Artikel vom 13.07.2005

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Zolli-Apero

Wie schwitzen Dickhäuter?

Warum Elefanten einen kühlen Kopf bewahren

Von Jürg-Peter Lienhard



Elefanten im Basler Zolli brauchen kein Deodorant, denn sie haben keine Schweissdrüsen - «duften» aber um so kräftiger nach Elefanten-Parfüm… Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2005



BASEL.- Das endlich wieder einmal sommerlich warme Wetter passte hervorragend zum Thema des Juli-Zolli-Aperos des Basler Zoologischen Gartens: Die körpereigene «Klima-Anlage» der Elefanten.

Wer so eine dicke Haut hat, wie Elefanten, müsste doch eigentlich beträchtlich schwitzen an heissen Tagen, zumal in der afrikanischen Savanne. Doch dort ist Wasser eher rarer als im Zolli in Basel, und ginge es nach den einheimischen Säugetierarten, so müsste wie diese ein junger Elefant mit einem Körpergewicht von 1,2 Tonnen (ausgewachsene können bis vier Tonnen schwer werden) pro Stunde elf Liter Wasser verschwitzen. Da würde ihr täglicher Wasserverbrauch von um die 150 Liter nirgends hinreichen.

Da Elefanten jedoch besonders intelligente Säugetiere sind, halten sie etwas von Wasser sparen und haben sich daher von der Evolution eine wirkungsvolle Klima-Anlage einbauen lassen. Diese besteht bei den afrikanischen Elefanten im Zolli aus deren mächtigen Ohren: Mit ihnen hören sie nicht nur besser, sondern nutzen sie an heissen Tagen als Kühlsystem.



Jetzt wissen die Leser von webjournal.ch, warum Elefanten mit den Ohren wedeln! Auf dem Bild rechts sieht man die geweiteten Adern im Innenohr - es war also heiss, als diese Aufnahme entstand. Foto: Jörg Hess, Basel © 2005



Wird es einmal besonders heiss, lassen die Elefanten ihr Blut durch ein dichtes Netz an geweiteten Blutgefässen in den dünnhäutigen Ohren fliessen, wedeln damit und kühlen so ihren Organismus. Ist es kalt, geht's halt andersrum: Die Gefässe verengen sich. Die Elefanten können so ihre ganze Körpertemperatur nach Bedarf um rund ein Grad plus oder minus verändern und brauchen so weder zu frieren, noch zu schwitzen. Zumal sie keine Schweissdrüsen haben.

Warum gerade die Ohren als Klima-Anlage? Die Ohren - beidseitig versteht sich - machen bei einem afrikanischen Savannen-Elefanten etwa 20 Prozent seiner Körperoberfläche aus. Das ist immerhin ein Fünftel seiner dicken Haut, die ihn zudem sehr widerstandsfähig gegen Parasiten und Mikroben macht. Und weil sie kein Schwitzwasser verbrauchen, brauchen sie auch nicht ständig an Wasserstellen herumzulungern - zumal sie in Freiheit für ihren enormen Nahrungsbedarf Tag und Nacht grosse Wanderungen unternehmen.

Elefanten-Training

Wir alle lieben Elefanten heiss: Sie sind das ideale Kuscheltier für das Kinderbett und so zutraulich, wie Simmentaler Fleckviecher. Wären wegen des erwarteten Büffets nicht so viele Journalisten und zugewandte Mitesser an den Apero gekommen, so hätten sie problemlos ins Gehege eintreten und die niedlichen Tiere streicheln können.

Doch das ist später dem Publikum vorbehalten, denn die Elefanten werden zurzeit von ihren Wärtern für den Laufsteg trainiert. Leider konnten die Zolli-Verantwortlichen noch keinen festen Auftritt-Termin bekanntgeben, da die Rüsseltiere noch etwas Nachhilfe-Unterricht benötigen. Mit etwas Glück kann man jedoch gleichwohl an der einen oder anderen spontanen Vorführung teilhaben.



Unfruchtbare Termiten-Soldatinnen und -Arbeiterinnen bauen am Fundament ihres künftigen Hochhauses. Sie sind so klein, dass man sie von blossem Auge kaum sehen kann, aber der stetig wachsende Termitenhügel lässt ihr Existenz vermuten. Foto: Jörg Hess, Basel © 2005



Eine interessante Neuigkeit hat der Zolli den Pressevertretern im Gamgoa-Haus bei den Löwen präsentiert: Eine Termiten-Kolonie, die erfolgreich angesiedelt werden konnte und bereits mit dem Fundament ihres in etwa zwei Jahren wohl rund sechs Meter hohen Wolkenkratzers begonnen haben. Ursprünglich hatte der Zolli drei mittelgrosse Termitenvölker aus der Elfenbeinküste importiert - doch aus ungeklärten Gründen starben zwei davon ab. Das Gedeihen der Völker hängt von sehr heiklen Bedingungen ab, die der Zolli aber inzwischen für das überlebende Volk schaffen konnte.

Die winzigen Termiten (sie können aus Basel kein Kleinholz machen, denn sie fressen kein Holz, und haut mal die eine oder andere ab, so überlebt sie kaum eine kühle Nacht) teilen sich ihre Arbeit als unfruchtbare, aber weibliche Soldatinnen und Arbeiterinnen.

Eine Königin aus lauter Eiern…

Die Chefs, das sind der König und die Königin, die praktisch nur aus Eiern besteht und daher so gross wie ein Basler Glepfer ist, sind gewissermassen als Gebärmaschinen ihr Leben lang in einem Lehm-Bollen eingesperrt. Je nach Lesart nicht unbedingt oder erst recht beneidenswert… Weil die Termiten so winzig sind, und man von aussen nicht beobachten kann, was im Innern der Baustelle abläuft, kann man vor dem Gehege einen Videofilm über sämtliche Lebensaspekte dieser Insekten sowie andere Informationen abrufen.

Noch eine Attraktion konnte Adelheid Studer, die Ehefrau des früheren Zolli-Direktors, als Kuratorin der Flamingos bei deren Gehege zeigen: Rund 25 Jung-Flamingos sind trotz widerwärtigen Wetterbedingungen geschlüpft - allerdings macht diese Anzahl nur rund die Hälfte des Nachwuchses eines ordentlichen Vogeljahres aus. Die Jungen sind ganz niedlich, haben noch kein weisses Federkleid, sondern nur grauen Flaum, schwarze Schnäbel und Beine.



Graue Wuschelknäuel in der Kinderstube der Flamingos: Es sind 25 Junge geschlüpft. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2005



Interessant ist, dass die Flamingo-Mütter ihre Eier auf einer Insel legen, die Kinderstube jedoch auf einer anderen einrichten. So kann das Publikum alle Jungvögel an einem einzigen Platz bewundern. Wohin aber mit dem vielen Jungvolk? Nicht alle Flamingo-Stationen sind so erfolgreich in der Aufzucht wie der Basler Zolli. Der Nachwuchs ist also international heiss begehrt.

Das Wetter ist der Feind auch des Zollis: Wenn's brütend heiss ist, gehen die Leute lieber in die Badanstalt, und regnet es, dann rennen sie ins Kino. Doch bietet der Zolli für beide Wettersituationen den idealen Aufenthalt: Da gibt's Häuser und Aquarien, die sowohl kühl als auch warm sind, und auf jeden Fall Schermen bieten. Aber auch die von exotischen Bäumen mit den vielen Storchennestern beschatteten Anlagen und Ruhebänke spenden Kühle und Erholung. Erfrischung bieten auch die berühmten Zolli-Glacés und das Restaurant sowie die Cafeteria - was will man mehr und riskiert erst noch keinen UV-Dachschaden, wie im Strandbad…



«Das hat lange gedauert, bis die Löwen sich ans Publikum gewöhnt haben», seufzte Zolli-Direktor Olivier Pagan - doch jetzt sind Wildfänge zutraulich geworden und nähern sich den Glasfenstern im Gamgoa-Haus ohne Scheu. Dort liegen sie gleichwohl am liebsten faul im Schatten herum. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2005

Von Jürg-Peter Lienhard

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