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KulturSchweigen

Artikel vom 29.12.2006

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Basel - Kultur

Si isch duss!

Die Basler Fasnachts-Plakette und das Motto der kommenden Fasnacht 2007 sind draussen: Dem Grafiker und Trommelhund Pascal Kottmann ist ein sauschöner Wurf gelungen

Von Jürg-Peter Lienhard



Plaketten-Künstler Pascal Kottmann im Schatten von Florence Develey's Computer-Animation. Wenn Sie die
Plakette und den Künstler bei Licht sehen wollen, müssen Sie weiterblättern, indem Sie auf den Titel oder den roten Pfeil unter dem Anreisser klicken… Fotos: J.-P. Lienhard, Basel © 2006



Das Motto der Basler Fasnacht 2007, die mit dem Morgenstreich am Montag, 26. Februar 2007, punkt 4 Uhr in der Frühe, beginnt und bis zum Donnerstag, 29. Februar 2007, punkt 4 Uhr dauert, heisst: «D Strooss gheert uns!».



Und das sind sie nun: Ernst und schüchtern wirkt der Künstler - sein Werk im Hintergrund und in seinen Händen jedoch ist beschwingt, fasnachtsbeschwingt.


Wie bereits Tradition, wird die neue Fasnachts-Plakette vom Fasnachts-Comité jeweils vor Silvester der Presse und eine Stunde darauf den Obleuten der Fasnachtsvereine vorgestellt. Die Diesjährige geht allerdings erst am Dreikönigstag, Samstag, 6. Januar 2007, in den Verkauf.

Die Idee zur Plakette 2007 kam dem Grafiker und «Ueli»-Drummler Pascal Kottmann bei einem Schoppen vor der ehemals beliebtesten Basler Fasnachtsbeiz - die leider heute nur noch ein Abklatsch ihrer selbst ist - vor der Hasenburg: «Ich entdeckte das Strassenschild „Imbergässli“ - und dann machte es bei mir „klick“.» So einfach ist das mit genialen Ideen: Sie fliegen dem zu, der Augen im Kopf und Ohren daran hat.

Es waren 107 Entwürfe von 81 verschiedenen Künstlern und Künstlerinnen eingegangen, erklärte Florence Develey, eine der beiden weiblichen Comité-Mitglieder, eine schöner als die andere und klüger sowieso. Allerdings haben sich 11 Frauen zu einer Einsendung entschlossen, drei mehr als im vergangenen Fasnachtsjahr und sieben mehr, als es 2004 das erste Mal war, dass sich Frauen überhaupt an diesem - anonymen - Wettbewerb getrauten, sich zu beteiligten. Was die Pfarrerin Develey hoffnungsvoll nachrechnen liess, wie lange es dauere, bis eine Fünzigprozentquote erreicht sei…



Die Goldigi und 's Bijou vo Noochem…


Interessant auch, welche Sujets unter den eingereichten und am 15. August 2006 vom Fasnachts-Comité jurierten obenaus schwangen: Angeführt vom neuen Casino, folgten fast gleichauf das Rauchverbot und die «migrationsbedingten soziokulturellen Veränderungen», was Frau Develey aber schlicht mit «Multikulti», «wiederauflebender Patriotismus» und «Ethnowelle» («Edelweiss-Wiederentdeckung») übersetzte… sowie das umgebaute Hotel «Drei Könige».

Der Plaketten-Schöpfer Pascal Kottmann ist 37 Jahre alt und arbeitet als freischaffender Graphiker und Gestalter in seinem Atelier im Kleinbasel. In der Vorfasnachtszeit hat er schon öfters als Laternen- und Larvenmaler für verschiedene Gruppen gewirkt. Er selbst ist aktiver Trommler und Instruktor bei den sagenhaften Ordonnanz-Trommlern «Ueli 1876». Bei den zahlreichen Vorfasnachts-Veranstaltungen steht er immer wieder auf den verschiedenen Bühnen - zuletzt mit seinem grössten Erfolg bei der «Wirrlete 2006».

Das Plaketten-Sujet von Kottmann zeigt ein stilisiertes Strassenschild mit vier Schrauben in jeder Ecke. Ein «gerüttelt Mass» an kunterbunt zusammengewürfelten Buchstaben aus dem Setzkasten bilden das Zauberwort «Fasnacht», in dessen letztem Buchstaben sich ein Baslerstab versteckt und im Knauf des Bischofsstabes die Jahreszahl 2007 prangt. Zwischen den Buchstaben tummeln sich vier Fasnachtsfiguren, ein Trommler und ein Pfeifer selbstverständlich, aber auch ein trompetender Guggemuusiker und ein Schnitzelbänggler.



…und vo Noochem au die Farbige.


Ein Wermutstropfen jedoch goss Comité-Obmann Felix Rudolf von Rohr, der ein Pflaster über dem linken Auge trug und das dazugehörige «Veyeli» zuvor von der Drummeli-Schminke kaschieren liess, über die Bronzene und Silberne: Nach fünf Jahren unveränderten Plakettenpreisen, werden die «farbigen» je um einen Franken teurer - nämlich kostet die Kupferne neu 8 Franken und die Silberne 15 Franken. Der Gold-Preis und das Bijou bleiben mit 45 beziehungsweise 100 Franken gleich.

Obmaa Rudolf von Rohr - damit es keine «Missverständnisse» gibt: Er ist mit zwei schweren Kommissionen-Taschen gestolpert und voll uff d‘Schnuure gheyt, weil er eben die Hände nicht frei hatte - hat noch eine Neuigkeit aus dem Comité angekündigt: Das andere weibliche, bildhübsche und kluge Comité-Mitglied, Corinna Christen, gibt unter dem Patronat des Fasnachts-Comités das Buch «Basler Fasnachtsplaketten - Zeitspiegel 1911 - 2007» heraus. Vernissage ist der 25. Januar 2007, und die Erklärung, warum das Buch nicht schon für den Weihnachtsverkauf parat war, gibt ja der Titel: In dem Buch ist die Plakette 2007 schon enthalten - der Reinhardt-Verlag war also bis Freitag, 29. Dezember 2006, gewissermassen «Geheimnisträger»!


Motto 2007: D STROOSS GHEERT UNS!

Der stadtbekannte Dichter beweist wiederum sein ganzes Talent: Das Motto ist das Sujet zu einer Idee, aber er motiviert und dankt und fordert auch - alles in ein paar wenigen, meisterlich gereimten Zeilen ohne Schüttel, Knittel oder Knüppel, aber voller liebenswürdigem Charme:


E jeedi Strooss in Baasel, jeedi Gass und jeedi Matte
erinneret an Gschicht und gscheiti Lyt und Traditioon.
Mer daufe Grääbe, Stääge, Promenaade, Wääg, Rabatte.
Es git sogaar e Baasler Stroossenamme-Findigskommissioon,
und die erfindet jeedes Joor e Dotzed neyi Nämme.
An jeede Meeter Makadam wird hit e Namme ghänggt.
Nummen an ebbis, und doo sotte mer is wirgglig schämme,
an unseri Faasnacht nämmlig, het bis hit no niemerts dänggt.
Denn, wenn das zimftig Gwitter iber Basel yynebrääglet und s Faasnachtsfieber-Thermomeeter styggt bi Grooss und Glai,
wenn s Faarbe, Muusig, Räppli, Väärs, uff alli Gasse räägnet,
denn waiss me z Baasel wider: D STROOSS GHEERT UNS - uns ganz ellai!
E Stroossenamme, wo die scheeni Traditioon erhaltet
zaigt is d Blaggedde fir s Joor 007 ganz famoos.
Dr Pascal Kottmann und dr Dani Müller hänn si gstaltet.
Wäär waiss, villicht gits dääwääg doch emol e Faasnachts-Strooss?
Drum, kaufet jetz die scheene Stroosse-Daafele, die schygge!
Es koschte daas Joor Dail dervoo e ganz e bitzli mee.
Aber, was uuseluegt derbyy, goot, wie me waiss, an d Glygge!
Die kenne jeede Frangge bruuche. Danggscheen!

s Comité

Von Jürg-Peter Lienhard


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