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Artikel vom 24.08.2006

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Basel - Allgemeines

Vergängliche Brautgeschenke

Bei den einen ist im Frühling «Frühling»; die anderen Balzen im Herbst - zum Beispiel die Kapweber-Vögel…

Von Redaktion



Nein, das Bild ist nicht «verkehrt» publiziert: Der Savannenvogel Kapweber baut zuerst das Dach, dann erst das Haus - logisch-biologisch, denn ein Dach schützt schon mal vor Regen, und den gibts in der Savanne mitunter heftig auch…Fotos: Zoo Basel © 2006


BASEL. zoo.- Zwitschernd und flatternd, kopfüber an einem im Rohbau fertig erstellten Einfamilienhäuschen hängend, werben Kapwebermännchen im Zolli zurzeit um heiratslustige Weibchen. Im Vogelhaus herrscht Hochbetrieb.

Die Kapweber im Basler Zolli gehören zur Familie der Webervögel. Sie sind, wie viele andere Vertreter dieser Gruppe, passionierte Baumeister und besitzen Fähigkeiten, die in sehr unterschiedlichen Ausprägungen nur ihnen eigen sind: Mit Hilfe von Schnabel und Füssen verknoten sie geeignete Gräser und Palmblattstreifen zu Schlingen und Kordeln oder weben damit die Aussenhülle ihres beutelförmigem Nestes.

Männchen beginnen am äussersten Ende eines Zweiges, oft an einer Gabelung, mit der Konstruktion des Fundamentes. Anders als bei unseren Häusern liegt letzteres nicht unter sondern über der Wohnung. Die Güte der Aufhängevorrichtung entscheidet darüber, ob die Behausung auch schweren Gewitterstürmen in der Savanne zu trotzen vermag.

An dieser delikaten Stelle kommen verschiedenste Knüpftechniken zur Anwendung. Das Ende des Ästchens wird meist auf einigen Zentimetern Länge in den Strang der Aufhängung eingeflochten. Unmittelbar darunter formen die Weber einen Ring von etwa 15 cm Durchmesser, der das zweikammerige Nest in ein Entree mit Anflugöffnung und eine Brutkammer teilt.

Kaum ist die Behausung im Rohbau fertig erstellt, versuchen die Männchen mit ihren eingangs beschriebenen, auffälligen Verhaltensweisen, Weibchen anzulocken.

Lässt sich eines auf die Besichtigung der Unterkunft ein, so willigt es mit seiner Erkundungstour automatisch in eine Partnerschaft mit dem Baumeister ein und beginnt kurz darauf sofort mit dem Innenausbau des Brautgeschenks. Das Weibchen sammelt dazu feine Daunenfedern und andere weiche Materialien, die für das Auspolstern der Kinderwiege geeignet sind.



Hat das Kapweber-Weibchen erst mal zur Besichtigung der «Briefmarkensammlung» eingewilligt, ist es mit allem anderen auch einverstanden und beginnt mit der «Möblierung» des Liebesnestes ebenfalls logisch-biologisch mit dem Federbett zuerst…


In der Voliere der Kapweber laufen derzeit die unterschiedlichsten Fortpflanzungsaktivitäten parallel. Einerseits lassen sich Männchen beim «Häuserbau» beobachten. Manchmal stossen andere dazu und stören; sie werden kurzerhand verjagt. Im kleinen Schwarm sind aber auch flügge Jungvögel auszumachen, die von ihren Eltern noch bereitwillig mit der nötigen Nahrung versorgt werden.

Ob Kapwebermamas auch noch mit der Brut beschäftigt sind? Direkt beobachten lässt sich dies nicht. Dass sich im Verborgenen aber etwas tut, lässt sich dann sicher sagen, wenn Nester ohne äussere Einwirkungen plötzlich zu wackeln beginnen…



Das «Fundament auf dem Dach» verhindert zudem, dass es dem Nachwuchs in den Schnabel regnet, zumal, wenn er den zu weit aufmacht…

Von Redaktion


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