Artikel vom 27.07.2005

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Nachruf II

Matthyas Jenny über Markus Kutter ✝

Kutters Freund und Verleger ereilte die Todesnachricht in seinen Ferien auf Korsika/Calvi - er schreibt exklusiv diesen höchst persönlichen Nachruf für webjournal.ch

Von Redaktion



Markus Kutter ✝ links (Foto: LDP, Basel) und Verleger Matthyas Jenny, rechts



CALVI/KORSIKA (F).- Eigentlich war er, der 20 Jahre ältere, für mich immer «unsterblich». Nie hatte ich den Eindruck mit einem älteren Mann zu sprechen - es gab Gesprächsmomente, da war er wesentlich jünger als ich. Wir hatten nicht immer, wie man salopp sagt, das «Heu auf derselben Bühne», was uns aber nicht davon abhielt über Jahre hinweg den Heiligabend gemeinsam mit den Kindern und seiner Frau Gisela zu verbringen.

Zu Beginn, Anfang der achtziger Jahre, waren wir zwei alleinstehende Väter, er mit Samuel und ich mit Caspar und Zoë, die zusammen Weihnachten feierten. Wir sassen mit unseren Kindern vor dem stilvoll geschmückten Weihnachtsbaum. Es mangelte nie an Poesie und Wundern.

Ich lernte Markus Kutter über einen Schwarzweiss-Fernseher kennen: Er sprach über die Grün 80 und über das, wie er sie sich vorstellte. Seine Meinung war nicht, wie so oft, die der anderen. Dann war er bei der Pflanzung des «Baumes der Poesie» während des zweiten «Tages der Poesie» im Kannenfeldpark 1980 dabei. Und noch bei sehr vielen anderen Anlässen und Ereignissen gab es Schnittpunkte.

Um sie aufzuzählen und zu beschreiben fehlt es hier an Platz (z.B. seine Museums-Initiative). Bleiben werden vielleicht die Bücher, die ich von ihm verlegte:

• 1985: «Die Basler vor 200 Jahren» mit einer Einleitung und Herausgabe eines Textes von Christian Cajus Lorenz Hirschfeld;
• 1998: «Die lange Legislaturperiode. Ein Tagebuch aus dem Grossen Rat Basel-Stadt»;
• 2001: «Mit Frauen ein Theater bauen – Das Schauspielhaus Basel und die "Ladies First"», und im
• März 2005, als letzte Publikation Markus Kutters: «Ortstermin. Stadt- und Rhein-Gedichte».


Ich sage, dass es wenige Persönlichkeiten in Basel wie Markus Kutter gibt – ein menschlicher aber auch kultureller Verlust. Unersetzlich!

Wir geben Charon als Obulus ein Gedicht aus «Ortstermin» von Markus Kutter mit:


Bewasserung

Eine traurige Frau,
ihre verlegene Trösterin,
ein sonntäglich gekleideter Herr
mit hochgezogenen Brauen
und schlohweissem Haar
sitzen auf der Fähre,
die vom Grossbasel ins Kleinbasel pendelt.

Drei Touristen daneben,
der Fährmann ganz hinten im Steuerhaus.

In der Mitte des Flusses
steht die Frau auf
und leert einen Behälter
Asche ins Wasser.

Die Brise von Osten
überzieht die Fähre
mit einer Fahne aus Staub.
Was ist los?, ruft einer von hinten.

Schon ist der Spuk vorbei.

Die Frau bricht in Tränen aus,
ihre Trösterin tätschelt den Rücken,
der sonntägliche Herr
hebt schützend die Arme.

Es ist vorbei, sagt sie:
Wir haben ihn nicht beerdigt,
sondern bewassert.

Dann steigen wir aus.

Markus Kutter


Von Redaktion

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