Artikel vom 21.05.2006

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Elsass - Kultur

Fotoreportage

Das war die Nacht der Museen

Der Gratiseintritt in die historische Jahrmarktabteilung im Ecomusée d'Alsace vom Samstag, 20. Mai 2006 war ein voller Erfolg

Von Juerg-Peter Lienhard



Etwas von Basler Herbstmesse - und das mitten im nahen Elsass: nächtliche Jahrmarkt-Stimmung im Ecomusée d'Alsace. Wegen Grosserfolg für die «veille» (der Nacht zuvor) am französischen Nationalfeiertag «Quatorze Juillet» als Wiederholung geplant. Alle Fotos: J.-P. Lienhard, basel © 2006.



UNGERSHEIM BEI MÜLHAUSEN (ELSASS).- Die historischen Fahrgeschäfte der Jahrmarktabteilung im Ecomusée d'Alsace sind mit ihren bunten Kulissen und Figuren schon am Tag beeindruckend. Eine ganz andere Stimmung ergibt sich jedoch nachts, wenn Tausende von Lämpchen an den Bahnen und Buden gewissermassen um die Wette leuchten, um möglichst für jedes Geschäft viel Aufmerksamkeit der Besucher auf sich zu ziehen. An der Nacht der Museen im Ecomusée d'Alsace zog der Lichterglanz die Leute an, wie die Insektenschwärme…

Erst zum zweiten Mal beging Frankreich aus Anlass des internationalen Tages der Museen die «Nacht der Museen». Während die Museen in der Stadt Mülhausen dafür Eintritt verlangten, war der Zutritt ins nächtlich beleuchtete Museums-Dorf und in die Jahrmarkt-Abteilung des Ecomusée d'Alsace gratis. Und das haben fast 2000 Personen, darunter sehr viele Familien mit Kindern, genossen.

Die Stimmung war herrlich, obwohl mitunter eine steife Brise wehte. Immerhin war es trocken, was jedoch für die Jahrmarktabteilung im grossen und ganzen keine Rolle spielt, denn die grossen Fahrgeschäfte und Buden sind in einer riesigen Halle untergebracht. Für Basler hatte die nächtliche Atmosphäre so etwas wie «Herbstmesse»; es fehlte noch der Marroni-Duft, der über den Buden und Bahnen des über 500jährigen Traditions-Jahrmarktes von Basel zu schweben pflegt. Immerhin gabs im Ecomusée d'Alsace eine Schleckereien-Bude mit «Barbe-à-Papa» - wie Zuckerwatte auf Französisch heisst -, und der Duft von gebrannten Mandeln war weitherum zu riechen…

Wer genug von dem Jahrmarkttrubel hatte, machte sich auf zu einem ausgedehnten nächtlichen Spaziergang durch das romantisch beleuchtete Museums-Dorf mit seinen bald 80 Häusern. Wegen der Brise und der dadurch möglich gewordenen Brandgefahr musste jedoch auf das Abfackeln des Maibaumes unter einer riesigen Scheiterbeige verzichtet werden - was allerdings niemand vermisste, hätten die Leute doch den Jahrmarkt deswegen verlassen müssen… Zwar war das Ende der Veranstaltungen zur «Nacht der Museen» auf 23 Uhr vorgesehen, aber noch um Mitternacht schlenderten Romantiker höchst zufrieden durch das Museums-Dorf…



Stimmung und Lichterglanz unter der Jahrmarkthalle. Im Vordergrund die Kult-Sesselbahn und im Hintergrund das einzige überlebende Salon-Karussell von 1906, das «Eden Palladium» mit seiner imposanten Fassade.



Das Peugeot 203-Karussell aus den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Der Peugeot 203 war nach dem Zweiten Weltkrieg das Luxus-Auto par exellence - insbesondere das Cabriolet…



Papi oder Grosspapi, bewaffnet mit der Digitalkamera vor dem «Orient-Express» aus Vorkriegszeiten - im Hintergrund das Lichtspieltheater, dem Vorläufer des heutigen Kinos.



Schiesstand für kleine Pfeilschützen (links) hat auch im neuen Jahrhundert seine Anziehungskraft nicht verloren, zumal es darum geht, wer über mehr Geschicklichkeit verfügt…



Die grosse Jahrmarktorgel, eine echte Mortier, so laut, wie eine ganze Philharmonie (nur ausdauernder…). Der beeindruckende Musikautomat ist eines der wertvollsten Objekte der Jahrmarkt-Abteilung überhaupt! In der Region gibt es nur noch je einen im Musikautomaten-Museum von Seewen und im Automobilmuseum von Mülhausen.



Wo könnte der Apéritif für das Hochzeitsfest nicht stimmungsvoller genossen werden als auf dem Salon-Karussell im «Eden Palladium»? Das Brautpaar aus der Normandie (er) und aus Soultz (sie) jedenfalls hat eine gute Wahl getroffen!



Und da setzte sich dann die ganze Hochezitsgesellschaft hin zum Hochzeitsmahl im modernen «Storchen-Saal» mit direktem Ausblick auf die Jahrmarkt-Abteilung des Ecomusée d'Alsace. Dieser Eindruck dürfte dem Paar wohl so lange in Erinnerung bleiben, bis sie 66 und älter geworden sind…



So präsentiert sich der «Storchen-Saal» in der Jahrmarkt-Abteilung von aussen und mit dem Rücken zum Jahrmarkt. Der «moderne» Aspekt des Saalgebäudes unter dem Kassen- und Eingangsgebäude stört nicht, im Gegenteil, ist doch die Jahrmarkthalle ebenfalls eine moderne Eisenkonstruktion, und kontrastiert augenfällig ihre historischen Objekte.



Der Gründerpräsident des Ecomusée d'Alsace, Marc Grodwohl, mit seiner Diréctrice, Bénédicte Nyssonnen, die seit der Gründung vor 22 Jahren dabei ist, im Kostüm des «Hanswurst», dem «Vorläufer» des oberrheinischen «Kasperle», «Kasperla» oder «Käsperli».


Von Juerg-Peter Lienhard

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• Lesen Sie die ausführliche Vorschau zur Nacht der Museen im Ecomusée

• Startseite Ecomusée d'Alsace (französisch)

• Das Hotel (Elsässer Fachwerkhäuser) im Ecomusée

• Das Restaurant des Ecomusée d'Alsace


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