Artikel vom 04.10.2006

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Rubrikübergreifendes

Eurocops gegen Kamikaze-Brummis

Innert einer Woche europaweit über 122’000 Lastwagen kontrolliert - die Aktion geht weiter

Von Redaktion



Da wird einem der «Elefanten der Landstrasse» auf den Stosszahn gefühlt: Die europaweite Aktion geht in den nächsten Monaten weiter… Fotos: Polizei BL


LIESTAL BL.- Das nennt man kontinental-konzertierte Aktion: In 15 Ländern Europas winkten Polizisten mit der roten Kelle 122‘433 Brummis von der Strasse zur Kontrolle. 21‘099 Polizisten in Belgien, Dänemark, England, Frankreich, Griechenland, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Rumänien, Schweden, Slowenien, Spanien, Zypern und der Schweiz waren vom 18. bis 24. September 2006 an Hunderten von Kontrollposten im ganzen europäischen Strassenverkehrsnetz im Einsatz.

Die Bilanz für ganz Europa steht zwar noch aus, aber die Zahlen in der Schweiz hat die Polizei Baselland am Mittwoch, 4. Oktober 2006, schon detailliert bekanntgegeben. Und die Zahlen sind erschreckend, selbst wenn der Grossteil der kontrollierten «Lastwägeler» zu keinen Beanstandungen Anlass gab: In diesem Beruf gibt es Leute, die sogar als Fussgänger für die Allgemeinheit gefährlich sind!

In der Aktionswoche kontrollierten in der Schweiz 24 Polizeikorps mit 651 Polizisten an 293 verschiedenen Kontrollstellen und während 2150 Arbeitsstunden 3194 Lastwagenfahrer und ihre Farzeuge: Darunter waren 34 Chauffeure, deren Fahrfähigkeit durch Alkohol, Drogen, Medikamente oder Übermüdung erheblich eingeschränkt war oder solche, die «nur» kriminalpolizeilich gesucht wurden. Das sind zwar «lediglich» etwas mehr als ein Prozent aller kontrollierten Chauffeure. Aber vielleicht hatten die Benzin oder Chemie geladen - auf jeden Fall lenkten sie eine tonnenschwere Maschine, mit der auch ohne Ladung enormes Unheil angerichtet werden kann.



Gewichtsüberschreitung ist kein «PS-Kavaliersdelikt», sondern kann die Bremsen überhitzen und das Fahrzeug in Brand setzen - im Gotthard-Autotunnel beispielsweise…


Ebenso schlimm die Zahlen über die Mängel an den Fahrzeugen, wovon allein in der Schweiz sechs Fahrzeuge in derart verlottertem Zustand waren, dass sie gar nicht mehr weiterfahren durften! Von den 3194 in einer einzigen Woche kontrollierten Lastwagen hatten nebst den erwähnten sechs Schrottbomben weitere 93 Fahrzeuge erhebliche technische Mängel aufgewiesen.

Der Katalog der persönlichen Verfehlungen der Chauffeure ist ebenso eindrücklich: Neun manipulierten den gesetzlich als Urkunde klassierten Fahrtenschreiber (Urkundefälschung!), 136 hielten die Ruhezeit nicht ein, acht waren mit ihren tonnenschweren Gefährten viel zu schnell unterwegs und 30 hatten ihre schwere Ladung so lausig gesichert, dass man sich gar nicht auszumalen wagt, was bei einer schnellen Kurvenfahrt für eine Katastrophe hätte passieren können!

Ins gleiche Kapitel von Verantwortungslosigkeit gehören die 93 Fälle von überladenen Fahrzeugen: Die Überschreitung des zulässigen Höchstgewichtes kann die Bremskraft verringern, kann Bremsen überhitzen und die Ladung in Brand setzen, wie das gerade kürzlich vor dem Portal zum 17 Kilometer langen Gotthard-Autotunnel geschah - nicht auszudenken, was hätte geschehen können, wenn das Fahrzeug mitten im Tunnel gebrannt hätte!



Gefahrengut-Transporteure sollten sich besonders bewusst sein, was sie mit ihrer Ladung alles Unheilvolle anstellen können. Offenbar gibt es darunter solche, die weder lesen noch verstehen können, was mit «Gefahrengut» gemeint ist…


Unverständlich sind auch die 30 Übertretungen in Zusammenhang mit Gefahrengut - das kann Benzin oder Chemie sein und heisst, dass im Falle eines Unfalles beispielsweise die Trinkwasserversorgung ganzer Regionen zerstört wird. Gerade diese Chauffeure sollten daher ein erhöhtes Gefahrenbewusstsein haben… Sie sollten aber auch dafür sorgen, dass ihre Dokumente in Ordnung sind, also Aufschluss über die sicherheitsrelevanten Elemente der Ladung geben - doch 38 Chauffeure waren diesbezüglich ungenügend dokumentiert.

Die in ganz Europa in der Zeit zwischen dem 18. und 24. September 2006 durchgeführten Grosskontrollen standen unter der Schirmherrschaft von Tispol (European Traffic Police Network). Sie werden auch in den kommenden Monaten weitergeführt, wie die Kantonspolizei Baselland in ihrer «Erfolgsmeldung» hervorhebt.!

Tispol ist die Vereinigung der europäischen Verkehrspolizeien, vergleichbar mit Interpol im Kriminalbereich. Die gesamtschweizerische Tispol-Koordinationsstelle für die operativen Massnahmen bekleidet die Polizei Baselland.



Brummi-Kontrollen sind keine Schikane für Lastwagenchauffeure, sondern nötig für die Sicherheit nicht allein der Strassenverkehrs-Teilnehmer, sondern für die ganze Bevölkerung: Zum Beispiel zum Schutz der Trinkwasserversorung!

Von Redaktion


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