Artikel vom 08.10.2006

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J.-P. Lienhards Lupe

Glosse

Wie der Fährimaa zum «Fährmann» ward

Verzell Du das em Fährimaa: Deutsche kurven als Fährimaa auf der «Wildmaa»-Fähri auf dem Rhein herum…

Von Jürg-Peter Lienhard



Bald weht die deutsche Flagge an den Basler Fähren. Bereits gibts im Frühling schon Grättimänner - nur schneien tuts noch nicht im Sommer, wo doch auch das nicht verwundern würde…


Meinetwegen soll es doch schneien. Meinetwegen sollen Erdbeeren im Winter, Grättimänner im Frühling und Deppen als Präsidenten der USA spriessen… Doch, was haben Deutsche als Fährimänner auf den Basler Fähren verloren? Gibt es denn keine Basler Fährimänner mehr; ist der Basler überhaupt ein Auslaufmodell?

Die «Gläserne» - das ist die neue Fähri, die zwischen der Dalbe und dem Kinderspital verkehrt; die «Wildmaa»-Fähri. Ihr Aufbau ist aus Glas, das heisst, sie hat gläserne Wände unter dem ganz normalen Fähri-Dach. Panorama-Fenster - das ist ganz toll, denn man sieht rundherum beide Ufer rheinaufwärts vom Kraftwerk bis rheinabwärts zum hässlichen Pflutter-&-Pflutter-Neubau des Bürgerspitals, das die Altstadt beim Totentanz um mindestens vier Beton-Stockwerke überragt - dieser Schandfleck aus der Zeit des stalinistischen Stadtzerstörers Wullschleger.

Die «Gläserne» sieht schön aus, am Ufer und mitten im Strom - und so gewagt, wie es in Leserbriefen schon hiess, ist ihre Architektur auch wieder nicht: Auf Fotografien Ende des 19. Jahrhunderts waren «gläserne Modelle» gar der «Normalfall»…

Und normal sind auf Basler Fähren auch Basler Fährimänner - denn diese können was erzählen, auf Baseldeutsch, wenn nicht grad viel läuft. Das heisst, wenn nicht grad viele Spaziergänger am anderen Ufer ungeduldig das Fährigleggli bimmeln lassen. Das ist stets der Fall, wenn ein Sonntag so schön voller Sonnenschein ist, wie am vergangenen 8. Oktober 2006. Dann kommen die Leute vom Tinguely-Museum oder vom Museum für Gegenwartskunst und wollen die Attraktion einer Rheinquerung für 1.20 pro Nase erleben.

Vielleicht wollen sie auch ein paar Brocken Baseldytsch erhaschen, weil ja der Fährimaa so was Originelles wie der Wildmaa selbst ist. Aber der Fährimaa kann ihnen die Geschichte des Wildmaa nicht erzählen, denn er ist momentan ein Deutscher…

Ich habe nichts gegen Deutsche, aber ich fühle mich als Näger, wenn in Basel ein Färimaa mir auf Hochdeutsch den Fahrpreis abknöpft! Wohlverstanden, das scharfe Hochdeutsch und nicht etwa das vertraute Alemannische aus dem Markgräflerland. Bin ich denn eigentlich noch in Basel zuhause?

Zwar ist der deutsche Fährimaa ein freundlicher - beim Einkassieren -, aber seine Hilfs-Fährimänner, zwei an der Zahl, sind auch Deutsche, und man hört deshalb aus der gläsernen Kabine deutsch und deutlich, wer da das Ruder in den Händen hält.

Wahrscheinlich geben die das nicht so schnell aus den Händen, und bald einmal dürfte die schwarzgoldrote Flagge über dem Fähridächlein gehisst und in Euro kassiert werden…

Immerhin will ich noch anmerken, dass der deutsche Kapitän erklärte, dass der «eigentliche Fährimaa» ein Basler sei - oder zumindest Baseldeutsch spreche -, doch es komme vor, dass der einen Ersatz brauche, und wenn der Ersatz auch einen Ersatz brauche, dann kommt eben Ersatz aus Deutschland ans Ruder.

Meinetwegen soll doch ein Deutscher Fährimaa sein, und meinetwegen soll der Fähriverein einen Motor an die Fähri schrauben…


Von Jürg-Peter Lienhard


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