Artikel vom 06.08.2005

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Baden Württemberg-Kultur

Allerlei Zauberwerk in Kandern

Zurück aus den Ferien und wohin, wenns abends noch so schön ist? Ein Bericht und einige Ausblicke zum kommenden Programm des «Theaters im Hof»

Von Reinhardt Stumm



Christina Volk und Dalit Bloch in: «'s Ggheimnis vo Böös», am Sonntag, 7. August 2005, um 15.00 Uhr im «Theater im Hof» in Kandern-Riedlingen. Mehr Infos am Schluss.



KANDERN/RIEDLINGEN.- Es ist wieder Hochsaison im «Theater im Hof» ganz hinten in Riedlingen, zwei Kilometer von Kandern weg. Wieder einmal haben Dorothea Koelbing und Dieter Bitterli ein wunderschönes Sommerprogramm organisiert, das jeden Ausflug lohnt. (Zwischentitel, Legenden und Anmerkungen: jpl)

Es darf manchmal sogar ein bisschen regnen (manchmal auch ein bisschen mehr, am Freitagabend, 5. August 2005, war es doch zwischendurch richtig nass). «Sollen wir unters Dach gehen», fragte Urs Bihler die Zuschauer, die im Hof sassen; fragte es, ohne auch nur eine Sekunde aus der Rolle zu fallen. Die Rolle? Der Brautvater fragt die Gäste der Hochzeitsfeier. Und die Gäste sagten «neinnein, wir bleiben». Und es hörte auf zu regnen…

Dabei liesse sich der Umzug unter das Scheunendach in wenigen Minuten bewerkstelligen. Deswegen auch der Hinweis im Programm, dass bei jedem Wetter gespielt wird. Natürlich ist es schöner, wenn es warm und trocken ist. Die riesige Kastanie in der Hofmitte beschirmt die von Wohnhaus und Oekonomiegebäuden umgebene Spielfläche; draussen wummert manchmal spät noch ein Traktor vorbei, manchmal schlägt von der Dorfkirche drüben die Turmuhr.

«Der Totengeist»

Das Licht strahlt auf, und Miriam Goldschmidt und Urs Bihler promenieren, schlendern, tänzeln vergnügt, fast ein bisschen ausgelassen zu dem grossen, blütenweiss gedeckten Tisch, setzen sich, hänseln sich, beten ergreifend ernst und ergreifend fromm - und sind dabei von einer so beneidenswerten Heiterkeit, dass man lernen könnte, wie die Grenze zwischen Spiel und Leben aufgehoben sein kann.

Das Stück heisst «Der Dibbuk». Was ist ein Dibbuk? Das Lexikon belehrt uns: «Dibbuk, Dybuk (hebr. Anhaftung): Totengeist, der sich nach spätjüd.-kabbalistischem Volksglauben an den Leib eines Lebenden heftet. Er muss durch Exorzismen vertrieben werden.»



Kultus-Gegenstände der Dibbuk-Austreibung - haben aber erst am 30. April 1945 gewirkt - wenn überhaupt…



Eine Geschichte der Erinnerungen. Erzählt wird von einem Liebespaar, das nicht zusammenkommen kann, weil der Vater des Mädchens einen reichen Mann für seine Tochter will. Der arme Chanon probiert durch Zauberei zu Geld zu kommen. Er erklärt der staunenden Leah, wie das geht; dazu dient die Kabbala. Wieder brauchen wir das Lexikon, und da lesen wir: «Kabbala (hebr. Überlieferung): Engel- und Dämonenlehre. In ihrer Spätzeit sank die Kabbala zur Buchstabenmagie herab.»

Natürlich schafft Chanon es nicht, also wird Leah zwangsverheiratet. Chanon stirbt vor Kummer. Da bittet Leah seine ruhelose Seele auf dem Friedhof zur Hochzeit. Der Dibbuk kommt, besetzt das Mädchen, es wird schlimm. Ein Rabbi muss helfen. Er schafft es nur halb; am Ende sind die Seelen der beiden vereint.

Spiel mit Gegensätzen

Die Geschichte mag haarsträubend sein. Was Miriam Goldschmidt und Urs Bihler hineintragen, ist grosse Schauspielkunst. Die gleitenden Übergänge bei den häufigen Rollenwechseln, das immer neue Erfinden von Figuren nur allein durch Gestik und Mimik, ohne dass das auch nur ein einziges Mal aufgesetzt oder outriert wäre, die Wechsel der Sprache – deutsch, hebräisch, jiddisch -, die intellektuelle Balance zwischen Talmud und Kabbala, dem Hiesigen und dem Dortigen, das wundervolle Spiel der Rituale als Vergewisserung der Bindungen an das Hier und das Dort.

Das Spiel mit Gegensätzen, Mass und Würde, Heiterkeit und Schwere, Leichtigkeit und Demut, Schläue, Lust und Last. Wenn der Dibbuk plötzlich aus der Braut spricht, hat das wirklich etwas Unirdisches, Erschreckendes. Es ist atemraubend gut. Zwei begnadete Schauspieler und absolute Leichtigkeit und Souveränität selbst noch in den extemporierten Passagen. Zweimal in Kandern gespielt, wer es gesehen hat, weiss, dass ich nicht zu hoch greife.


Das Programm geht noch ein bisschen weiter:



Sonntag, 7. August 2005, 15 Uhr:

«'s Gheimnis vo Böös»

Ein Verwünschmärchen für Kinder von 5 bis 12 Jahren und Erwachsene.

Im Programmheft steht dazu: Im Böswald treffen sich insgeheim und immer samstags sieben Hexen und erzählen sich, was sie letzte Woche so alles angestellt haben. Irgendwann spielen sie Schicksal.




«Mountains don’t move, do they?»

Eine musikalische Erzählung über viele Berge und Generationen von Dan Wiener mit der Gruppe Wildflysch. Mit Dan Wiener, Karel Boeschoten, Christoph Mächler, Martina Bovet und Sergej Simbirev.

Musik und Bilder begeleiten die Wanderung eines Jungen aus den Alpen in die Karpaten. In seiner Seele lebt die Musik von zu Hause weiter, und als er endlich seine grosse Liebe und eine neue Heimat findet, lernt er Sitten und Sprache seiner neuen Welt.

• Mittwoch,10. August 2005 20.30 Uhr
• Donnerstag, 11. August 2005 20.30 Uh





«Caravanes»

Ein Theaterprojekt für einen Wohnwagen und zwei Schauspielerinnen. Mit Isabelle Stoffel und Mathild Reuter. Text und Regie: Pamela Dürr.


Und, muss gleich hinzugefügt werden: für jeweils sechs Zuschauer. Deswegen ist Reservation nicht nur klug, sondern unbedingt nötig!

Ein Wohnwagen und eine ältere Frau, die schon bessere Zeiten gesehen haben. Eine junge Frau tritt auf. Zwei Lebensalter, zwei Weltanschauungen prallen aufeinander. Mit Witz, Lebensweisheit, Widerborstigkeit und der Sehnsucht nach Vertrauen messen die beiden ihre Kräfte.

Täglich 5 Vorstellungen, je von 17 bis 21 Uhr von Freitag, 12. August 2005 bis und mit Dienstag, 16. August 2005:

• Freitag, 12. August 2005 jeweils 17.00, 18.00, 19.00, 20.00, 21.00 Uhr
• Samstag, 13. August 2005 jeweils 15.00, 16.00, 17.00, 18.00, 19.00 Uhr
• Sonntag, 14. August 2005 jeweils 17.00, 18.00, 19.00, 20.00, 21.00 Uhr
• Montag, 15. August 2005 jeweils 17.00, 18.00, 19.00, 20.00, 21.00 Uhr
• Dienstag, 16. August 2005 jeweils 17.00, 18.00, 19.00, 20.00, 21.00 Uhr



Adesse und Anfahrt:

«Theater im Hof»
Ortsstrasse 15 (gegenüber dem Rathaus)
D-79400 Kandern-Riedlingen
Telefon 07626 / 97 20 81

Die Bar wird eine Stunde vor Anfang geöffnet. (In Kandern gibt es sowieso gute Beizen und ein schönes, originelles Café!)

• Weitere Infos und Anfahrtsplan siehe nachfolgender Link. Achtung: die Hauptseite Kandern zeigt womöglich die Navigations-Leiste mit den verschiedenen Info-Rubriken nicht an - klicken Sie dann auf der Hauptseite von Kandern unten in den Link www.kandern.de erneut!



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Von Reinhardt Stumm

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