Artikel vom 27.11.2005

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J.-P. Lienhards Lupe

Glosse

Jung alt werden

Jetzt weiss ich endlich, woran die Jungen untrüglich erkennen, dass man alt ist

Von Jürg-Peter Lienhard

Nein, nicht etwa an den immer zahlreicher werdenden grauen Bartstoppeln. Auch nicht daran, dass man keinen Walkman in die Ohren gestopft hat. Und auch nicht, weil ich lieber einen Zweier Roten statt einen gelben, grünen oder roten Zuckersirup-Drink bestelle.

Nein, es ist etwas ganz anderes, womit ich mich kürzlich völlig unbeabsichtigt bei einer Gruppe junger Leute als alter Sack «outete». Es ist - halten Sie sich fest - es ist mein «Bildungsvorsprung». Jawohl, mein Bildungsvorsprung liess mich ungewollt als hoffnungslos überaltert entlarven.

Ich bin völlig zerstört: Also jeden anderen Vorwurf hätte ich gelten lassen können. Aber «Bildungsvorsprung» ist es, und da man einen «Bildungsvorsprung» nicht einfach zum Fenster hinauswerfen kann (was würden denn die lieben Nachbarn meines Füdlibürger-Quartiers dazu sagen? Die Polente holen, jawohl, das würden sie tun!), frage ich mich seither, ob ich mich nicht freiwillig bei der Kehrichtverbrennung zum Entsorgen melden soll?

Dabei ist es heutzutage so einfach, sich einen «Bildungsvorsprung» einzuholen: Sagt man ABC in der richtigen Reihenfolge, statt FCB, ist es schon um einen geschehen: Wegen «Bildungsvorsprung» ab ins Altersasyl!

Wie sich die Zeiten doch geändert haben! Als ich noch jünger war als jetzt, wollten wir alle raschmöglichst einen Bildungsvorsprung ergattern, auf dass wir nicht in die Polizeischule eingezogen werden. Schlimmer kanns nur noch morgen kommen: Todesstrafe wegen «Bildungsvorsprung»!




Bildungsvorsprüngler auf dem Weg in die Kehrichtverbrennung…

Von Jürg-Peter Lienhard


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