Artikel vom 18.09.2006

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J.-P. Lienhards Lupe

Glosse (Kategorie: Scharfe…)

Ecomusée wird zur «Affäre Büttner»

Was es nach dem Rücktritt des Gründerpräsidenten Marc Grodwohl noch zu sagen gibt

Von Jürg-Peter Lienhard



«Standing Ovation» für den guillotinierten Gründer des Ecomusée d'Alsace. Schnappschuss: J.-P. Lienhard, Basel © 2006


Einer Beerdigung gleich wirkte die Generalversammlung der Association de l‘Ecomusée d‘Alsace am Sonntag, 17. September 2006, und deutlich ging aus den Voten hervor, wie die Gewählten im Elsass von Präsident Charles Büttner und Hintermännern manipuliert und erpresst worden waren - zu spät auch für die Schlafmützen in der Opposition…

Der Kaysersberger Bürgermeister Henri Stoll bedauerte - zu spät -, dass er grad mal eine Viertelstunde das Besiegelungspapier des oberelsässischen Generalratspräsidenten Charles Büttner «studieren» konnte, bevor auch er, wie alle anderen Oppositions-Abgeordnete auch, brav das Pfötchen zum Todesurteil von Marc Grodwohl erhob. Was für «demokratische» Zustände im Elsass, dem rabenschwarz konsevativsten Departement von ganz Frankreich!

Dem seltsamen Votum von Stoll ging diese denkwürdige Generalversammlung des Vereins des Ecomusée voran, an dem die hauptsächlichsten Hintermänner des Komplotts gegen Marc Grodwohl, die Generalrats- und Regionalrats-Präsidenten Charles Büttner und Adrien Zeller, mit Abwesenheit glänzten, obwohl sie zum Vorstand gehörten…

Sie brauchten allerdings nicht «physisch» anwesend zu sein, denn ihre Stimmen, zwei von ein paar hundert, hatten mehr Gewicht, als es bei basisdemokratischen Entscheidungen protokollarisch braucht: Ein Federstrich nach lange und verdeckt gespielten Täuschungsmanövern fällte den Kopf des Ecomusée-Gründers Marc Grodwohl wie weiland am Malefizgericht von Altkirch man Unbequemes mit Schein-Argumenten auf den Scheiterhaufen verurteilte.

Immerhin hörte man an der Versammlung ein Rumoren unter den Anwesenden - etwa 200 an der Zahl: Das Thema «les salariés» - die Angestellten - sorgte für leichte Unruhe. 50 von hundert, oder 45 von 70 - je nach Zählweise - müssen über die Klinge von Charles Büttner springen. Statt Animationen zu bieten und den Anspruch eines lebendigen Museums zu erfüllen, soll der «Restbestand» nur noch Aufsicht ausüben - die mit so wenig Leuten nicht mehr betreubaren Tiere seltener Rassen wandern wahrscheinlich in den Kochtopf…

Und offensichtlich wurde auch, wie erpresserisch mit Zahlen manipuliert worden war, um das Ecomusée d‘Alsace auszuhungern, den Flop mit dem Bioscope zu vertuschen und die von langer Hand vorbereitete Fusion zwischen Plastikpark und dem Ecomusée d‘Alsace durchzuziehen!

Die Desinformation, an der die elsässischen Medien Mitschuld tragen, zeigte Wirkung: Man bezichtigte Marc Grodwohl der Misswirtschaft - bei dieser Lesart nicht weit weg von Betrug -, jeder Depp, jede Ratte, wollte es besser wissen oder besser können. Die Stimmung wurde erfolgreich geschürt!

Noch sind nicht alle Karten aufgedeckt. Dass Büttner vor dem Handelsgericht am 12. September 2006 keine Namen nannte, deutet darauf hin, dass es ihm zu riskant erschien, so früh Leute aus dem Pariser Plastikpark als Nachfolger Grodwohls zu nennen.

Auch weiss man noch nicht, ob Grodwohl einfach zu hoch gepokert hatte, als er sich mit Büttner anlegte. Rein gefühlsmässig ist diese Version aber wenig wahrscheinlich: Die herrschende Polit-Clique hatte über Jahre genug Zeit, Grodwohls anarchische Strategien zu studieren und ihn mit seinen eigenen Waffen zu schlagen, ihn ins offene Messer laufen zu lassen, als die Zeit kam, ihn abzuservieren!

Völlig unverständlich ist es zudem, dass in der informierten, aufmerksamen Bevölkerung man in Zusammenhang mit dem Bioscope von einer «affaire des fesses» - einer «Arschbacken-Geschichte» - zu erzählen weiss: Hinter dem monomanen Funpark stecke die ehrgeizige Pariser Mätresse des politischen Hauptprotagonisten. Doch lesen konnte man dies nirgendwo, und niemand von Verstand brachte dies aufs öffentliche Tapet: Duckmäusertum, die bekannte elässsische «Krankheit»!

Somit führt uns das Elsass vor Augen, dass die Bibel umgeschrieben werden muss: Nicht das Kotelett ist es, was Adam korrumpiert, sondern das, was unter seinem Feigenblatt rumpelt…

Von Jürg-Peter Lienhard


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