Artikel vom 27.11.2005

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J.-P. Lienhards Lupe

Was soll da «verhindert» werden?

Kommentar zur Abstimmung vom 27. November 2005: Trotz einem wuchtigen Ja für das Gentech-Moratorium wollen «Fachleute» das Ergebnis nicht wahrhaben

Von Jürg-Peter Lienhard

Das Moratorium für das Einsetzen von gentechnisch verändertem Saatgut und das Verbot der Einfuhr von gentechnisch manipulierten Nutztieren - auf fünf kurze Jahre angesetzt - ist weder ein «Verbot für Forschung» noch eine «Gefährdung von Arbeitsplätzen». Es ist hingegen eine eindeutige Weichenstellung, die das Schweizer Stimmvolk zum Thema verantwortlicher Umgang mit Forschung und Umwelt vorgenommen hat - vorübergehend wenigstens.

Mit Gutachten kann man «beweisen», was man will, und Fachleute sind häufig blind gegenüber dem Ganzen: In den von Radio DRS im Anschluss an die denkwürdige Abstimmung zum Gentech-Moratorium am Sonntag, 27. November 2005, eingeholten Kommentaren von Politikern und Fachleuten sind teils haarsträubende Behauptungen aufgestellt worden.

Beispielsweise wurde häufig eine «Gefährdung des Forschungsstandortes Schweiz», die diesbezüglich an «fünfter Stelle weltweit stehe», beklagt. Auch Ausbildungsstätten für Forscher sollten an Attraktivität verlieren.

Die Frage ist: welche Forschung soll da «gefährdet» werden? Ziehen wir als Beispiel die Computerei hinzu, so wird das schnell klar, was «mit gefährdeter Forschung» gemeint sein kann!

Microsoft hat mit seiner Lizenzpolitik weltweit ein Monopol-Imperium aufgebaut, hat Netscape und andere Systeme kaputtgekauft. Viele erfolgversprechende Computer-Anwendungen mit hervorragendem Nutzungspotential sind dem Monopol von Bill Gates zum Opfer gefallen. Nur Apple hat (noch) widerstehen können, wenngleich auch als «Quasi-Nischenprodukt». Wer beklagt die verlorenen Arbeitsplätze, die Vernichtung von Forscher-Intelligenz in dieser Branche?

Mit dem Beispiel Microsoft will ich darauf hinwweisen, dass monopolistische Bestrebungen eines Global-Players dazu führen, dass deren «Patente» und «Lizenzenschutz» die Weltbevölkerung dazu zwingen werden, Saatgut - gentechnisch verändertes und daher patentiertes - nur noch von diesen Mono-Monopolisten beziehen zu müssen, denn anderes haben sie vom Markt gedrängt.

Wer immer von den auf Radio DRS zitierten «Fachleuten» die Abstimmung aus oben erwähnter Sicht beklagte, gehört nicht zu den Leuten, die ein Risiko zu tragen haben: Nicht Randegger, nicht - ja wie heissen die denn noch…

Einer davon, der echtes Risiko zu tragen hat, ist der ebenfalls zitierte Stephan Baer, Produzent der Baer-Käse. Er ist Unternehmer und nicht Manager, er trägt das Risiko, was Konsumenten aus seiner Produktion essen, d.h. kaufen wollen. Und er handelt als Unternehmer, dem sein Unternehmen und damit auch seine Mitarbeiter vordringlichstes Anliegen sind. Nicht der börsenkotierte Wert seiner Firma, sondern die Weiterexistenz des von seiner Familie traditionsreich aufgebauten Betriebes, der Arbeit und Lohn für viel mehr Leute bietet, als er beschäftigt. Baer will daher mit seinen Produkten für die weitere Zukunft markt- und überlebensfähig bleiben. Mit Produkten, die man kauft und nicht links liegen lässt!

Anders als Manager, die dafür bezahlt sind, den Aktienwert zu erhöhen, oder Interessenvertreter, die den Boden für Manager bereit machen sollen oder «Forscher», die aus ihrem beschränkten Weltbild Forschung um der Forschung willen betreiben wollen.

Mit dem Moratorium wird nicht «Forschung verhindert», sondern die Forschung auf andere, noch unbeachtete und noch nicht Aktienkurse steigernde Felder hingewiesen (nicht: verwiesen!). Das Stimmvolk wollte verhindern, dass da einem Moloch wie Microsoft ein Monopol zugeschanzt wird, das nicht mehr den Bedürfnissen der Bevölkerung entspricht, das nicht mehr andere Erkenntnisse zu generieren (zu erforschen) vermag!

Wie sagte die sagenhafte Frau de Meuron von Bern: «Sid Er öpper - ou heit Er Lohn?» Manager und Interessenvertreter beziehen Lohn; Unternehmer sind «öpper», denn sie ermöglichen Mehrwert nicht nur in Geld!

Von Jürg-Peter Lienhard

Für weitere Informationen klicken Sie hier:

• Microsofts Angriff auf den UN-Weltgipfel in Tunis 2005


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