Artikel vom 22.09.2004

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Toxikologie

Jetzt vergiften sie sich wieder…

Vorsicht Pilzsaison: Faltentintling oder auch «Alkoholtintling» mit Alkohol genossen, kann giftig sein!

Von Redaktion



Schön sieht er aus, der Faltentintling. Doch die Schönheit täuscht - wie meist eitle Schönheit täuscht: Mit Alkohol oder auch nur mit Weinessig genossen, gehts ans Lebendige!

Die Pilze schiessen um diese Jahreszeit auf Wiesen und in Wäldern aus den feuchten Böden. Bevor man sie geniesst, heisst es aber aufpassen: Der so genannte Faltentintling darf nicht zusammen mit Alkohol verzehrt werden! Die Kombination ist giftig und kann von Hitzewallungen über Übelkeit bis hin zu Herz-Kreislauf-Problemen führen.

Alle Pilzfreunde wissen, dass man vom Fliegenpilz und vom Knollenblätterpilz besser die Finger lässt. Weniger bekannt ist, dass der so genannte Faltentintling (Coprinus atramentarius) nicht zusammen mit Alkohol genossen werden darf. Der Faltentintling wird deswegen in der Umgangssprache auch «Alkoholtintling» genannt.

Die Schweizerische Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) weist darauf hin, dass die Kombination zu einer Vergiftung führen kann, deren Symptome von Hitzegefühlen über Übelkeit, Atemnot, Schwindel, Herzklopfen bis hin zu einem Kreislaufkollaps oder Herzproblemen reichen.



Auch «versteckter» Alkohol in Weinessig, Medikamenten, Hustensaft etc. löst die lebensgefährlichen Symptome aus.

Verantwortlich für die toxische Wirkung ist das im Faltentintling enthaltende Coprin. Es hemmt den Abbau des Alkohols im Körper, genauer des giftigen Acetaldehyds, das sich dann im Blut anreichert und die Vergiftungserscheinungen bewirkt. (Damit wirkt der Faltentintling übrigens ähnlich wie das Arzneimittel «Antabus», das zur Aversionstherapie bei Alkoholabhängigkeit verwendet wird.) Die Symptome treten innert einer Minute bis zu einer Stunde nach dem Essen auf.

Weil das Coprin nur sehr langsam vom Körper ausgeschieden wird, kann es noch bis zu drei Tage später zu heftigen Vergiftungserscheinungen kommen, falls in dieser Zeit Alkohol getrunken wird.

Um ganz sicher zu gehen, sollte man auch einige Tage vor dem Genuss des Pilzgerichts keinen Alkohol konsumieren. Ebenfalls vermeiden sollte man Alkohol in versteckter Form, zum Beispiel in Weinessig, Medikamenten, Hustensaft etc.




Früher gewann man aus dem Falten-Tintling Tinte, indem man die entstehende braunschwarze Flüssigkeit auffing, mit Phenol behandelte und mit Gummi arabicum stabilisierte (nach: Laux: Der neue Kosmos PilzAtlas)

Nach Auskunft der Schweizerischen Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane (Vapko), ist der Faltentintling bis in den späten Herbst hinein auf Wiesen, an Waldrändern und in Gärten anzutreffen.

Gerade für weniger erfahrene Pilzsammlerinnen und -sammler ist der Faltentintling nicht leicht vom weit verbreiteten und problemlos mit Alkohol geniessbaren Schopftintling zu unterscheiden.



Der Pilz der Pilze: der Fliegenpilz ist einer der giftigsten, aber auch der schönste, weshalb seine Form (nicht der Pilz selbst) gerne zu Dekorationen und Bildmotiven verwendet wird.

Pilzfreunde sollten die gesammelte Beute deshalb stets von der Pilzkontrollstelle in ihrer Region begutachten lassen. Über die nächstgelegene Kontrollstelle gibt die Gemeinde Auskunft oder die Vapko. Im Internet finden sich unter die Adressen sämtlicher Pilzkontrollstellen in der Schweiz (siehe untenstehender Link).

Beim Auftreten von Symptomen: ab ins Spital!

Beim Auftreten der oben geschilderten Vergiftungssymptome sollte man unverzüglich das nächstgelegene Spital, einen Arzt oder das Schweizerische Toxikologische Informationszentrum kontaktieren (Notfallnummer: 145).



Der allergiftigste Pilz ist der Knollenblätterpilz, der auch die stärkste Schwiegermutter umhaut…

Von Redaktion

Für weitere Informationen klicken Sie hier:

Die Adressen sämtlicher Pilzkontrolleure in der Schweiz


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