Artikel vom 13.12.2004

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Theater

Faust III…

Eine Produktion des Neuen Theaters Dornach mit Hubert Kronlachner in der Titelrolle

Von Reinhardt Stumm



Nein, das ist nicht der Weimarer Dichterfürst, Geheimrath Johann Wolfgang von Goethe - das ist Hubert Kronlachner, wie er leibt und lebt in der Satire «Faust III», einem Stück, das im Neuen Theater Dornach am Sonntag, 12. Dezember 2004, Dernière hatte. Foto und Gestaltung: C. Hunziker, Dornach © 2004


Wenn wir bisher zu glauben Anlass hatten, Mephistopheles sei die andere Hälfte von Faust, sein seitenverkehrtes Spiegelbild, sein Gegen-Teil sozusagen, die andere Seele in seiner Brust, haben wir jetzt einen ganz vergnüglichen Anlass, das nicht mehr so ganz ernst zu nehmen.

Unser neuer Mephistopheles heisst Blackwell (Boris Koneczny spielt ihn), ist Amerikaner, Journalist, ein gerissener kleiner Bursche und Schlaumeier, der seinen Chefredaktor drüben in Baltimore dazu überredete, ihn nach Weimar zu lassen. Er will dem alten Goethe «Faust II» abluchsen. Das so gut wie fertige Stück liegt an jenem 1. Oktober 1831 noch wohl verschnürt und ungreifbar. Ein Umstand, der schon an sich schwer zu verstehen ist, einem Amerikaner indessen gänzlich unbegreiflich sein muss.

Blackwell verschafft sich Zutritt zu Goethes Wohnhaus am Frauenplan in Weimar, kommt schnell auf Tuchfühlung mit dem alten Herrn, der leutselig und gänzlich ungerührt mit dieser US-Mischung aus Clown und Spassmacher, Narr und Eintänzer, Marktschreier und Hochstapler verfährt. Der lernt dabei, dass er auf geheimnisvolle Weise mit der ganzen Geschichte verbandelt ist.

Sexueller Notstand gabs schon zu Goethes Zeiten…

Am Ende liegt dann irgendwann mal das massige Konvolut «Faust II» auf dem Teppich - folgenlos. Mephisto kann auch schon gar nicht mehr. Er hat alle Hände voll zu tun mit Goethes Schwiegertocher Ottilie, der Witwe von August Goethe, bei der offenbar der sexuelle Notstand ausgebrochen ist.

Dass Mephisto da ungern unbeteiligt bleibt, wissen wir seit der Walpurgisnacht (s. «Faust I»). Er hat also zu tun. Wir sehen und hören auch die niedliche Clara Wieck, die spätere Clara Schumann (Chantal Greiner), die sehr reizvoll mit dem Klavier auf Du und Du ist, aber da lässst Mephisto die Finger davon.



Altmeister und Grossfürst auf den Bühnenbrettern: Hubert Kronlachner - mit Düggelin in Basel gross geworden und gross geblieben. Im Hintergrund: Mitspieler im Stück «Faust III» des Neuen Theaters Dornach.



Die Geschichte, eigentlich ein Roman des französischen Schriftstellers Marc Petit (Le troisième Faust), von Georg Darvas für die Bühne hergerichtet (bitte 'her' und nicht 'hin'!), bietet allerlei Anlass für hübsche Wortspiele, reizvolle Erinnerungen an den ersten Faust, an Goethes Byron-Leidenschaft und erlaubt mancherlei Anspielungen auf die zeitgenössische Literatur.

In den besten Momenten funkelt und sprüht die Sprache auf wundervolle Weise zwischen den beiden Hauptdarstellern. Und manchmal würde man Mr. Blackwell gern eine Bremse einbauen, weil er die Neigung hat, das nahezu Unvereinbare zu einem allzu sehr schillernden Charakterbild zusammenzuzwingen, so dass man etwas zu lange braucht, Verständnis für ihn zu gewinnen.

Kronlachner brillant wie eh und je

Hubert Kronlachner ist der Gewinn des Abends. Ohne jede Anstrengung sind hier Würde und Mass, Gelassenheit und Mutterwitz, intellektuelle Wendigkeit und bärbeissiger Humor (und eine ganz verblüffende Ähnlichkeit des Habitus). Welches Vergnügen schon allein, ihm zuzusehen, wenn er gemessenen Schrittes (gemessenen Schrittchens) das Zimmer durchquert, als gäbe es ausser ihm und um ihn herum so gut wie nichts. Wo er ist, ist alles. Das ist schön und erinnert ganz beiläufig daran, was Schauspielkunst ist.

Am Sonntag, 12. Dezember 2004, war nun leider schon die letzte (so gut wie ausverkaufte) Vorstellung im Neuen Theater Dornach. Es sind jedoch die Ausichten gut, dass «Faust III» wieder aufgenommen wird. Genau so gut sind die Aussichten, dass diese Produktion des Theaters Dornach in der Regie von Georg Darvas zu einem Gastspiel nach Weimar eingeladen wird. Wäre doch schön, oder?

(Weitere Mitspieler: Boris Koneczny, Regula Hindermann und Chantal Greiner, Werner Sagmeister, Patrice Ullrich - Legenden und Untertitel von red.)

Von Reinhardt Stumm

Für weitere Informationen klicken Sie hier:

Informationen über das Neue Theater Dornach

Ein klein wenig etwas über Goethe


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