Artikel vom 15.01.2008

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Alliance Française de Bâle

A la suite avec text en langue française

Wenn kein Mist noch Güggel ist

Den französischen Bauern gibt es nicht mehr; er ist Techniker geworden, pilotiert monströse Robotermaschinen und hängt an Internet und Mobiltelefon

Von Redaktion



Der Ethnologe Pascal Dibie auf seiner Schlafstatt in seinem Heimatdorf Chicherie am 12. Mai 2005, fotografiert von Sophie Bassouls © 2007 (zVg).


Wer etwas Französisch kann, ist eingeladen zu einem höchst vergnüglichen Vortrag von Pascal Dibie, Verfasser des berühmten Buches «Wie man sich bettet… Kulturgeschichte des Schlafzimmers». Der französische Ethnologe spricht am Donnerstag, 24. Januar 2007, um 19 Uhr, auf Einladung der «Alliance Française de Bâle» in der Eglise Française réformée am Holbeinplatz 7 in Basel, darüber, wie sein einstmals verschlafenes Heimatdorf in nur 27 Jahren ins technische Zeitalter katapultiert worden ist.



Chicherie 2007: Da kräht kein Güggel mehr auf dem Mist - der gallische Hahn kommuniziert per Handy und Internet. (Buchumschlag Pascal Dibie: «Le village métamorphosé - Révolution dans la France profonde»)


1979 untersuchte der Ethnologe Pascal Dibie das Leben in Chichery, einem kleinen, ländlich geprägten Dorf im Burgund, in welchem er aufgewachsen ist. 27 Jahre später beschäftigt er sich nochmals mit diesem Dorf. Diesmal geht es um Veränderungen, die stattgefunden haben.

Er fragte sich: Wie ist es, wenn die modernen Kommunikationsmittel omnipräsent sind (TV auf unzähligen Kanälen, Internet, Mobiltelefon) und das Weltgeschehen unverzüglich in die hintersten Winkel tragen, wenn der traditionelle Bauer abgelöst wird durch die technisierte Landwirtschaft mit vielen Maschinen und wenigen Arbeitskräften, wenn ein Grossteil der Bevölkerung auswärts arbeitet und täglich zwischen Wohn- und Arbeitsort pendelt, wenn der Individualismus vorherrscht und alte Gewohnheiten verschwinden?

Pascal Dibie beschreibt ein Dorf, in dem es sehr ruhig geworden ist, fast allzu ruhig, und das Alltagsgeschehen sich anderswohin verlagert hat. Der Beobachter erhält den Eindruck einer eigenartigen Mischung von Landleben und urbaner Mentalität.




Schaufenster im Provinznest Louhans in der Bresse (Bourgogne): Dank Apple und Orange Internet bis in den hintersten Landeswinkel. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2008


Infos

Der Ethnologe Pascal Dibie forscht und lehrt an der Universität Paris (Université de Paris VII Denis Diderot) und ist Programmdirektor bei einem Verlagshaus.

Der Vortrag in der Eglise française réformée am Holbeiplatz 7 ist in französischer Sprache. Beginn um 19 Uhr. Im Anschluss offeriert die veranstaltende «Alliance Française de Bâle» einen Umtrunk. Unkostenbeitrag für Nichtmitglieder: 10 Franken/5 Franken für Studenten.





Pascal Dibie: «Wie man sich bettet - Kulturgeschichte des Schlafzimmers». Klett-Cotta (Verlagsgemeinschaft Ernst Klett Verlag - J.-G. Cotta‘sche Buchhandlung), Stuttgart 1989

Aus dem Klappentext:


Wie man sich bettet, so liegt man nicht nur, so liebt, gebiert, stirbt, repräsentiert man und so versteckt man sich auch. Mindestens ein Drittel unserer Zeit verbringen wir im Bett, an einem Ort, der heute als ein sehr privates Refugium angesehen wird und doch in allen Epochen und Kulturen einen zentralen Platz einnimmt.

Im ersten Teil (»Vertikal«) seines mit Witz geschriebenen, anschaulichen Buches führt uns Pascal Dibie von der steinzeitlichen Schlafhöhle bis zum genormten Einheitsbett der Gegenwart durch die historische Entwicklung der Schlafstätten. Im zweiten Teil (»Horizontal«) zeigt er in einem interkulturellen Vergleich rund um die Welt, wie unterschiedlich sich die Menschen auch noch im 20. Jahrhundert betten.

Nie geht es dabei um das Bett oder den Raum allein. Jede Gesellschaft bringt einen eigenen Komplex von Werten, Sitten, Gebräuchen und Riten hervor: Familie, Sexualität, die Einstellungen zu Liebe, Geburt und Tod, der Gegensatz zwischen Schamgefühl und Repräsentationsbedürfnis - all das findet seinen Niederschlag im und ums Bett. Das Bett und die Dinge, die die Menschen darin tun, sie werden so zum wahren Spiegel der Gesellschaft.

Und nach der kurzweiligen Lektüre fragt man sich, wie es überhaupt möglich war, daß dieser zentrale Aspekt aller menschlichen Kultur so lange vernachlässigt werden konnte.





Saint-Germain-du-Bois en Bresse (Bourgogne): Monument aux Morts. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2008


En langue française:


Conférence de Pascal Dibie : Le village métamorphosé : révolutions dans la France profonde

Jeudi 24 janvier 2008 à 19h



Que reste-t-il du monde paysan traditionnel, tel que nous le conservons au coin de notre mémoire – ou de notre imagination, avec ses relations de proximité et ses veillées au coin du feu?

A l’heure de la globalisation et de la désertification des campagnes, où les fermes d’autrefois ont cédé la place aux résidences secondaires et aux grandes exploitations, la réponse est radicale, même si elle n’est pas gaie : pas grand’chose, pour ne pas dire rien!

Pour rendre compte de cette métamorphose, l’Alliance Française de Bâle a invité l’ethnologue Pascal Dibie, enseignant-chercheur à l'Université de Paris VII Denis-Diderot et directeur des collections Traversées aux éditions Métailié, auteur du Village retrouvé (Grasset 1979), où il rendait compte du monde paysan à Chichery, le petit village de son enfance en Bourgogne.

Vingt-sept ans plus tard, il a décrit la transformation de ce monde dans Le village métamorphosé (Plon 2006), en mêlant observations ethnographiques et réflexions personnelles.

A l’heure de l’ADSL, de l’agriculture technicisée, des migrations pendulaires et de la montée de l’individualisme, il a découvert un village silencieux et vide, où la vie s’était décentrée. Il viendra nous parler de ce curieux mélange entre la campagne et la mentalité urbaine.

Infos

Conférence de Pascale Dibie le jeudi, 24 janvier 2007, 19 h, au Centre de l’Eglise française réformée, Holbeinplatz 7, Bâle. Conférence suivie d’un verre. Participation aux frais pour les non membres : 10 Fr. / Etudiants 5 Fr.





Währschafte Landbeiz und frühere Pferdepost in Saint-Germain-du-Bois en Bresse (Bourgogne), wo (noch) Charolais-Rindsfleisch und Poulet de Bresse auf den Tisch kommen. Die ehemaligen Stallungen und Unterkünfte für die Pferdeknechte sind im Hof; die Einfahrtstore sind rechts und links im Bild zu sehen. Die Backstein-Bauweise ist typisch für die Bresse. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2008

Von Redaktion

Für weitere Informationen klicken Sie hier:

• CP Pascal Dibie en format PDF à décharger

• Voir le compte-rendu de la conférence tenu le 24 janvier 2008


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