Artikel vom 14.07.2004

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Verbrechensschutz

«Sicherheit im Alter»

Neue Broschüre der Schweizerischen Kriminalprävention und Kommentar von J.-P. Lienhard

Von Jürg-Peter Lienhard



So «rüstig» wie die Jung-Rentner in der Broschüre der Schweiz. Kriminalprävention sind, sind für gewöhnlich die echten Opfer nicht: die meisten sind Behinderte oder Hochbetagte.

Die Schweizerische Kriminalprävention SKP gibt unter dem Titel «Sicherheit im Alter» eine neue Broschüre heraus. Dieses sowohl inhaltlich wie optisch attraktive Produkt umfasst 24 Seiten, soll primär ältere Mitmenschen ansprechen und beinhaltet wichtige Hinweise und Tips zu diversen Themen der Kriminalprävention.

Die Broschüre «Sicherheit im Alter» ist ein Nachfolgeprodukt der gleichnamigen Schrift, welche seit etlichen Jahren auf dem Markt ist, nun aber nicht mehr dem neusten Stand entsprach, wie die Staatsanwaltschaft die Herausgabe der neuen Schrift am Mittwoch, 14. Juli 2004, kommentierte.

Die neue Broschüre «Sicherheit im Alter» wurde nach aufwendigen Vorarbeiten in der Fachkommission der SKP in den letzten Wochen in den drei Landessprachen Deutsch, Französisch und Italienisch gedruckt und an alle Kantone verteilt. Die Broschüre ist ab sofort kostenlos bei sämtlichen Bezirkswachen der Kantonspolizei Basel-Stadt erhältlich.

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Kommentar von J.-P. Lienhard


Man sollte das nicht glauben müssen, und doch entspricht es der Wahrheit: Das «beliebteste» Opfer bei Raubüberfällen ist zwischen 80 und 100 Jahre alt, gebrechlich, eventuell an den Rollstuhl gebunden oder sogar blind, und meist weiblich. Je gebrechlicher, je älter, je weiblicher - um so «besser» für die Räuber, die häufig aus dem Drogenmilieu stammen und auf diese niederträchtige Weise Mittel für ihren täglichen «Schuss» beschaffen.

Die Angriffe auf Wehrlose, Behinderte und Betagte sind für das Beschaffungs-Gesindel ein leichtes Spiel und darum eben auch gerne angewendet. Die Dreckskerle und -kerlinnen sind aber oft meist selbst Opfer von viel stärkeren, gemeineren und zu allem entschlossenen Schweinehunden und Schweinehündinnen: Wer Schulden im Milieu des Drogenhandels hat, der muss echt nicht nur um sein Leben fürchten, sondern zudem auch noch, wie ihm das Leben genommen wird.

Brutalität und Gemeinheit der Drogendealer und Drogendealerinnen, denen Raffgier über jeder Moral und Lebenssinn steht, kennen keine Grenzen. Und das Schlimmste: sie wissen ganz geschickt zu agieren, ohne dass das Gesetz davon Kenntnis bekommt, heimlich, aber mit wirkungsvollen Druckmitteln.

Was deren fiese Taten noch begünstigt ist unsere Rechtsauffassung, die in der hehren Überzeugung begründet ist, dass ein Justizirrtum schwerer wiegt, als hunderte zu Recht gesprochene Urteile. Was zwar eine durchaus anerkennungswürdige Rechtsphilosophie ist.

Diese gründet allerdings auf «früheren Zeiten», als Mundraub (Lebensmitteldiebstahl aus Hunger) ein gängiges Vergehen war und als die Kriminaltechnik (Fingerabdrücke, Mikroskopie, DNS-Analyse) noch nicht gängige Methoden in der Verbrechensverfolgung waren und somit immer wieder Unschuldige aus Mangel an Beweisen falsch verdächtigt wurden.

Die Kriminalität ist heute raffinierter geworden; die Justiz hinkt stets mindestens einen Schritt hinterher. Das Leben an sich ist aufwendiger, und die Gefahren für die Schwächsten unter den Schwachen in unserer Gesellschaft nehmen nur zu.

Die Ursachen liegen tief; die Gesellschaft streitet darüber, welche das sind und ob überhaupt. Man nennt das Tabuisierung, was zu deutsch Verleugnung heisst. Man verleugnet Tatsachen, die offenkundig vor Augen liegen, schiebt sie ab auf Minderheiten, auf Einzelfälle oder betreibt Pflästerlimethodik: Ein Pflästerli auf die eiternde Wunde statt den Eiterherd zu bekämpfen.

Einer dieser Eiterherde ist die Versiegelung des Solidaritätssinnes: Hundertschaften entlassen und gleichzeitig Jahrhundertgewinne erzielen. Eine demoralisierte Gesellschaft ist nicht vorbildfähig: Wenn sie nur auf kleine Räuber zeigt, aber die ganz grossen Diebe (aus Angst) unbeschadet lässt…

Von Jürg-Peter Lienhard

Für weitere Informationen klicken Sie hier:

Die Broschüre «Sicherheit im Alter»


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