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Artikel vom 02.04.2021

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Elsass - Kultur - Artikel vom 18.9.2007

Mit Fotostrecke

Kunst, zusammengeschneidert

Das ist kein Angriff auf die Kunst, obwohl es um Kunst geht…

Von Jürg-Peter Lienhard



Festival-Direktor Christofero Crupi «blättert» in den Einsendungen des internationalen Patchwork-Wettbewerbes - im Hintergrund die Plakate der vergangenen Festivals. Alle Fotos: J.-P. Lienhard, Basel © 2007


Noch gibt es im Zeitalter der Massen-Billigflüge Abenteuer, und noch kann man sie gewissermassen vor der Haustüre erleben: «Quilts Amish» und die Expedition in Kilometer lange Bergwerksstollen sind nur zwei der Überraschungs-Abenteuer, zu denen am Wochenende vom Donnerstag, 13. September 2007, bis Sonntag, 16. September 2007, Sainte-Marie-aux-Mines in den elsässischen Vogesen zum Besuch des 13. internationalen Patchwork-Festivals einlädt. Die Anfahrt allein durch nimmerendenwollende Serpentinen ist das blosse Abenteuer, und dann am Ziel, warten die Abenteuer auf Schritt und Tritt auf den, der Augen im Kopf hat und Entdeckungsgelüste im Bauch.

F-68160 Sainte-Marie-aux-Mines, Markirch auf Deutsch, am Landbach, der die Welschen und Katholiken von den Deutschen und Protestanten trennt, noch knapp etwas über 5000 Einwohner, hinter den sieben Bergen in einem tiefen Vogesental in Stein gebaut. Das Städtchen hat eine unglaublich bewegte Geschichte hinter sich, deren Spuren noch lange nicht getilgt und jetzt mit frischem, jugendlichem Elan zu neuem Leben erweckt worden sind: Das internationale Patchwork-Festival lockt jeweils mehr als 16‘000 Besucher und Künstler aus der ganzen Welt in das komplett mit Urwald umgebenene Silbertal.

Die Kenner rennen den 18 auf vier Gemeinden verteilten Ausstellungsorten mit den rund 800 Exponaten die Türen ein; wer keine Ahnung von dieser jahrtausendealten Kunstform, aus Kunsthandwerk daraus entstandener Textilkunst hat, fühlt sich zuerst beinahe erschlagen von den Farben und Formen und schmort hierauf im Saft der Erlebnisse und Eindrücke, die mit dem Aufenthalt in dieser bizarren, beinahe vergessenen Gegend entstehen. So ist es jedenfalls mir ergangen, und darüber will ich hier berichten, damit Sie sich das ansehen!



Einer der 18 Ausstellungsorte in einer ehemaligen Textilfabrik und Sitz des organisierenden Vereins «Initiatives et Evènements»: Die Verpflegungszelte im Hof sind schon aufgestellt.


Doch zuerst stellt sich die Frage, wie in dieser gewiss abgelegenen Gegend überhaupt ein solches Festival von derartiger Anziehungskraft entstehen konnte. Die Gründer des Patchwork-Festivals in Sainte-Marie-aux-Mines kamen zu ihrem Erfolgsanlass wie die Marie zu ihrem Kind: Der frischgebackene Historiker Eric Jacob und sein um Etliches jüngerer Mitarbeiter, der Touristikfachmann Christofero Crupi, sollten in dem wirtschaftlich gebeutelten Ort das Fremdenverkehrsbüro hüten. Das war vor 14 Jahren und alles andere als aufregend. Bis dann eine Anfrage amerikanischer Mennoniten eintraf, die in dem Nest einen Kongress abhalten wollten.

Jacob und Crupi, ja überhaupt ganz Sainte-Marie-aux-Mines, wussten nicht einmal, dass Markirch im 16. Jahrhundert die «Wiege der Amischen» war, eine Abspaltung der Täufer oder Mennoniten. Die Amischen nennen sich noch heute so, weil sie religiöse Gefolgsleute des Simmentaler Sektengründers Jakob Ammann sind, der im 16. Jahrhundert vor den Berner Religionswächtern nach Markirch floh, bis die strenggläubige Gemeinschaft über das grosse Wasser in die USA hinübersetzte.

Zum Kongress brachten die Mennoniten Dekorationen mit, die eigentliche textile Kunstwerke sind und als Kunstform Patchwork heissen, zu Deutsch «Flickwerk». Die Ausstellung beeindruckte; der Historiker Jacob ging auf Fährtensuche und entdeckte eine unglaubliche Welt, eine Welt, die ihren Anfang im Altertum, bei den Chinesen und bei den alten Ägyptern und in ganz Mesopotamien nahm und in unserer Zeit auf der ganzen Welt nicht nur bei den Amischen oder Mennoniten Anhänger, Kunstschaffende und Sammler hat. Die erste Patchwork-Ausstellung in Sainte-Marie-aux-Mines im Jahr darauf war ein überwältigender Erfolg, und ist seither Tradition.



Überall in der Gegend hängen Fahnentücher, die auf das kommende Festival aufmerksam machen.


Erstaunlich ist auch, wie das Festival in den 13 Jahren seines Bestehens zu einer international der wichtigsten Begegnungsstätten für die Textilkunst dieser Art werden konnte. Die beiden Initianten jedenfalls haben das sehr geschickt und pfiffig aufgezogen. Die Organisation ist perfekt, das Programm jeweils üppig, und die Nebenveranstaltungen bieten für die Fachleute und Künstler eine sehr interessante Palette an Vorträgen und Demonstrationen. Fürs Publikum gibts zudem kunsthandwerkliche Kurse (mehr Infos am Schluss). Am diesjährigen Wettbewerb sind 146 Einsendungen aus der ganzen Welt eingetroffen; 35 Patchwork-Werke schafften es in die engere Wahl. Eine Fachjury wird demnächst die beste Arbeit mit dem 3000 €uro dotierten Kunstpreis auszeichnen.

Die 18 Ausstellungen verteilen sich auf die vier nahegelegenen Gemeinden des Silbertales: Sainte-Marie-aux-Mines, Sainte-Croix-aux-Mines, Rombach-le-Franc und Lièpvre. Ein Shuttle-Bus fährt im 20-Minuten-Takt jeweils von und nach den Ausstellungsräumen in den vier Gemeinden.

Die Ausstellungen wollen gemäss den Initianten eine Plattform für die Begegnungen der Künstler untereinander und dem Publikum sein. Künstler und Aussteller kommen fast aus der ganzen Welt - beispielsweise aus der Schweiz, Frankreich, Italien, Dänemark, Deutschland, Norwegen, Japan, USA, Australien, Guatemala. Jedes Jahr wird ein Gastland eingeladen. Dieses Jahr ist es Spanien. Sonderausstellungen sind mit Werken aus Turkmenistan und ägyptischen Tent-makers (Zeltmachern) sowie «Quilts Amish» bestückt.



Der Waadtländer Jacques Légeret aus Pully zeigt zwei Patchwork-Decken, die noch nicht an ihrem Platz aufgehängt sind: Links die helle ist eine mennonitische und rechts eine der besonders kostbaren amischen.


Die Sonderausstellung «Quilts Amish» zeigt allein Werke aus dem Besitz des bedeutendsten Täufer-Patchwork-Sammlers der Welt, dem Waadtländer «Quilts»-Sammler und früheren «Construire»-Journalisten Jacques Légeret. Obwohl nicht «amisch», hat er vor Jahrzehnten Zugang zu den amerikanischen «bernischen» Amischen gefunden, als er in Amerika weilte, weil für seinen behinderten Sohn hierzulande noch nicht die neusten medizinischen Methoden zur Verfügung standen.

Légeret weiss genau um den unterschätzen Wert seiner Sammlung, die aus etlichen Stücken besteht, die man, hat man das Auge dafür, wohl der Kunst zuordnen kann, auch wenn man hierzulande solche Arbeiten ignorant dem Kunst-«Handwerk» unterstellt. Légeret kennt die Diskussion, sieht sie in vielem berechtigt, aber, er weiss um die schmale «Grauzone» der Definition und ist daher um so zurückhaltender. Sie ist auch das Thema seines Vortrages am Freitag, 15 Uhr, im Theater, wo er keine Antworten darauf gibt, sondern Fragen stellt, die dem Zuhörer vielleicht die Antworten selber ermöglichen.

Légeret stellt seine Kostbarkeiten in der lutherianischen Kirche «Eglise des Chaînes» im Stadtzentrum aus. Dass es grad eine Kirche ist, hat eben mit der Höhe der Wände zu tun. Aber die Veranstalter sind sowieso glücklich darüber, dass alle Gotteshäuser, ob «temple protéstant», lutherianische und katholische Kirche - von den Juden gibts seit den Nazis nur noch die «Impasse Juife» - freudig den Anfragen zugestimmt haben; der Ort hätte zuwenig geeignete Säle.

Légeret bietet aus seiner Sammlung freilich einige auch zum Verkauf an - nicht etwa «Produkte zweiter Klasse»! (Auch Ernst Beyeler in seiner Riehener Stiftung konnte seine Sammlung nur durch den Handel mit Kunst aufbauen.) Die «Amischen» verkaufen ihre grossen und kleinen Flickwerke, die ihnen als Bettdecken dienen, wenn sie von erwachsen gewordenen Kindern oder Verstorbenen stammen, um damit ihre medizinische Versorgung zu finanzieren, weil ihre Weltanschauung ihnen Versicherungen verbieten.

Um die 1200 bis 1500 €uro muss man bei Légeret für einen alten Amischen, etwas weniger für mennonitische, schon hinblättern, aber das sind «keine Preise» im Vergleich zu den «gemalten» Bildern des Kunsthandels, der seltsamerweise immer auf der Suche nach neuen Kunstexponaten ist, Patchworks jedoch so ziemlich ausser acht gelassen hat. Vielleicht zum Vorteil von Kunstsammlern mit beschränktem Budget, denen Patchwork ein ganz tolles Gebiet eröffnen kann, wenn man das Auge dafür schärft - wozu es eben in Sainte-Marie-aux-Mines Gelegenheit gibt.

Das Patchwork-Thema, das Betätigungsgebiet ist schier unerschöpflich, so immens, dass sich die Veranstalter keine Sorgen um die Zukunft des Festivals machen müssen. Allein in den USA haben sich zwei Millionen Patchworker in den Kunsthandwerker-Vereinen zusammengeschlossen - ausgenommen die Amischen und Mennoniten, die nochmals ein paar Zehntausende ausmachen. Die französische Gesellschaft, wo Patchwork ebenfalls Tradition hat, hat rund 16‘000 Mitglieder, und auch in der Schweiz und in Deutschland gibt es Vereinigungen dieser Handwerkskünstler - allerdings nicht mit diesen Mitgliederzahlen. Wie gross das «heimliche» Interesse an Patchwork als Kunsthandwerk, aber auch als Kunstform ist, beweist die Erfolgsstory des Festivals.



Ausschnitt aus dem diesjährigen Festival-Plakat mit Werken der Gastländer Ägypten und Spanien.


Rund 60 Prozent der Besucher sollen gemäss Erhebungen das Festival mehr als einen Tag lang besuchen. Allerdings bietet die Umgebung und die Anfahrt allein schon sehr viel Möglichkeiten für einen interessanten, ja abenteuerlichen Aufenthalt. Dringend zu empfehlen ist die Anfahrt über den Col de Ribeauvillé von Ribeauvillé her und ja nicht über die Schnellstrasse, sondern durch das dicht bewaldete Vogesengebirge. Eine schier nicht enden wollende Serpentine, eine spitzkehrenreiche Strecke, oftmals mit Kopfsteinen in den Kurven gepflastert, das sollte man geniessen wie ein Abenteuer.

Sainte-Marie-aux-Mines verrät in der französischen Form des Ortsnamens seine frühe Geschichte, die mit vielen merkwürdigen Spuren und vor allem mit dem städtischen Museum sowie einem ungeheuer abenteuerlichen und attraktiven Bergwerks-Stollenbesuch noch ganz präsent ist. Auch wenn die Zeit des Bergbaus vom frühen Mittelalter bis zum 16. Jahrhundert längst vergangen ist. Die jüngere Geschichte als glorioser Textilort ist noch überall ablesebar an den Kaminen und Bauten geschlossener Textilfabriken, die berühmteste und delikateste Textilien für die grossen Modehäuser der Welt oder für Fluggesellschaften wie die ebenfalls verblichene Swissair herstellten.



Das städtische Museum mit seiner eigenwilligen, aber schönen Architektur ist ein Muss selbst für die Besucher des Festivals, weil es Hintergrundwissen auf einem Platz vermittelt.


Die Geschichte des Silbertales, französisch «Val d‘argent», der Bergwerksperiode, die vom frühen Mitttelalter bis 1940 dauerte, sowie die gloriose Vegangenheit der Markircher Textilindustrie kann man in einem feinen und architektonisch sehr interessanten Museum erfahren. Die Besucher werden in individuellen Gruppen von äusserst fachkundigen Damen geführt. Zum Stollenbesuch sollte man sich telefonisch anmelden und nicht gerade mit Tanzschuhen hingehen (mehr Infos am Schluss).

Das Patchwork-Festival bringt augenfällig etwas fröhliche Farbe in die Gassen, wo auffallend viele Häuser geschlossene Fensterläden haben - über 1000 Bewohner verlor das Städtchen durch den Niedergang der Textilmanufaktur. Die letzte machte erst 2003 dicht und stellte auf einen Schlag 140 Leute auf die Strasse.

Das Patchwork-Festival kann den Einwohnerverlust nicht wettmachen, aber seine Gründer haben bewiesen, dass man mit wachem Geist und an Feuereifer mahnendem Engagement wirtschaftlicher Depression begegnen und somit neuen Anfängen Platz machen kann. Während der nur vier Tage dauernden Festivalzeit geben die über 16‘000 Besucher und Künstler, Fachleute und Kunstschaffende so nebenbei locker zwei Millionen €uro für Eintritt, Unterkunft und Verpflegung aus…


Fotostrecke: J.-P. Lienhard, Basel © 2007




Schön herausgeputzter Turmplatz, fotografiert vom gegenüberliegenden Café aus.




Die Gassen und Strassen in Sainte-Marie-aux-Mines historischem Kern sind mittelalterlich schmal und wirken darum bilderbuchhaft. Der Verkehr wird einbahn geführt, und die Geschwindigkeit ist auf 30 km/h beschränkt - doch kein Schwein hält sich daran, wie in ganz Frankreich allenorten…




Sainte-Marie-aux-Mines hat sogar ein Theater, ganz ungewöhnlich für so eine kleine Stadt. Hier finden während des Festivals Vorträge statt.




Der Landbach oder Lièpvrette, Grenzfluss zwischen Welschen und Alemannen, plätschert an wohl unfreiwillig begrünten Fassaden entlang…


Zeugen des Bergbaus



An der Inschrift über der Beiz erkennt man, dass Markirch im Oberelsass liegt, denn im Gegensatz zu den Unterelsässer Winstubs heissts hier Wistub ohne «n». Und der Name «Glückauf» verrät deutsche Spuren. Denn in der Zeit der Minen, kamen viele Bergbau-Leute von weit aus Deutschland. Damit sie die schwere Arbeit unter Tag überhaupt machten, erliessen ihnen die Herren der Minen die Steuern - nahmen ihnen aber das geschürfte Silber ab…




Die Kumpels hatten je nach Zeitperiode jeweils eigene Trachten. Diese hier stammt aus dem 16. Jahrhundert, als die Silberminen eigentlich ihrem Ende zugingen. Schuld waren die mächtigen Silbervorkommen im peruanischen Potosi. Geschürft wurde schon im Frühmittelalter, exakt seit 937, als die Mönche des nahen Klosters Echery das Silber im Boden entdeckten.




Im Wappen von Sainte-Marie-aux-Mines sind Bergmanns-Werkzeuge - hier Teil des Wappenmosaiks vor der «Hôtel de Ville», eingelassen im Kopfsteinpflaster, das so typisch für die Stadt und die alten Strassen der Umgebung ist.




Das «Hotel de Ville» wirkt ganz vornehm in seinem Kobalt-Blau, aber hoffentlich enthält es kein Kobalt, das nach der Erschöpfung der Silberminen gefunden und neben hochkonzentriertem Arsen bis ins vergangenen Jahrhundert geschürft worden war. Kobalt ist nämlich krebsfördernd radioaktiv…




Von den Juden ist in Markirch nicht mehr viel übrig als das Judengässlein. Es erinnert an die Zeit der Silberminen, als die Juden hier ihre Geldgeschäfte machen konnten.


Traurige Zeugen



Das Plakat «Zu verkaufen» sieht man allenthalben an den Immobilien. Etwa tausend Einwohner verlor Sainte-Marie-aux-Mines als Folge des Endes der Textilindustrie.




Noch in den siebziger Jahren war das Fest des Tuches ein Grossereignis im Frühjahr, und es gab allenthalben Gelegenheiten zum Kauf günstigen Stoffes. Hier ein vielsagendes Bild zum Ende der Textilaktivität: Ein Teil der Fabrik ist Ruine, im verbliebenen Teil ist Tuch-Ausverkauf… Nachträgliche Anmerkung: Die Hausruine sind die Überreste einer Brandstiftung, bei der am Neujahrsmorgen 2005 sechs Menschen, zwei Erwachsene und vier Kinder ums Leben kamen. Der Täter wurde gefasst und verbüsst eine mehrjährige Gefängisstrafe. (Info: Anne Muller, Dernières Nouvelles d'Alsace)




Ob auch dieses Haus unbewohnt ist - die Schaufenster jedenfalls sind zugenagelt.




Die Herrenmenschen haben, wie überall im Elsass, in Frankreich und beinahe auf der ganzen Welt, auch hier ihre abscheulichen Spuren hinterlassen: Mahnmal zur Deportation slowenischstämmiger Einwohner ins KZ, in den Tod.


Das Museum



Der Webstuhl des Lyoner Joseph-Marie Jacquard ist ein digital gesteuerter - mit Lochkarten - und sollte die Schwerarbeit des «Fadenziehens» durch Kinder ersetzen. Eine sozialrevolutionäre Erfindung mitten in der revolutionären napoleonischen Periode um 1805.




Die Lochkarten des Jacquard-Webstuhles - digitale Vorläufer der heutigen Computer-Steuerungen.




Und das konnte auf dem ganz aus Holz gebauten digitalen Jacquard-Webstuhl gewoben werden: Textilien für die Swissair selig…




Kobalt wurde in den Minen gewonnen und Arsen - bis 1940, als die Nazis ins Elsass einmarschierten und der Bergbau für immer eingestellt wurde.


«Quilts Amish» von Jacques Légeret




Die wertvollen Stücke «Quilt Amish» von Jacques Légeret hängen in der lutherianischen Kirche «Eglise des Chaînes» von Sainte-Marie-aux-Mines.




Aus seiner grossen Sammlung hat Jacques Légeret Stücke ausgewählt, die das Thema «Zig zag en pays amish» illustrieren.




Jedes Stück «Quilt Amish» ein Unikat und eines schöner als das andere. Die Decken waren mal Mitgift oder Kinder-Bettdecken und wurden an den langen Winterabenden gemeinschaftlich von den Frauen hergestellt.




Bewundernswert: Die amischen Frauen verwenden bei ihrer Handarbeit weder Skizzen noch folgen sie bekannten Mustern - und doch ergeben sich textile «Gemälde» von einzigartiger Harmonie.




Eine Decke «Quilt Amish» von nahem betrachtet…




…und schliesslich von ganz nahe fotografiert: Man sieht die Struktur auch erst von ganz nah, kann sehen, dass jeder Stich von Hand ausgeführt worden war und staunt bewundernd!



Was ist Patchwork? Die Definition

Patchwork («Flickwerk») ist eine Technik der Textilgestaltung, bei der kleine oder größere Stücke aus Filz, Leder, Pelz, Gewebe aus Seide, Leinen, Baumwolle u.a. zu einer größeren Fläche zusammengenäht werden. Die Stoffteile werden aneinander oder aufeinander genäht. Werden die Teile aneinander genäht, so spricht man von pieced work oder Mosaik-Patchwork; werden die einzelnen Teile aufeinander gelegt und mit unterschiedlichen Stichen fixiert, so spricht man von Applikation.

Patchwork lässt sich bis ins 1. vorchristliche Jahrtausend in Ägypten und Zentralasien nachweisen. Zeltbahnen, Decken, Kleidung wurden mit Patchwork gestaltet. Die Muster und Farben hatten hohen symbolischen Wert: sie sollten Unheil abhalten, Fruchtbarkeit bringen, dem Träger Glück oder Ansehen verschaffen. In Europa, wohin Patchwork mit den Kreuzrittern gelangte, stand die Resteverwertung im Vordergrund. Wärmende Bettdecken wurden in Patchwork angefertigt.

Heute werden Patchworkarbeiten eher nach gestalterischen Gesichtspunkten angefertigt. Waren zunächst Bettdecken (Quilt) Hauptgegenstand der Gestaltung, so werden daneben künstlerische Patchworkarbeiten «für die Wand» entworfen und ausgeführt. Bekannte Textilkünstler und –künstlerinnen arbeiten mit Patchwork.



Anmerkung

Eric Jacob wurde 2003 zum Direktor des Parc de Wesserling berufen - siehe

http://webjournal.ch/article.php?article_id=878
und
http://webjournal.ch/article.php?article_id=884

Jacobs Nachfolger in Sainte-Marie-aux-Mines ist sein früherer Mitarbeiter, der Touristikfachmann Christofero Crupi, der auch von Beginn dabei war und wesentlich am Aufbau des Festival-Erfolgs teilhat. Jacob und Crupi bilden aber nach wie vor eine Seilschaft.



Nützliche Informationen

13. Internationales Patchwork-Festival
Sainte-Marie-aux-Mines

Donnerstag, 13. September, bis
Sonntag, 16. September 2007

Donnerstag bis Freitag: 9 bis 19 Uhr
Sonntag: 9 bis 18 Uhr


Adresse

Initiatives Evènements
5, rue Kroeber Imlin
F-68160 Ste-Marie-aux-Mines
Tel. 0033 3 89 58 33 10
eMail: info@patchwork-europe.com
www.patchwork-europe.com


Eintrittspreise

Tageskarte 12 €uro
Passepartout für alle 4 Tage 18 €uro

Gruppen ab 20 Personen:
Tageskarte 10.50 €uro pro Person
Passepartout für alle 4 Tage 16.50 pro Person

Kinder in Begleitung Erwachsene bis 14 Jahre gratis
Behinderte gratis


Hotelreservationen

Office de Tourisme du Val d‘Argent
86 rue Wilson
F-68160 Ste-Marie-aux-Mines
Tel. 0033 3 8958 80 50
Fax 0033 3 89 58 80 49
eMail: tourisme@valdargent.com
oder via www.patchwork-europe com unter der Rubrik «infos pratiques»


Kunstwettbewerb 2008

Die Anmeldefrist für die Einreichung von Patchworks-Arbeiten zum Wettbewerb 2008 ist bereits angelaufen; sie dauert bis zum 12. Juli 2007. Verlangen Sie das mehrsprachige Anmeldeformular bei den Veranstaltern oder via info@webjournal.ch


Abenteuer Silberminen

Für Einzelpersonen und Gruppen ist eine telefonische Voranmeldung nötig, auch wenn sie kurzfristig erfolgt:

0033 3 89 58 62 11
oder über das Touristenbüro
0033 3 89 58 80 50

und während der Sommerzeit im Museum

0033 3 89 58 56 67

Die grosse Führung in der Mine «Eisenthür» dauert drei Stunden, davon eine in den Schächten; die kleine in der Mine «Gabe Gottes» eineinhalb Stunden.

Persönliche Ausrüstung: Warmer Pullover (8 bis 10 Grad immewährende Temperatur das ganze Jahr über), «abenteuergerechte» Hosen, und für die Führung Mine «Eisenthür» Wanderschuhe.

Eintrittspreise

Mine «Eisenthür»: Erwachsene 10 €uro, Kinder von 5 bis 12 Jahre 5 €uro
Mine «Gabe Gottes»: Erwachsene 8 €uro, Kinder 4 €uro

Adresse des Minen-Vereins:
Asepam
4, rue Weisgerber
F-68160 Ste-Marie-aux-Mines
Tel. 0033 3 89 58 62 11
Fax 0033 3 89 58 68 97
eMail: contact@asepam.org
www.asepam.org


«Le Jardin de la Lune»
«Der Mondgarten»

Eine künstlerische Intervention von Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger (beide Schweiz) im Herzen der alten Silbermine «Gabe Gottes» - bis 31. Mai 2008. Siehe Artikel auf webjournal.ch: http://webjournal.ch/article.php?article_id=846


Das Museum «Maison de Pays»

Place Prensureux
F68160 Ste-Marie-aux-Mines
Tel. 0033 3 89 58 56 67
Fax 0033 3 89 58 79 24

Öffnungszeiten bis 30. September:
10 bis 13 Uhr und 14 bis 18 Uhr

Eintritt: Erwachsene 5 €uro, Familien 11 €uro

eMail: maisondepays@wanadoo.fr
www.maisondepays.site.voila.fr


Bestellen Sie die Fotos in hochauflösendem Format auf CD/DVD oder online. Sie können ebenfalls hier den Text zur Wiederverwertung freischalten lassen © 2010: redaktion@webjournal.ch

Von Jürg-Peter Lienhard

Für weitere Informationen klicken Sie hier:

• Homepage 13. Patchwork-Festival (f/d/e)

• Komplettes deutschsprachiges Programm (3 MB)

• Situations- und Busfahrplan Ausstellungsorte

• Google-Maps - Strassenkarte und Routenplaner


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