Artikel vom 27.02.2007

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Am Radio/Fernsehen

Gummi-Beethoven

Beethovens Neunte ist so kultig, dass sie der norwegische Künstler Leif Inge nun digital zu einer 24 Stunden dauernden Gummi-Version gestreckt hat - ein durchaus hörenswertes Ergebnis, zumal man damit gut einschlafen kann…

Von Jürg-Peter Lienhard



Ludwig van Beethovens Büste per Photoshop etwas um die 24 Zentimeter in die Breite gezogen, damit sie zum Thema der auf 24 Stunden per Software in die Länge gezogenen Neunten passt…


Was aberwitzigen Künstlern den lieben langen Tag so alles einfällt, bliebe völlig im Dunkeln, wenn es nicht Internet gäbe: Zum Beispiel das Gummi-Projekt des norwegischen Künstlers Leif Inge, der mit einer genialen Software eine unglaubliche 24-Stunden-Klangsuppe aus Beethovens Neunter ins Netz stellte.

«Freude schöner Götterfunke» - die Worte Friedrich Schillers kennen nur Musikfreunde. Die Töne dazu jedoch missbrauchen selbst Leute, für die Musik so wenig bedeutet, wie Steine im Portemonnaie: Des tauben Beethovens Gewaltswerk, seine neunte und letzte Symphonie, ist im elektronischen Zeitalter - weil immer und überall verfüg-, d.h. hörbar - ein Kult-Stück geworden. Ein Kunst-Stück ist es allemal, aber die meisten kennen nur seinen gewissermassen «gassenhauerischen Refrain»…

Die Symphonie mit allem Schlag- und anderem Zeug dauert immerhin eine ganze Stunde, aber das ist den meisten schon zu viel… Gut gibt es Künstler wie der Norweger Leif Inge, dem eine Stunde Beethoven noch zu wenig ist - was ja begreiflich ist, wenn man sich mit Musik, mit dieser Musik befasst…

Das Beethoven‘sche Kunst-Stück des Norwegers begann im spielerischen Umgang mit einer aus Gag entwickelten Software, womit ein Informatiker zuerst eine Filmmusik zu einem Hitchcock-Streifen «dehnte». Inge brachte das auf die Idee mit der Neunten…

Das Resultat sei aber keinesfalls absehbar gewesen, erklärte der Künstler. Dafür aber, als der «Gummi» gebrannt war, um so beeindruckender, weil die geniale Komposition diese Dehnung nicht nur überstand, sondern sie geradezu «erweiterte»…

Die «Gummi-Neunte» hat der Künstler ins Internet gestellt, wo man sie in voller 24-stündiger Länge hören kann. Als Dienstleistung an die Leser von webjournal.ch haben wir den Link hier unten angegeben, damit unseren Lesern das Vergnügen nicht vorenthalten bleibe. Allerdings empfehlen wir, zuvor den Beitrag von David Schwarb auf «DRS2atkuell» anzuhören, wozu wir ebenfalls den Link angeben. Leider tut sich das Deutschschweizer Radio sehr schwer damit, hochinteressante Wortsendungen als mp3 oder Podcast zum Nach-Hören zu archivieren - es ist daher nicht gewiss, wie lange der Link gültig bleibt!

Die Meldung über die «Gummi-Neunte» gab intern Anlass zu verschiedenen Reflexionen - voreiligen, vorwitzigen, witzigen und anderen. Zum Beispiel: Damit könnte man Lärmsüchtige heilen, zumal in den Beizen und Bars mit den ohrenbetäubend laut eingestellten Musikanlagen. Neuerdings sind die mit dem Internet verbunden - mal sehen, ob man solche Geräte mit einem Fünfliber und der «Gummi-Neunten» wenigstens für 24 Stunden lahmlegen kann… Möglich auch, dass eine neue Klientele von Süchtigen sich entwickelt - wenn es dann auch noch Gummi mit Wagner wird: Wehe unserem Abendland…



Leif Inge während einer Pause bei seinem 24-Stunden-Gummi-Beethoven-Projekt.



24 Stunden Beethoven-Gummi - da lässt sich vortefflich schlafen dabei! Aufnahme aus der 24-Stunden-Uraufführungs-Performance von Leif Inge am 25. Juni 2004


Von Jürg-Peter Lienhard

Für weitere Informationen klicken Sie hier:

• David Schwarb zur Entstehung der «Gummi-Neunten» auf DRS2aktuell

• Hier 24 Stunden «Gummi-Neunte» auf dem Internet anhören


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