Artikel vom 09.08.2005

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Sommer-Motz

Ein Lob auf die Brief-Post…

Zurück, ihr Papageien und Affen, zurück auf die Bäume - zurück zum Papier und zur Füllfeder!

Von Jürg-Peter Lienhard



Die beste Waffe gegen eMail-Ignoranten und laienhaft-hysterische Spam-Filter: Ein Brief, ein handgeschriebener zumal. Bild: Goethens Handschrift: Jens Alder kann sie sicher nicht lesen, weil so was an der Sankt-Galler Managerschule nicht gelehrt wird.



Das haben wir davon, von der elektronischen Post: Sie kommt nicht an, wird nicht beachtet, spam-gefiltert, im Nirwana entsorgt und beantwortet schon gar nicht. Ein «altes» Rezept: Briefe auf Papier schreiben, mit einer (teuren) Briefmarke versehen - und ab die Post, die physische, nicht die virtuelle!

Herr Jens Alder sitzt auf ein paar Milliarden, die er zu entsorgen hat (in Zahlen: 7‘000‘000‘000 gute Schweizer Franken). Was der persönlich verdient, davon können alle Arbeitslosen, Ausgesteuerte nur träumen. Und vor allem: auch die Arbeitslosen und Ausgesteuerten bezahlen Alders Lohn. Alder jedoch beschäftig nur gerade sechs (in Zahlen: 6) Vollzeitangestellte. Alle anderen hat der hops gehen lassen. Zum Beispiel: Leute, die seinen Kunden Auskunft, technische Hilfe und Rechenschaft geben sollten.

Doch das ist so unbequem wie kostenintensiv - hat Alder in der heiligen Akademie Sankt Gallen gelernt -, und seither ist die Swisscom, wie die frühere PTT heute heisst, «eine feste Burg», eine «gute Wehr und Waffe», die «mit Ernst es jetzt meint, gross’ Macht und viel List ihr grausam’ Rüstung ist; auf Erd’ ist nicht ihresgleichen» (frei nach Martin Luther).

Je komplexer die technische Materie, desto eher braucht der Laie Hilfe. Aber die erhält er nicht, überhaupt nicht bei der Abzockerin Swissocm. Denn dort arbeiten nur sechs (siehe oben) Leute (je eine Person in Chur, in Zürich und eine auf dem Mond), die sich derart abschotten müssen, von den verzweifelten Kunden, die ihnen den Lohn zahlen, dass man weder mit eMail noch mit Kontaktformular noch mit Gopferdammi weiterkommt.

Apropos Gopferdammi: Sie, liebe eMail-Opfer, sollten sich doch an die alten Zeiten erinnern, da man einen Brief schrieb, vielleicht mithilfe einer Füll- oder einer anderen Feder, vielleicht gar mit einer alten, schallgedämpften «Underwood» mit ihrem wunderbar gefederten Anschlag?

Womöglich bleiben diese Zeiten nicht mehr sooo lange ausser Mode, auch wenn sie etwas (physische) Kräfte verlangen: Schreiben Sie doch einfach mal einen Brief, eine Beschwerde, eine Frage per - physischem - Brief, auf - physischem- Papier, und suchen Sie die Adresse aus dem (noch immer gedruckten - für wie lange noch?) - physischen - Telefonbuch. Die Werbebelästigten, die darin nicht mehr enthalten sind, ausgenommen, und schreiben Sie möglichst von Hand die Adresse auf das Couvert, das es in Zehnerpackungen (noch) immer in der Migros gibt.

Denn meine Prognose ist die: eMail ist eine Seifenblase, wie die Börsen- und Internet-Seifenblase, die vor ein paar Augenblicken (nicht: seit es Menschen gibt, sondern seit es das Internet gibt) geplatzt ist. Ein handgeschriebener Brief, frankiert und in den Post-Briefkasten geworfen, kommt immerhin (meist) an. Ob er gelesen und - ob überhaupt - beantwortet wird, hängt davon ab, ob er von einem Computer oder von einem Affen vernichtet worden ist.

Und die Moral obenstehender G'schicht: Ein Brief hat es tatsächlich in sich; er kann nicht einfach weggeklickt oder per eMail-Modul (nicht) beantwortet, im schlimmsten Fall jedoch in das «Rund-Archiv» entsorgt werden. Doch dafür haben Sie immerhin eine physische Kopie - nämlich die «Carbon Copy (CC)» (den Durchschlag mit dem Kohlepapier - sofern es das noch gibt).

Ich wünsche allen Papeterien und unserer Post viel Erfolg, letzterer jedoch ein «Revival» (denn die hat ja auch Sankt-Galler-Manager!)…

Von Jürg-Peter Lienhard


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