Artikel vom 11.06.2004

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Nebenbei bemerkt

Reden sie, wenn sie gefragt werden!

Von Reinhardt Stumm

Die Schweizer Post, jener Betrieb, der manchmal Briefe und Zeitungen bringt, wird mich vermutlich entlassen. Rechtsmittel gibt es nicht. Die Post entscheidet, was richtig und was falsch ist.

Und das ist auch richtig. Ich wage nicht, mir vorzustellen, was herauskäme, wenn da einfach jeder mitreden wollte.

Letzten Montag. Ich hatte einen Franken zwanzig in Marken auf einem Auslandsbrief - fehlten zehn Rappen. Um die Hauptpost herum, wo ich gerade war, fand ich keinen Markenautomaten. Ich ging also in das Postamt hinein. Es war gar nicht voll, im Gegenteil! Am nächstgelegenen Schalter stand niemand. Die Postfrau hinter dem Fensterviereck sortierte Papier. Ich bat sie um eine Zehnrappenmarke.

Haben sie eine Nummer? Eine Nummer? Wozu eine Nummer, wenn sowieso niemand wartet? Ja, ohne Nummer geht es nicht. Langsam, wie ich bin, dachte ich, die junge Dame machte einen Spass. Ich lernte, dass sie keinen Spass machte. Sie forderte im Ernst von mir, zurückzugehen, aus dem Gerät eine Nummer zu ziehen, mit dieser Nummer an jenen Schalter zu gehen, der von dem betreffenden Gerät angezeigt wurde.

Und jetzt wird es eben problematisch. Sinnlose Befehle mangels militärischer Abstinenz nicht mehr gewohnt, verlegte ich mich auf das, was den Menschen angeblich vom Tier unterscheidet: Vernunft. Also ich bitte Sie! Was wollen sie mit der Nummer? Es wartet ja niemand!

Die Postbeamtin bekam es mit der Angst zu tun. Ich wurde aggressiv. Ziemlich aggressiv. Wollen sie mich für dumm verkaufen? Ich schämte mich erst viel später - aber auch dann nicht richtig. Das Hauptpostamt ein Kasernenhof? Nehmen sie gefälligst Haltung an, tun sie, was man ihnen sagt, halten sie den Mund und reden sie, wenn sie gefragt werden!

Ich bekam meine Briefmarke. Aber wenn die Post mich jetzt wirklich rausschmeisst - wegen unbotmässigen Benehmens oder so was? Habe ich das Recht verwirkt, der Post überhaupt noch als Kunde dienen zu dürfen? Gibt es einen schwarzen Markt für Briefmarken?

Von Reinhardt Stumm

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