Artikel vom 09.05.2005

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Mit Stumm unterwegs

Geld und Geiz

Werner Düggelin inszenierte Molière im Zürcher Schauspielhaus

Von Reinhardt Stumm



Der Geizige: André Jung (Mitte) in der Titelrolle. Fotos: Schauspielhaus Zürich


ZÜRICH.- Premiere war am Samstag, 7. Mai 2005. Es war ein reines Vergnügen. Genau, schnell, vergnüglich, phantasievoll: André Jung in der Titelrolle so lange satt und selbstbewusst, wie er sein Geld in Sicherheit glaubt. Dann ist die im Garten vergrabene Kassette verschwunden – den Banken wollte er es ja nicht anvertrauen, was in Zürich ein paar hübsche Pointen brachte.

Das Unglück! Als dann auch noch seine Heiratspläne in die Hose gehen und er lernt, dass sein eigener Sohn Cléante sein Nebenbuhler ist, ist der Ofen ganz aus. Niemand hat Respekt vor ihm, nicht mal Cléante, der ihn doch tatsächlich anbrüllt: Dann behalt dein blödes Geld! Das ist nun wirklich zuviel! Mein – Geld – ist – nicht – blöd!! brüllt Harpagon, zutiefst getroffen.

Schön geführt, die Geschichte genau auf den Punkt bringend, die Figuren um Harpagon herum. Die Gründe für das Vergnügen am Theater mit den Händen zu greifen: Alle, die auftreten, haben ihre Doppelaspekte, niemand ist rund und rein, alle kämpfen um Contenance, mal besser, mal weniger gut.



Traumhaft schönes Bühnenbild von Raimund Bauer.



Eine Stunde zehn Minuten! Für ein Stück, das in der Comédie Française noch heute seine drei Stunden braucht. Bitte keine Missverständnisse – das ist nicht a priori schlechter oder langatmig, es ist breiter, bedächtiger, mehr Philosophie, weniger Zuspitzung (das hat ja was mit Pointe zu tun).

Das Bühnenbild von Raimund Bauer ist traumhaft schön! Eine nach vorn gerundete Freitreppe (wie ein umgekehrtes griechisches Theater), oben Estrade von links bis rechts, einheitlich zartes Grau. Auftritte oben und unten. Der Rest ist Licht – fünf Bilder, jedes gleich und jedes anders. Wundervoll.

Am Ende sitzt Harpagon – die Kassette auf dem Schoss – im Rollstuhl an der Rampe und betet. Den Text hat Düggelin bei Ben Jonson (Volpone) ausgeliehen. Ein Gebet an das Geld. Das verstehen wir, das haben wir gelernt, dass Geld nicht glücklich macht, sein Besitz aber doch kollossal beruhigt!

Von Reinhardt Stumm

Für weitere Informationen klicken Sie hier:

• Spielplan des Schauspielhauses Zürich


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