Artikel vom 23.01.2005

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Motz

Beim Barte des Herrn Vasella

Was muss man in der Zeitung Skandalöses lesen: Daniel Vasella rasiert sich nimmer!

Von Jürg-Peter Lienhard



Biophiler Chemie-Manager, Daniel Vasella: Was von der Natur zum Wachsen bestimmt ist, soll wachsen dürfen… Bild: aus baz vom 21.1.2005 © Keystone



Es gibt Leute, die verdienen ihr Geld damit, dass sie anderen sagen, wie diese auszusehen haben. So nach dem Motto: Die Ohrfeige in meinem Gesicht sehe ich nicht, aber den Bart in Deinem wohl… So kommts einem vor, wenn ein Zürcher Imageberater einem Basler Chef-Manager sagt, er solle sich doch wieder mal rasieren.

Das Skandalbild erwischte uns unvermittelt beim Durchblättern einer Basler Zeitung am Samstagmorgen, 21. Januar 2005, noch vor dem Frühstück und auf überrumpelt leerem Magen: Daniel Vasella mit Bart! «Gahts no», sagte der in Zürich wirkende «Promi-Stylist» Clifford Lilley und setzte in einem Interview zu einem vernichtenden Rundumschlag gegen Bärtige in Chefetagen an.

Allerdings - da hatte Lilley Pech, und den Frust drückte er unredigiert der interviewenden Journalistin gegenüber aus: «Wenn man erst mal oben angekommen ist, kann man sich leisten, was man will.» Das heisst für Lilley, dass Herr Vasella es sich leisten kann, sein Geld nicht Herrn Lilley für dessen konforme Bünzeleien nachzuwerfen…

Pardon, von wegen «Bünzeleien»: Im Grosskanton Zürich heisst das «Stylist-Consulting». Das hat auch Philippo Leutenegger gebucht, doch Lilley hätte gerne eine «Flaggschiff-Referenz» von anderem Kaliber gehabt. Eine, die mindesten eine Million pro Monat im Zahltagstäschli hat und gewissermassen der «Sunnyboy» der internationalen Manager-Elite ist.

Wir hätten Vasella schon lange einen Bart gegen sein Konfirmandengesicht verschrieben. Aber er hats selber gemerkt, und wir und Lilley gucken in die Röhre…

Immerhin zeigt das Interview, was auf dem Weg nach oben angesagt ist: Absolute Bartlosigkeit ist im Business Pflicht - zumindes gemäss Lilley. Doch der ist sowieso nicht besonders in Geschichte bewandert: Alle grossen Männner, die der Menschheit einen Schritt weiterhalfen, trugen Bart! Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb Vasella aufgehört hat, sich zu rasieren - weil er sich in der Galerie der Weltkultur-Philantropen auch eine Büste sichern will?

Noch etwas sagt das Interview - allerdings zwischen den Zeilen: Stellten wir uns als aufmerksame Beobachter des Zeitgeschehens doch bislang vor, dass Kreativität, Ingeniosität und Leidenschaft - Widersprüchlichkeit, Selbstzweifel und Einsamkeit inbegriffen - die Voraussetzung für Schaffen ist, so belehren uns die Antworten von Lilley, dass die meisten Manager ein banaler Haufen von Krawattenträgern, Straffrasierten und absolut in der Furche laufender Hornochsen sind!

Oder anders gesagt: Erst ab zwanzig Milliönchen Jahresgehalt sind in diesem Job Fragen wie «Wer bin ich» und «Was will ich» erlaubt. Dann erst kann man sich die Psychoanalyse leisten, die einen lernt, die Ferien abzubrechen, wenn die Lackente nicht schmeckt. Dann kann man sich wohl auch leisten - sofern man grad einen auf Lager hat - einen Famosen ungebremst fahren zu lassen, wenn der (glattrasierte) Referent da vorne einen in der Sitzung zu Tode langweilt…

Nun werden unsere Leser wohl sagen, dass wir Neidhammel seien, weil wir Herrn Vasella die Psychoanalyse nicht gönnten; den Bart haben wir ja vor ihm anwachsen lassen. Wir geben es aber unumwunden zu: Wir sind ein klein wenig Neidhammel, denn - beim Barte Vasellas - eine einzige Monatstranche seines Jahresgehalts könnte das webjournal.ch in die vorderste Liga der Internet-Medien katapultieren!



Ob mit oder ohne Bart - Ein Schwätzer bleibt ein Schwätzer: Clifford Lilley, Stylist-Consoult

Von Jürg-Peter Lienhard

Für weitere Informationen klicken Sie hier:

• baz vom 21. Januar 2005

• Was Herr Vasella in der Psychoanalyse gelernt hat. Aus: Das Magazin 2005/03


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