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KulturSchweigen

Artikel vom 06.01.2008

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Ottokars Cinétips

Kino mit Koffern

Erlösung mit Hindernissen oder Therapie im Reisezug - Wes Anderson schickt in «Darjeeling Limited» drei Brüder auf Selbsterfahrungstrip durch den indischen Subkontinent

Von Ottokar Schnepf



Peter (Adrien Brody), Francis (Owen Wilson) und Frank (Jason Schwartzman) tragen schwer an ihren Louis-Vuitton-Koffern - und an ihrer Vergangenheit.


Nach dem grandiosen «Rushmore» (1998), den unvergesslichen «Tennenbaums» (2001), dem Unterwasser-Abenteuer «Life Aquatic» (2004), serviert uns jetzt Wes Anderson einen Film über Reisegepäck - mit einem 13-minütigen Prolog: «Hotel Chevalier». In dieses Pariser Hotel flüchtet sich Jack Whithman (Jason Schwartzman) aus Verzweiflung über seine verflossene Liebe (Natalie Portman). Ein finales Rendez-vous findet hier zwischen den beiden statt, bei dem schnell deutlich wird, wer die Stärkere in der Beziehung war.

Doch nicht nur ihre Vergangenheit tragen Jack und seine Brüder Francis (Owen Wilson) und Peter (Adrien Brody) auf ihrer Indienreise mit sich; ihr Ballast ist noch
ein wenig luxuriöser: superexklusive Louis-Vuitton-Koffer aus hellbraunem Kalbsleder mit eingeprägten grünen Palmen und bunten Tieren.

Werden diese Koffer ausgepackt, kommen pittoreske Dinge zum Vorschein. Die teuren Koffer und Taschen stammen aus dem Nachlass des übermächtigen Whitman-Vaters, den Anderson mit einem weiteren Vertrauten besetzt hat: Bill Murray spielt ihn atemlos in einem fast stummen Kurzauftritt als er dem Zug des Lebens hinterher rennt.

Ein Jahr vor Handlungsbeginn hat er einen trivialen Tod in New York gefunden. Seine drei Söhne schickt Regisseur Anderson jetzt auf eine Reise, die der Versöhnung dienen soll, aber eben, der Ballast der Vergangenheit wird mitgeschleppt, inklusive Koffer: Owen Wilson als Leader des Trios ist in einen Kopfverband gewickelt; er ist absichtlich mit dem Motorrad in einen Baum gefahren.

Jacks Problem kennen wir bereits, bleibt noch das von Peter: Er will nicht Vater werden. Doch die Reise im «Darjeeling Limited»-Zug geht immer weiter, bis die drei zuguterletzt bei ihrer Mutter landen, die inzwischen als Äbtistin in einem indischen Bergkloster lebt.

Bis es so weit ist, sorgen schwerer Medikamentrenmissbrauch für Zwischenstops (damit Jack den Anrufbeantworter seiner Ex-Geliebten in Rom abhören kann), entkommen gefangene Giftschlangen, verirrt sich der Zug oder der Kondukteur erteilt scharfen Abteilarrest.

Wes Anderson treibt in seiner Komödie, in der es nichts zu lachen gibt (während der Pressevision war nicht einmal ein Kichern zu vernehmen) die Konflikte des Trios in absurde Höhen, überzeichnet die Charaktere hin bis zu reinen Kunstfiguren.

«Darjeeling Limited» - kein lustiges Psychodrama, sondern eine Zugfahrt, die zwar voller bunter Details steckt, aber in der zu viel geredet wird. Eine abstruse Familienkomödie, die im Schnelldurchlauf durchs spirituelle Indien hetzt. Und den Zuschauer teilnahmslos sitzen lässt.

Von Ottokar Schnepf


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