Artikel vom 25.03.2006

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Rubrikübergreifendes

Schlaf-Diebstahl

Am Sonntag, 26. März 2006, um 3 Uhr in der Frühe, gilt wiederum für ein halbes Jahr bis zum 29. Oktober 2006: SOMMERZEIT!

Von Jürg-Peter Lienhard



An diesem Sonntag, 26. März 2006, stiehlt einem die Sommerzeit eine ganze Stunde Schlaf… Früh zu Bett gehen ist daher den Morgenmuffeln empfohlen!



«Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!» Dieser Spruch des früheren Vorsitzenden der Sowjetunion, Michael Gorbatschow, gehört mittlerweilen zu den fest verankerten Sprichwörtern des Abendlandes - weil er eben an Wahrheit nicht zu überbieten ist. Wer den Sommerzeitwechsel 2006 verschläft, da die Uhren um eine Stunde zurückgestellt worden sind, kann bös ins Fettnäpfchen treten, wenn er deswegen das Rendez-vous oder das Flugzeug verpasst…

Aus der Zeitung entnehmen wir, dass die das Wetter betreffenden Bauernregeln viel aussagekräftiger sind, als gemeinhin angenommen: Der Meteorologie-Professor Horst Malber von der Freien Universität Berlin habe den Vorhersage-Erfolg der Bauernregeln überprüft und sei auf eine Trefferquote von ganzen 65 Prozent gekommen!

Allerdings schreibt die Zeitung nicht, aus welcher Gegend die Regeln untersucht worden sind. Denn Bauernregeln umfassen zwar auch die Grosswetterlage, aber stets mit Blick auf das Mikroklima allein ihrer entsprechenden Gegend.

Die Beobachtungen der Grosswetterlage und des Mikroklimas waren für die Bauernsame überlebenswichtig, denn alle daraus gewonnenen Erkenntnisse hatten zum Zweck, zu frühe oder zu späte landwirtschaftliche Massnahmen zu vermeiden. Will heissen, Saat oder Ernte entsprechend den Wettervorhersagen anzulegen.

Problematisch bei der Deutung alter Bauernregeln ist die Sprache, die teils durch den religiösen Jahreskalender verklausuliert ist, teils durch beschränkten schriftlichen Ausdruck metaphorische Elemente verwendet, deren Bedeutung heute entweder verloren gegangen oder nicht mehr interpretiert werden kann.

Intelligente Anwendung der Beobachtungen

Ein Beispiel von den Kenntnissen der Mikroklimatik ist der «Wasserstein» im elsässischen Bauernhaus. Dieser «Schüttstein», wie er im baslerischen alemannischen Sprachgebrauch auch heisst, war immer an der wetterabgewendeten Seite des Hauses angebracht, weil durch den Ausfluss, der direkt ins Freie führte, Durchzug in Küche und Haus eintreten konnte. Mithin kann man daraus schliessen, dass die Baumeister von früher den Grundriss des Hauses so planten, dass es vom Wetter am wenigsten Schaden erlitt.

Verfügten heute Baumeister noch über diese Kenntnisse, könnten viele Wetterschäden an Fassade und Dach verhindert oder wesentliche Heizkosten eingespart werden. Nur: die heutige Bautechnik braucht sich nicht mehr um Effizienz oder Sparen am Bau zu scheren…

Mariae verkündet, was Wetters ist…

Gehen wir also davon aus, dass die Wettervorhersagen der Bauern nun wissenschaftlich fundiert bestätigt eine Genauigkeit von zwei von drei Treffern zukommt, so dürfte uns die folgende Regel aus der schweizerischen Sammlung der Bauernregeln von Albert Hauser (Artemis-Verlag Zürich und München) etwas missmutig stimmen - war doch das Wetter am 25. März 2006, dem Tage von «Mariae Verkündigung», genau das Gegenteil dieser Bauernregel aus Zürich aus dem 17. Jahrhundert: «Wenn‘s am Tage Mariae Verkündigung früh vor dem Sonnenaufgang schön und hell ist und die Sternen hübsch leuchten, so gibt‘s ein gut Jahr zu allerley Getreid.» Fast in denselben Worten «orakelt» der «Churer Schreibkalender» von 1708 und der «Newe Schreibkalender» von Baden von 1721.

Ein Trost ist hingegen der Spruch: «Wenn am Fridolinstag Schnee fällt, schneit es mindestens noch an 40 Tagen bis zum Lenz.» Der Fridolinstag ist im kirchlichen Kalender der 6. März. Und am 6. März 2006 lag bei uns fast ein halber Meter Schnee - den hats aber vom Samstag, 4. auf Sonntag, 5. März 2006 geschneit; am Montag, 6. März 2006, schneite es längst nicht mehr, und der Schnee war dann zumindest in der Innenstadt von Basel wieder weg, denn er musste dem «Morgenstreich» Platz machen…

Der «Hinkende Bot» sagt vom März: «So viel Regen der März, so viel bringt auch der Juni, und so viel Nebel im März, so viel Gewitter im Sommer.» Wieviel Regen war denn bisher im März? Wir Bürolisten haben eben ein kurzes Wetter-Gedächtnis…

Wie oben erwähnt, sind viele Bauernregeln sehr interpretationsbedürftig, wie zum Beispiel dieser aus dem Baselbiet, wo noch heute die Sprache Stallgeruch verströmt: «Z Maria Verkündigung, chehrt si jedes Gresli um.» Was das wohl meint?

Diese «Bauernregel» hingegen braucht keine besondere Interpretation: «Verliert der Bauer im April die Hose, war der Gummi schon im Märzen zu lose.»…

Von Jürg-Peter Lienhard


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