Artikel vom 08.04.2004

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J.-P. Lienhards Lupe

Gedanken zu Ostern

Lernen Leben leben!

Tutanchamun lebte für das Jenseits - wir sollten für das Diesseits leben lernen

Von Jürg-Peter Lienhard

Vielleicht ist Ihnen das auch schon mal aufgefallen, als sie in einem Strassencafé den vorübergehenden Menschen zuschauten: Was ist das für ein Hasten, für ein Humpeln, Schlurfen, Schleichen und welch unkoordinierte Gelenkbewegungen? Wenige Menschen haben einen schönen Gang, vor allem wenn sie bar jeglicher Handicaps sind! Bewegen will von Kindsbeinen an gelernt sein! Der Mensch fängt beim lernen Gehen an…

Vielleicht haben Sie schon mal in der Zeitung ein Bilderrätsel gesehen - ein Objekt aus dem Stadtalltag, dessen Ort herauszufinden angesagt wäre? Und wie erstaunt waren Sie, dass Sie noch nie diesen Drachen, dieses Ornament oder diesen Kopf aus Stein gesehen haben?

Sie hörten im Radio irgendeine Musik und drehten am Knopf, weil «das Geplärr» Ihnen «nicht gefiel» - eben, weil Ihre Ohren für anspruchsvolle Musik taub oder ignorant sind?

Sie gingen Ihre neue Garderobe ins Theater spazieren und verstanden den Sinn des Stückes nicht?

Dann gehören Sie zu den vielen, ja abermillionen Menschen, die nicht wissen, dass wir unsere Sinne eben auch schärfen und trainieren müssen. Ausser ganz grossen Hohlköpfen besitzt jeder Mensch eine Unmenge grauer Hirnzellen, die nur darauf warten, trainiert zu werden: Zum Tanzen, Hören, Sehen und Gehen oder Riechen, Schmecken, Fühlen, Lieben.

Ja, Lieben - auch das will gelernt sein!

Das Leben ist endlich. Was danach geschieht, wissen wir nicht. Die Katastrophe der ganzen Menschheit besteht darin, dass wir für unser Nachleben Spekulationen anstellen - die wir Glauben nennen -, die uns vor dem furchtbaren Gedanken schützen sollen, dass es aus sein könnte.

Dabei ist gerade die Möglichkeit, dass es «aus» sein könnte, doch DIE Chance unseres Lebens - nämlich, dass wir jeden Augenblick geniessen und uns nicht auf ein «besseres Leben im Jenseits» einlassen.

Wenn wir das begriffen haben, brauchen wir uns keinem Selbstmordkommando anzuschliessen, sondern beginnen zu lernen zu sehen, zu hören, zu fühlen und…zu Lieben.

Dies meine Gedanken zu Ostern, deren arbeits-, telefon- und lärmfreie Tage für mich eine Pause im hektischen Alltag bedeuten, aber auch Auferstehung zum Geniessen meines Lebensrestes ist, den ich bei vollem Bewusstsein ausschöpfen will: Das Leben ist nicht Glauben, sondern Leben! Und Leben heisst… Leben leben. Das will gelernt sein!

Von Jürg-Peter Lienhard


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