Artikel vom 17.07.2007

Druckversion

Hitze-Motz

123456 Dumme

Wer ist denn so blöd und kauft das Nummernschild «BS 4»?

Von Jürg-Peter Lienhard



Mein Nummernschild BS 123456 gebe ich gratis dem dümmsten Hohlkopf ab. Wer meldet sich als erster? Tel.: 078 7654321


BASEL.- Autoschwuchteln haben seltsam beschränkte Weltbilder - wohl in den Hosen und nicht im Kopf! Sie bezahlen ohne mit der Wimper zu zucken 5000 Franken für vier Aluminium-Felgen oder leasen mit dem letzten Saft ihrer Lohntüte ein rundum schwarz eingefärbtes Donnermobil von der Marke, die meist von den Rücksichts- und Hirnlosen bevorzugt wird und in Bayern hergestellt, also mit einem «B» beginnt! Nun will das Basler Polizeidepartement mit diesen Strassendeppen auch ihr Geschäft machen und versteigert Autokennzeichen, als seien es Kleinode!

«BS 4» - wer will denn schon von weitem sich kennzeichnen, dass er statt Hirn nur Pferdeäpfel unter dem Skalp lagert, dass er angesichts des Elends in der Welt, ja, man kann schon in Basel solches sehen, Hunderte von Franken für eine völlig überflüssige Anschaffung zum Fenster hinausgeworfen hat? Dass er ein Egomane, ein armseliger Aufschneider ist?

Dann hat eine Schnapszahl als Autonummer noch einen anderen «Effekt», wenn man es mal «vernünftig» ansehen will: Heutzutage, wo der Brävste nicht so brav sein kann, wie er ist, falls es seinem Nachbarn nicht gefällt, ist es meist vorteilhafter, sich in der Öffentlichkeit unauffällig zu bewegen, um keinen Neid oder Ausgrenzung zu provozieren!

Im Frühjahr dieses Jahres 2007 mussten es 200 Autobesitzer auf der Strecke vom Club «ZigZag» in Allschwil über die Steinbühlallee bis ins Basler Gundeli hinein teuer dafür bezahlen, dass sie eine bestimmte Automarke oder Kontrollschild bevorzugten: Noch immer unbekannte Täterschaft hatte in wenigen Stunden des anbrechenden Sonntagmorgens an rund 200 Fahrzeugen mindestens einen Pneu, oft aber alle vier Reifen zerstochen…

Wir lesen in der Zeitung, dass sich der Strassenverkehr in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt hat, dass der Effekt der noch nicht fertigen Nordtangente in zehn Jahren verpufft sein wird; seit Anfang Jahr ist der Benzinpreis um mehr als 10 Rappen gestiegen - Tendenz anhaltend. Gratisparkieren in den Quartieren soll abgeschafft werden; die Polizei ist allgegenwärtig - Kamikaze-Autofahrer aber auch…

Die Autokultur ist das Schlimmste, was je über die Menschheit hereingebrochen ist. Und höchst bedenkenswert ist, wie schnell das alles geschah und wie wahnsinnig radikal sich die Autokultur in die Natur hineingefressen hat: Nämlich innerhalb nur einer halben Generation, und das sind «lediglich» fünfzig Jahre! 50 Jahre von 30'000, als der Mensch zum Menschen wurde! 1966 reiste ein heute 50jähriger auf Holzbänken dritter Klasse in die Bündner Berge - wem ist das heute noch zuzumuten?

Wer erfolgreich im Geschäftemachen ist, macht seine Geschäfte stets mit den Dummen. Zwar haben die es nicht auf den Haufen, aber sie werfen es mit vollen Händen zum Fenster hinaus. Und warum soll dann das Basler Polizeidepartement nicht auch seine Schürze aufspannen und darin den Geldsegen der Oberdummen auffangen?

Immerhin macht es das Basler Polizeidepartement etwas klüger als seine Kollegen von der Landschaft: Es versteigert die Nummernschilder via das Schweizer Versteigerungsportal ricardo.ch, womit es einerseits billiger fährt als die Baselbieter und andererseits keine eigene teure Software herstellen musste… Die Basler Polizei hält sich schadlos, zumal deren Juristen es wohl noch von der Lati-Stunde intus haben, wie Vespasian die Latrinensteuer in Rom begründete: «Pekunia non olet!»

Von Jürg-Peter Lienhard

Für weitere Informationen klicken Sie hier:

• Mediencommuniqué der Basler Polizei zur Nummernschild-Versteigerung im Format PDF


Klicken Sie hier, wenn Sie fortan bei neuen Artikeln dieses Autors benachrichtigt werden wollen!


Anzeige:

PlagScan



Nach oben


Copyright © 2003 by webjournal.ch

 

Die Funktion Newsletter ist wegen Spam blockiert. Schreiben Sie eine Mail an info(ad)webjournal.ch mit dem Betreff: «Bitte newsletter zusenden» Besten Dank für Ihr Verständnis.