Kinderwagenrädern zerquetscht zu werden. Die Aussenseiten der Bruchsteine haben eine dunklere Braunfärbung und sind in unregelmässigen Abständen in der Mauer angebracht, wodurch sich eine interessante Farbstruktur ergib. Von Nahem kann man dann auf den Oberflächen dieser Steine versteinerte Muscheln und Meeresgetier erkennen, die zu Zeiten der Felsbildung im Sediment eingeschlossen wurden. Alles insgesamt nicht nur eine optische Augenweide, sondern auch ein unaufdringlicher Lehrpfad für Begegnungen aus verschiedenen Perspektiven.



Blick ins Nicht-Europa… wobei die Basler ja schon immer Europäer waren und es erst recht gerne wären! © foto@jplienhard.ch


So sind denn in bestimmten Abständen entlang des Dreiländerweges 24 Bronzetafeln von einem Meter auf dreissig Zentimeter Grösse eingelassen oder angebracht, womit Gedichte von Schriftstellern und Poeten des Dreilandes zum Lesen in je zwei Sprachen einladen. Die Idee stammt aus dem Schwarzwald, wo es Dichterwege gibt, auf denen in gewissen Abständen Gedichte-Tafeln an den Tannenbäumen angebracht sind, und die dann auch im Elsass Nachahmung fand (siehe: http://www.webjournal.ch/article.php?article_id=1057) und via Elsass nun eben in den neuerrichteten Rheinuferweg einfloss. Unterstützt wurde diese Idee vom Verein Elsass-Freunde Basel/Les Amis de l’Alsace Bâle, dessen Gründung 1984 auf eine Idee von Jürg-Peter Lienhard zurückgeht und heute von Robert Heuss, alt Staatsschreiber von Basel-Stadt präsidiert wird.



Und da mit Blick nach Europa: Bis hierher und nicht weiter, denn da steht mitten auf dem grenzüberschreitenden Uferweg deutsch und deutlich: Grenzübertritt nur mit einem «anerkannten gültigen Reisedokument»… © foto@jplienhard.ch


Auf dem Weg gibt es eine Station, die aussieht wie kupferne Periskope durch die man hineingucken und an einem Rädchen drehen kann. Dann sieht man darin, wie einstmals im Guckkasten im Bahnhof, Bilder in 3D, die das frühere Gelände zeigen, als zuerst darauf das Gaswerk gebaut wurde und dann als man bei der Bereitstellung der neuen Novartis-Gebäude und des Rheinuferweges sensationelle Bodenfunde aus keltischer Zeit (zirka 100 vor unserer Zeitrechnung) machte. Bei diesen Ausgraben kamen laut den Archäologen «wahrhaftige Schätze» zum Vorschein. Fotos der schönsten Fundstücke, Schmuck und Vasen, sowie zeichnerische Rekonstruktionen dieser bedeutendsten Keltensiedlung am Oberrhein geben eine unglaublich eindrucksvolle Reportage wieder.

Ein Wermutstropfen in dieses Dreiländerwerk hält wenigstens noch für ein Jahr an: Die Sanierung des Chemiemüll-Terrains der früheren Ugine-Kuhlmann-Industrieanlage auf der französischen Rheinseite verzögerte sich aufgrund des unerwartet hohen Vergiftungseintrags im Boden des grossen Geländes. Um die hochgefährlichen Rückstände der Lindan-Produktion abzutragen und gefahrlos wegzuschaffen (man sagt «zur thermischen Vernichtung» nach Holland) sowie um den giftigen Staub und die üblen Gerüche zu vermeiden, wurden riesige Zelte über das Gelände errichtet. Aus Sicherheitsgründen, also um ein Restrisiko während der Arbeiten zu vermeiden, bleibt daher dieses Rheinufer-Teilstück an den Werktagen für jeglichen privaten Fussgängerverkehr gesperrt - vorerst noch für ein Jahr. Nur an Wochenenden, wenn die Arbeiten in den Giftzelten ruhen, kann man dann den Uferweg benützen.



«Grosser Bahnhof» zur Einweihung eines Weges. Jedoch eines in Europa einzigartigen Weges, der drei Länder verbindet, wobei eines nicht zu Euopa gehören will… © foto@jplienhard.ch


Nebst dem Weg sind an etlichen Stellen direkte Zugänge zum Wasser gebaut. An tiefen Stellen können Schwimmer entweder per Leiter oder per Treppe zum Ufer aufsteigen. Bei jedem Aufstieg gibt es Duschen und an gewissen Stellen auch Toiletten, die per Münzautomaten benützt werden können. Auch gibt es an gewissen Uferstellen Kiesbänke, die auch dem Flussgetier Möglichkeiten zum Laichen bieten oder Unterschlupf gewähren. Was ich allerdings nirgends sah, sind Abfalleimer… Auf jeden Fall darf damit gerechnet werden, dass sommers hier reges Leben Einzug hält, zumal Treppen und Ufersteige zum Faulenzen einladen.

Und auch für Verpflegung ist gesorgt - allerdings auf hohem kulinarischem Niveau: Nämlich ein Sushi-Restaurant, das im Novartis-Neubau von Herzog und De Meuron (mit grüner Muschelskulptur) untergebracht ist und über zwei Terrassen verfügt. Das «hohe kulinarische Niveau» ist allerdings der Novartis geschuldet: Die Beiz im japanischen Dekor mit Essplätzen, die einen an Eisenbahnabteile gemahnen, mit Bänken statt mit Stühlen, ist inoffiziell schon seit einem Jahr in Betrieb. Allerdings bislang nur vom Personal von Novartis genutzt, das direkten Zugang vom Fabrikgelände hat.



Das Basler Sinfonieorchester spielte das Eröffnungs-Ständeli mit einer Bläserformation. Wer Hören kann (das können offenbar die meisten Politiker nicht), kam so in den Genuss einer Darbietung auf allerhöchstem Niveau. © foto@jplienhard.ch


Merkwürdig ist, dass die Beiz, die doch früher oder später von allerhand Gastig des Bade- und Freizeitpublikums frequentiert werden wird, als Gedecke denn keine Messer und Gabeln, sondern Stäbli auftischt… Wohl eine klare Abgrenzung zur Bistro-Meile auf der anderen Seite des Rheines. Und merkwürdig auch, dass offenbar die sogenannten Expats aus Asien auch hierzulande ihr gewohntes Futter bevorzugen. So wie die Schweizer, die in New York als erstes eine Beiz aufsuchen, wo es Röschti und Brootwurscht zu habern gibt. Vielleicht weil sie in der Schweiz nur Sushi und so in den Beizen auf den Teller bekommen? Auf jeden Fall sind die Preise den Gerichten und den Getränken angepasst, so dass da auch bei Hochbetrieb keine Budenbeiz-Stimmung aufkommen dürfte.

Vielleicht noch ein Wort zu den Getränken: Was der Publizist Hanns U.Christen, der in der früheren Basler Zeitung in seiner weitherum beachteten Rubrik «Märtbricht» stets beklagte, dürfte nun glücklicherweise eine beachtliche Wendung genommen haben. Was nämlich dem mutigen und vorbildlichen Keller Franz vor noch nicht allzulanger Zeit Klagen und sogar Verurteilungen bescherte, scheint für junge Winzer nun doch zum Vorbild zu gereichen: Im Markgräflerland werden wieder Weine gemacht, die ohne Zuckerwasser auskommen und daher ihrem Namen gerecht werden. So ein Tropfen konnten wir an dem an die Einweihung des Uferweges anschliessenden Apéro kosten: Aus dem Hause Büchin in D-79419 Schliengen, übrigens ausgeschenkt von Markus Büchin persönlich, der mit einem Syrah überraschte, dessen Saft er nach der Champagner-Methode keltert - frisch, sehr kräftig und vollmundig, was gegenüber einem weissen elsässischen Crémant vor allem durch die dunkelrote Farbe auffällt.



Da es zu regnen begann, mussten die Bläserformation unter dem Dach des Restaurants LoKaMi am neuen Rheinuferweg weiterspielen. © foto@jplienhard.ch


Da langten dann die geladenen Gäste freimütig zu, als sie nach den mehr als drei Ansprachen der Dreiland-Politiker vom Vorsteher des Basler Bau- und Verkehrsdepartementes, Hanspeter Wessels, zum Apéro eingeladen wurden. Mit Fug und Recht kann man vom «grossen Bahnhof» reden, zu dem die drei Länder ihre Abgeordneten entsandten und die sich dann just beim Grenzpfahl («Grenzübertritt erlaubt mit anerkannten gültigen Reisedokumenten») einfanden: Philippe Richert, Präsident der Région Alsace in der fusionierten Region Alsace-Champagne-Ardenne-Lorraine, dem neuen Departement Grand Est, Eric Straumann (französisch ausgesprochen: Strohmann), der neue Präsident des oberelsässischen Departements Haut-Rhin in Colmar, Madame Pascale Schmidiger, Vizepräsidentin des Conseil départemental Haut-Rhin, Madame Sénatrice Patricia Schillinger, Jean-Marie Zoelle, Maire von St-Louis, Jean-Marc Deichtmann, Maire von Hüningen, Christoph Huber, Bürgermeister von Weil am Rhein in Stellvertretung des Oberbürgermeisters Wolfgang Dietz. Huber hielt eine humorvoll-selbstbewusst in Alemannisch gewürzte Ansprache, die einzige kurze…



Der Himmel segnete den Notenauszug des Posaunisten Henri-Michel Garzia. © foto@jplienhard.ch


Und derweil wartete ein zehnköpfiges Bläserensemble des Symphonie-Orchesters Basel in ständiger Gefahr, dass die Regentropfen sich zu einem Regen verdichteten. Die Partituren, ausgeliehen aus der Vera-Oeri-Bibliothek der Musik Akademie Basel und von Wäscheklammern am Notenständer befestigt, waren schon ganz durchnässt, als die «musique à vent» aufspielen durfte: Sie begannen ironischerweise mit dem Sütck «Fanfares pour tous les Temps», gefolgt von «Pour un temps de Fête», wobei auf der Partitur unten vermerkt war «Pour un temps de Deuil Tacet» - wohl auch das ironischerweise, aber hoffentlich nicht eintreffend. Und andere, die ziemlich jazzig tönten, aber deren Titel ich nicht notieren konnte. Die Musiker sind Profis, weswegen es mich sowieso etwas unanständig dünkt, wenn die lokalen Politiker und etliche ihres Gefolges sich abwandten und einfach drauflosschwatzten…



Bei den Bauarbeiten am Rheinuferweg kamen reiche Bodenschätze einer bedeutenden Keltensiedlung zum Vorschein, die in einer Notgrabung sichergestellt werden konnten. Mit dem Blick durch diese «Periskope» kann man sich über die wertvollen Funde und die Geschichte des Novartis-Fabrikgeländes bildlich dargestellt erhalten. © foto@jplienhard.ch


So, und nun komme ich zum Schluss - last but not least - zu einem anderen bemerkenswerten Element dieser Einweihung: Der Dichterweg. Das Basler Bau- und Verkehrsdepartement hat die 24 Gedichte, die entlang des Rheinuferweges auf Bronzetafeln angebracht sind, in einer postkartengrossen Broschüre herausgegeben. Leider kam die erst ganz am Ende des Apéros, verteilt durch ein paar junge Damen an die wenigen verbliebenen Leute. Im Vorwort der Broschüre wird der Satz der Gebrüder Albert und Adolphe Matthis, den Begründern der Strassburger Mundartlyrik (sie wirkten in der ersten Hälfte des vorletzten Jahrhunderts), zitiert: «Im Dialekt kàt mer alles üssdrucke - wenn mer’s kàt.»

Ich kann nicht umhin, auch diesen Satz als Ironie des Umstandes zu deuten: Ausgerechnet am Fuss der Novartis, wo doch alles, was von dieser Bude bekanntgemacht wird, nur so strotzt von sprachlichen Kontaminationen und Abgrenzungen - angefangen vom «Shareholder» über den «Goodwill» (bedeutet französisch richtig übersetzt: «perte de fusion») bis zum falsch übersetzten «make sense» (Sinn «machen», statt haben)… (Na frotzeln wir doch nicht weiter, sollten wir nicht im Sommer mal auf einer Ufertreppe des neuen Weges sünnelen.)

Ganz knapp wird im Vorwort des Büchleins angetönt, dass hinter der Idee, das Alemannische an diesem europäisch einzigartigen Dreiländerweg als die gemeinsame Sprache zu würdigen, viel Herzblut steckt. In Tat und Wahrheit aber stand dahinter eher Schweiss, Blut und Tränen, bis es endlich so weit war. Zumal die Auswahl der 24 Texte, die zum Teil auch in die Kultursprache Französisch übersetzt oder sowieso französisch verfasst sind (und daher auch umgekehrt übersetzt) war eine Riesenarbeit und erforderte eben nicht nur viele Diskussionen, sondern auch viel Takt und Diplomatie. Ein weiterer Punkt war das Problem der Präsentation der Gedichte. Es gab Ideen für Bildschirme, um möglichst viele Gedichte abwechselnd zum Lesen anzubieten. Das Wetter und der Vandalismus erschwerte stets die Suche nach dem geeigneten Medium. Und jetzt scheint es in fest verankerten Bronzetafeln gefunden zu sein.



Die Bronzetafel mit dem Gedicht von Theobald Baerwart («Blasius»), Basel - immerhin hat es mit dem Rhein zu tun… © foto@jplienhard.ch


Über die Auswahl darf gestritten werden, zumal einige der berücksichtigten Dichter auch in der Auswahl-Kommission oder bei den Initianten vertreten gewesen sind. Einige sind jung, andere jünger und nur wenige sind schon länger dahingegangen. Einige gehören zur Weltliteratur (Johann Peter Hebel) und wieder andere harren der Entdeckung. Na, gehen Sie hin und urteilen Sie selber!

Ich gebe hier die 24 Namen der verewigten Dichter und die Titel deren Gedichte (zweisprachig übersetzt) an:

Theobald Baerwart, Basel:
My Basel | Mon Bâle

Beat Trachsler (Hylarius), Basel:
Voorhang uff! I Levez le rideau !

Fritz Liebrich:
D Fääri | Le bac

Paula Hollenweger, Feldberg (Müllheim):
Leim I Terre glaise

Anna Keller, Basel:
Uus und feertig | Fini, terminé

Gérard Leser, Munster:
d'Wärter àbstäiwa I Dépoussiérer les mots

Markus Manfred Jung, Zell im Wiesental und Lörrach:
gwisselos | heimet
Conscience perdue I les autres

Lina Ritter, Village-Neuf/Neudorf:
Worum trennt uns e Rhi?
Pourquoi un Rhin nous sépare-t-il ?

David Wolf, Base Reigoldswil:
Der Mentsch und d Naduur
L'Homme et la nature

Georges Zink, Hagenbach:
Kàrfunkelstai Escarboucle

Emil Beurmann, Basel:
S git so Däag I Il y a des jours comme ça

Johann Peter Hebel, Basel und Hausen im Wiesental:
Trost I Consolation
Felix Burckhardt (Blasius), Basel:
Elsassfährtli I Escapade en Alsace

Jean-Christophe Meyer, Blienschwiller:
Àlmuese | Aumône

Gerhard Jung, Zell im Wiesental und Lörrach:
Grenzegänger I « Transfrontaliers »

Edgar Zeidler, Colmar:
Bruck I Pont

Heinz Reif, Lörrach:
E Fätze Tuech I Un lambeau de tissu

Julius Ammann (Sebastian Hämpfeli), Bettingen:
Im Bluescht I Dans la floraison

Hans Rudolf Schwabe (Urban), Basel:
S Wiisedaal I La vallée de la «Wiese»

Lina Kromer, Obereggenen:
Dr Blaue isch gstande | Le « Blauen » était là

Nathan Katz, Waldighoffen:
Vorbstimmig | Prédéterminisme

Carola Horstmann, Zell im Wiesental:
Angscht I Peur

Yves Bisch, Habsheim:
Haikus

Manfred Marquardt, Lörrach:
D'Erde I La terre

Hilda Jauslin:
Drei

Tony Troxler, Riespach:
’s isch doch a scheena Sproch | Dis-moi qu'elle est la plus belle

Werner Richter:
Will am Rhii


Zwei Müschterli…

…kann ich nicht lassen. Hier sind sie:

Jean-Christophe Meyer

Àlmuese

S Àlmuese vùm Morjerot
i de Hànd màhnt ùns à d’ënfach
Freïd vùm Doej àm Kimme -

wie d’Sùnn àls mit de
dùnkle Wàsser vùm
Rhin spielt. Ze zwëit
tànze Lìecht ùn Wàasser

wie mir im Lawe
Fiffholder e Will.
Mr loeme sine Spìejel à
ùn verschwinde plätzlig
wìe ne Starneraje ìnnere
Äugschtnààcht -

àwwer ewig schinne d’Spüre
wù mr hinter ùns saaie!


Erkl.: Àlmuese: Almosen,
àm Kimme: am Keime
Fiffholder: Schmetterling
loeme à: hauchen an
mr saaie: wir säen



Johann Peter Hebel

Bald denki, ’s isch e bösi Zit,
und weger ’s End isch nümme wit;
bald denki wieder: loss es goh,
wenn’s gnueg isch, wird’s scho anderst cho.
Doch wenni näumen ane gang
un ’s tönt mer Lied und Vogelsang,
so meini fast, i hör e Stimm:
«Bis z’fride! ’s isch jo nit so schlimm».



Von Jürg-Peter Lienhard

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