Artikel vom 03.02.2004

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Internet

Schadenfreude der «Macianer»…

Ein wirksamer Trick gegen den Computerwurm «Mydoom» und gegen zukünftige…

Von Jürg-Peter Lienhard



«Server nicht gefunden»: Der Computerwurm «Mydoom» hat den Server der SCO-Software-Bude wirkungsvoll abgeschossen - will heissen, deren geschäftliche Aktivitäten komplett lahmgelegt.

BASEL.- Viren und Würmer sind ein Dauerthema bei Computer-Benutzern. Bei allen? Nein, wer die Betriebssysteme Macintosh oder Linux benützt, ist gefeit. Und die armen Windows-Benutzer, die Herrn Bill Gates ihr Geld so gerne nachschmeissen? Auch ihnen könnte geholfen werden, wie der Programmierer des Mac-SBB-Fahrplanes, Alex Lüthy, zu wissen glaubt.

Das Rezept von Alex Lüthy ist einfach, aber auch radikal: Wer immer zum Gebrauch des Windows-Betriebssystems verurteilt ist, sollte einfach den Windows-Internet-Browser Explorer und das Windows-Mailprogramm Outlook wegschmeissen und dafür andere Browser und Mailprogramme verwenden. Dadurch kann man das Problem zwar nicht ganz beseitigen, aber man kann damit schon eine ganze Menge Sicherheitslücken ausmerzen.

Brutus Gates

Grund für diese schlechte Beurteilung des «Explodierers» und Konsorten aus dem Hause Microsoft sei die Unart, möglichst viele «Features» in die Programmierung dieser Internet-Programme einzubauen. Im Sinne von «Embrace and extend»: «Migrosaft» hält sich zwar an die Standards des weltweiten Netzes, baut aber immer wieder neue Funktionen ein, die auf anderen Browsern nicht laufen - weil andere Bowser sie aus Sicherheitsgründen nicht verwenden.

Der Effekt ist dann der, dass die Leute sagen: «Dieser oder jener Browser geht nicht - aber der „Explodierer“ läuft.» Diese «Erweiterungs-Politik» aus Konkurrenzgründen - sprich zur Ausschaltung der Konkurrenz - geht auf Kosten der Sicherheit. Dadurch laden die «Migrosaft»-Programme Viren- und Wurm-Hacker geradezu zum Unfugveranstalten ein, meint Lüthy.

Mit Gates-Milliarden Netscape gebodigt

Ein anderer Grund, dass ständig neue Angriffe auf «Migrosaft» erfolgen, ist deren hundsmiserables Image ihres Geschäftsgebarens: Der früher beliebte und weitverbreitete Internet-Browser des Internet-Pionieres Netscape wurde mit den Milliarden von Bill Gates schnell und wirkungsvoll gebodigt: Netscape ist am Ende - dafür ist jetzt der krankheitsanfällige «Explodierer» marktbeherrschend.

Dies hat die internationale Gemeinde der Computer-Freaks «Migrosaft» nicht verziehen, geschweige denn vergessen, was wohl auch mit ein Grund ist, weshalb Microsoft für den am Mittwoch, 4. Februar 2004, angkündigten Angriff eines neuen Wurmes Zielscheibe abgeben muss.

Microsoft zittert

Am Montag, 2. Februar 2004, war bereits die Softwarefima SCO erfolgreich vom Computerwurm «Mydoom» angegriffen worden: Der Server der bei den Linux-Anhängern unbeliebten Firma wurde wirkungsvoll zum Absturz gebracht - ein Riesenschaden für die Ami-Bude, die nun ein «Kopfgeld» von 250‘000 Dollar für die Ergreifung des Wurm-Schöpfers ausgesetzt hat. Doch dieser, bislang unbekannte Autor, sitzt wohl in Russland, wo ihn der lange Arm von «Uncle Sam» kaum greifen kann.

Dass SCO Zielscheibe der oder des Hackers von «Mydoom» wurde, hat sie sich selbst zuzuschreiben: Sie will auf richterlichem Wege in den USA Urheberrechte am freien Betriebssystems Linux durchsetzen - was diesem alternativen OS den Garaus machen könnte. Linux ist nämlich ein für Windows und Konsorten immer gefährlicher werdender Konkurrent: Das aufwendig programmierte und auf dem äusserst stabil laufenden System Unix basierende Betriebssystem ist frei erhältlich und wird von einer riesigen Masse von freiwilligen Programmierern auf der ganzen Welt ständig kostenlos weiterentwickelt und gepflegt.

Hut ab vor Münchens Stadtverwaltung

So hat sich beispielsweise die Stadt München von den proprietären und hochkostenpflichtigen Microsoft-Systemen verabschiedet und baut nun auf die Gratissoftware von Linux. Auch die Stadtverwaltung von Paris erwägt den «Umstieg» - aber auch die Gemeinde der privaten Linux-Anwender wird schneeballartig immer grösser.

Haben Sie den «Explodierer» nun weggeschossen? Mögliche Alternativen sind: Netscape, Mozilla, Opera, iCab (für Mac gerne sowieso empfohlen) usw. Aus Platzgründen kann ich nur die nachfolgenden Links direkt schalten. Suchen Sie eben selbst weitere Alternativen mit Google im Internet.


Microsoft: Ausweich-Homepage für Wurm-Angriff

Microsoft bereitet sich mit einer speziellen Internet-Seite auf einen möglichen Angriff des Wurms "MyDoom.B" vor. Das Unternehmen erwartet nach eigenen Angaben eine "Distributed Denial of Service"-Attacke gegen seine Online-Präsenz unter Microsoft.com.

Mit einer Ausweich-Adresse will der Hersteller seinen Kunden auch trotz des Wurm-Angriffs weiter Services im Internet anbieten. Außerdem arbeitet Microsoft mit Antivirus-Spezialisten zusammen, um den möglichen Angriff einzudämmen. "MyDoom.B" soll über eine Schadroutine verfügen, mit deren Hilfe infizierte PCs sinnlose Anfragen an die Website des weltgrößten Software-Produzenten geschickt werden können.

Anfang der Woche war der Online-Auftritt des Linux-Spezialisten SCO unter der Last von Anfragen zusammengebrochen. In ähnlicher Weise wie möglicherweise die B-Variante griff der Wurm "MyDoom.A" die Homepage des amerikanischen Unternehmens an. (smk)

Info: information.microsoft.com

Von Jürg-Peter Lienhard

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