Artikel vom 24.01.2007

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J.-P. Lienhards Lupe

Also doch noch…

…obwohl alle vom Frühling, vom Klimakollaps und vom Weltuntergang sprechen, fiel über Nacht in aller Stille der erste Schnee des Jahres 2007

Von Jürg-Peter Lienhard



Bonsaï im Schnee, im ersten Schnee des Jahres 2007 in Basel: Bonsaï sind keine Stuben-Pflanzen - hätten Sie es gewusst?


Man wacht auf, weil etwas nicht so ist, wie es sonst immer ist. Die Katze hat nicht um 7 Uhr an der Tür gekratzt, um rausgelassen zu werden. Und dennoch hat mich ein Kratzen geweckt. Ein unsympathisches notabene, und wenn man es philosophisch betrachtet, gar ein anmassendes: Kaum fällt das erste, so lange ersehnte Schneeflöcklein, rücken die automobilen Nachbarn der Stille, die die weisse Pracht so wohltuend über die Stadt gelegt hat, mit ihren blöden Schaufeln zu 4.50 aus dem Jumbo-Do-it-yourself-Markt auf die Pelle…

Die Natur muss eben gebändigt werden, damit dem Auto freie Fahrt ermöglicht werden kann. Wir wissen aber alle, dass es letztlich die Natur ist, die das Auto bändigen wird, und mit dem Auto wohl auch das Menschengeschlecht!

Das Auto ist die schlimmste Erfindung der Zivilisation - das schleckt auch der TCS-Präsident nicht weg! Man muss sich einmal überlegen, was «Zivilisation» bedeutet: Das Menschengeschlecht ist höchstens hunderttausend Jahre alt - der Planet aber Hunderte von Millionen Jahren. Der Mensch ist erst vor etwa zehntausend Jahren von den Bäumen heruntergeklettert oder aus den Höhlen gekrochen. «Zivilisiert», das heisst, dass er zum Z'Midaag nicht mehr einen Menschen fressen tut, sondern Feld und Wald bestellt, «zivilisiert» ist er erst seit etwa 5000 Jahren. Lesen und Schreiben kann er auch heutzutage immer noch nicht - von ein paar Ausnahmen abgesehen…

Aber in der winzigen Zivilisations-Periode seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, das sind jetzt um die 60 Jährchen, hat er dem Planeten mehr zugesetzt als es ihm in den Jahrhunderten zuvor gelang - auch wenn schon die Römer vor 2000 Jahren den ganzen Libanon und die Adria abgeholzt hatten!

Mit anderen Worten: Überall wo Zweibeiner herumsecklen, droht Wüste zu werden! Was heisst «herumsecklen» - herumblochen mit Vierradantrieb im Flachland, mit Dreilitermotoren im Stadtverkehr…

Ach ja, wo war ich stehengeblieben? Beim ersten Schnee des Jahres 2007! Schnee, Schnee, endlich Schneeeee - es gibt ihn noch, jawohl! Lass den Schlitten in der Garage, aber hol den Schlitten vom Estrich runter, und ab geht's auf den Margarethenhügel - nur ein Stündlein, ein einziges Stündlein noch, bevor unser letztes Stündlein geschlagen hat!

Es wird uns schlagen, aber auch dem Blechschlitten mit Vierradantrieb, der sowieso keinen Platz im Grab hat. Dann besinnen wir uns vielleicht, bevor wir die Augen für immer schliessen, der letzten Schneeflöcklein, die wir mit wütender Inbrunst von der Einfahrt fegten. Doch dann dürfte die Erkenntnis zu spät sein, dass das Materielle vergänglich ist - die Natur uns aber besiegt hat…




Blick auf die bereits von wütenden Schneeschauflern teilweise weggefegte Schneepracht in einem Basler Aussenquartier: Wo haben denn die alle aufs Mal ihre Schneeschaufeln her - ausserhalb der Ladenöffnungszeiten? Das heisst, warum finden sie die um 6 Uhr morgens bei dieser Winter-Dunkelheit überhaupt?

Von Jürg-Peter Lienhard


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