Artikel vom 14.04.2005

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Rauchen

Nachtrag: auch Winston-Anfixer unterwegs

Arme Zigaretten-Multis…

Fragwürdige Umsatzkompensation durch Umgehung des Werbeverbots für Tabakwaren

Von Jürg-Peter Lienhard



«Wenn Sie dieses Bild veröffentlichen, verklagen wir Sie!» - Warnung, die meine Gesundheit gefährden soll, ausgesprochen vom «Marlboro»-Anfixer-Teamleiter. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2005


BASEL.- Was sind doch die Zigaretten-Fabrikanten für bedauernswerte Zeitgenossen: Das Werbeverbot für Tabakwaren macht sie zu armen Leuten! Doch die Tabakmultis wären nicht die gerissenen Kapitalisten, die sie sind, hätten sie nicht einen Trick gegen die sie bedrohende «Neue Armut-Falle» im Ärmel! Ihr Trick umgeht das Werbeverbot und haut erst noch Detaillisten und Kioskfraueli in die Pfanne!

Noch bevor ich die ersten Buchstaben zu diesem Artikel in die Tastatur tippte, haben mich Angestellte der Tabakheinis vor den Konsequenzen gewarnt und sogar mit der Polizei gedroht! Doch genau solche Drohungen gegen Presse- und Meinungsfreiheit bestärken mich zu diesen Zeilen. Was geschah?

«Kein Abend vergeht», so der Kellner in einer stadtbekannten Bar in Basels Innenstadt, «ohne dass hier Tabak-Kuriere auftreten.» Unter «Tabak-Kuriere» versteht der Service-Angestellte eine Gruppe von adrett gekleideten, jungen, oft hübschen Damen und Herren, die mit umgehängten Riesensäcken als Zigaretten-Direktverkäufer in Bars und Restaurants vor allem jugendliche Raucher anquatschen.

Attraktiver Preisnachlass soll zum Rauchen ermuntern

Ziel dieser Anquatscherei ist es, ganze Stangen Zigaretten oder Dreierpacks von Einzelschachteln zu einem attraktiv verminderten Preis - weit unter dem offiziellen Deteilhandelspreis - abzusetzen. Erfolgreich, wie ein solcher Blitzbesuch zu fortgeschrittener Stunde in den Bars zeigt: Da wechseln ganze Hundertnoten gegen Stange um Stange Zigaretten. (Beispiel: 3 Päckli Winston für 10 Franken statt 17.40 Franken = 42.5 Prozent billiger als der Ladenpreis.)

Zurzeit sind verschiedene «Marken» unterwegs: Equipen von Barclay, Gauloises, Winston oder Marlboro habe ich persönlich erlebt. Besonders perfid ist das Konzept der Gauloises-Teams. Diese kommen nicht nur mit Riesentaschen in die von Jungen und Szenegängern besuchten Bars, sondern auch mit Laptops. Auf denen ist ein Programm installiert, womit die Angesprochenen einige Wettbewerbsfragen beantworten sollen. Als Preise winken ein Feuerzeug, ein paar Fleeze-Handschuhe oder eben ein Päckli Blauer Dunst. Es ist klar, dass die Jungen gerade auf die Laptops fliegen und eifrig damit herumklicken - das «Anfix-Ziel» ist erreicht.



Blaue «Gauloises»-Fleezehandschuhe winken als Preisgeschenk beim Laptop-Wettbewerb des «Anfixer-Teams». Blau ist die Farbe der Marke und blau ist der Dunst davon…



Mit Direktverkauf Werbeverbot umgehen

Das «Anfix-Ziel» heisst in der nüchternen Marketingsprache: Imagewerbung. Damit haben die Zigarettenmultis gleich zwei Fliegen auf einen Schlag erwischt: Die Zigarettenmarke wird «sympathisch», der Schritt zum Konsum ist zumindest erleichtert, und die hohen Rabatte, die der Direktverkauf gewähren muss, sind aus den zwangsweise durch das Werbeverbot «eingesparten» Werbekosten «gedeckt». Schlau - nicht? Perfid - ja? Ein Beispiel mehr, wie die Absicht des Gesetzgebers unterlaufen werden kann - nämlich die Jugend nicht zum Rauchen verleiten lassen…

Von Jürg-Peter Lienhard


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