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KulturSchweigen

Artikel vom 29.08.2005

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Nachruf

Ein «Seher» und Denker ist tot

Der Konzeptkünstler Rémy Zaugg 62-jährig in Basel gestorben

Von Jürg-Peter Lienhard



«UND WENN DER TOD ICH WÄRE» Konzept-Kunst von Rémy Zaugg.



PFASTATT (ELSASS)/BASEL.- Er war in Courgenay im Jura geboren worden, lebte in Pfastatt («Pfascht») bei Mulhouse und starb kürzlich in Basel: Rémy Zaugg (62), ein Künstler des Sehens und Denkens, Kritiker ebendieses und oft unbequemer Ideengenerator.

Noch zu seinen Lebzeiten hat sich gezeigt, wie durchdacht seine Seh- und Denkweise ist: Abgetan als unbequemen Vorschlag, als querulatorische Intervention, wurde Zauggs Idee, wie der Plan zur Umgestaltung des Centralbahnplatzes, wie der Platz vor dem Bahnhof SBB in Basel heisst, aussehen könnte. Er hatte die Gefahr des Missratens geahnt und mutig einen Vorschlag ausgearbeitet, der aber von den Behörden ignoriert und von der selbstherrlichen Denkmalpflege abgeschmettert wurde.

Das Resultat schreit zum Himmel: Fussgänger werden von Trams aus allen Himmelsrichtungen gejagt; die Möblierung der Haltestellen ist augenfällig dumm. Und jetzt sollen auch noch Millionen für die Abholzung des De-Wette-Parkes in den Sand gesetzt werden, wo man doch mit der von Zaugg vorgeschlagenen Verschiebung des Bartholdi-Denkmals auf den Centralbahnplatz nicht nur dem Memorial einen attraktiveren Standort zugeschanzt, sondern den Park auch fast gratis ausgelichtet hätte.

Ein Beispiel, wie die Gesellschaft - nicht mal nur die Basler! - mit Denkarbeit umgeht: Denken tut weh, und sich mit Gedachtem herumschlagen noch viel mehr…

Aber man muss doch seine Freude haben können an der Kunst? Man kann viel mehr haben an der Kunst, als seine Freude - so könnte man Rémy Zauggs Denkkonzepte frei nach Gerhart Hauptmann ins Schwarze treffen lassen.

Oder mit Paul Klee: Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar, zitiert Hans-Joachim Müller im «bazkulturmagazin» vom Montag, 29. August 2005, in seinem Nachruf auf Rémy Zaugg (mit freundlicher Genehmigung).

«MAIS MOI JE TE VOIS» («Aber ich, ich sehe DICH») heisst es auf einem seiner Konzept-«Bilder» - ein «Plakat» nur mit dem genannten Satz in Blau auf rotem Grund «gemalt»: Wenn Du schon glaubst, nichts zu sehen, die Kunst aber sieht Dich… und wahrscheinlich anders, als Du Dich selber sehen willst…

«Vielleicht hat kein zweiter Maler so unablässig vom Sehen gehandelt, ohne etwas zum Sehen zu bieten», mutmasst Müller in seinem Nachruf - immerhin aber analytisch treffend auf Zauggs Arbeiten. Und wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum der Konzept-Künstler Zaugg bei den Architekten Herzog & De Meuron in die Pflicht trat. Oder sagen wir: Das Kreativ-Team befruchtete.

Nun ist er tot; er starb zu jung, denn seine «Stimme» ist nötiger denn je! Sein Ableben werden auch seine vielen Schülerinnen und Schüler betrübt zur Kenntnis nehmen, denn er hatte Charisma und Talent, Talente zu wecken. Diese sind ihm ewig dankbar, auch wenn sie vielleicht sich nur mit einer echten Sevillaer Paëlla bedanken konnten. Zaugg war im Umgang kein «Klugscheisser» und kein Kostverächter - in diesem, wie in anderem Sinn!



Rémy Zaugg in seinem Atelier in Pfastatt (Elsass).

Von Jürg-Peter Lienhard


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