Artikel vom 10.12.2014

Druckversion

Cinéma

Kino-Faszination Krieg

Klischee Krieg als Schicksalsschlag: David Ayers «Fury» stellt beklemmende Fragen - demnächst im Kino

Von Ottokar Schnepf



Brad Pitt ist in «Fury» Sergeant Don «Wardaddy» Collier, der Boss einer fünfköpfigen Panzerbesatzung im Einsatz gegen die Deutsche Wehrmacht.

Kriegsfilme konzentrieren sich fast nie auf eine Einzelperson, sondern beschäftigen sich mit einer bunt gemischten Gruppe von Männern, die sich aus Mitgliedern der verschiedensten Gesellschaftsschichten zusammensetzt, wie in «Fury», der demnächst in die Kinos kommt.
Für weiter hier klicken:

Dass der Krieg die Hölle sei, dieses Lippenbekenntnis, das in den meisten Werken dieses Kinogenres auftaucht, enthielt schon 1918 D.W. Griffiths Stummfilm «Hearts of the World», einer der ersten Kriegsfilme überhaupt. Jetzt zeigt uns Hollywood mit «Fury» ausnahmsweise weder den Korea- noch den Vietnam-Krieg, sondern den Zweiten Weltkrieg.

Eine Seltenheit, weil aus amerikanischer Sicht der Zweite Weltkrieg im Kino selten stattgefunden hat. Und wenn schon, dann noch seltener auf deutschem Boden. Die meisten World-War II-Filme stammen denn auch aus Grossbritannien und Deutschland.

Wardaddy Brad Pitt

Nach Tarantinos «Inglourious Basterds» spielt Allerweltstar Brad Pitt auch in «Fury» den Leader einer Gruppe von GI's, die dafür sorgt, dass die Nazis ausgerottet werden. Wie gewohnt: Ob die US-Guys gegen SS-Schurken, Japs, Chinks oder Vietcongs im Einsatz sind, es geht immer um den bösen Krieg und die guten Soldaten. Zu dieser Spielart gehören beinahe alle US-Kriegsfilme. Dabei geht es auch immer wieder um eine Rechtfertigung der Taten des einzelnen ungeachtet des verbrecherischen Ganzen.

Kriegsfilm-Klischees

Auch als Bewährungshelfer wird der Krieg gerne missbraucht. Dieses Klischee ist immer wieder anzutreffen. Es soll zeigen, wie die extremen Anforderungen des Krieges den wahren Charakter eines Mannes enthüllen, und indem das Schwergewicht auf diese «positiven» Einflüsse gelegt wird, wird auch der Krieg selbst gerechtfertigt.

In «Fury» ist es der kampfunerfahrene Norman Ellison, für den «Wardaddy» Brad Pitt bald zur Vaterfigur aufsteigt. Schliesslich sorgt der dafür, dass er mit einem deutschen Fräulein Sex hat, ansonst er diesen Job übernehmen müsse. Und auch wie Mann einen Kriegsgefangenen zwecks Absenkung der Hemmschwelle erschiessen muss, wird dem verängstigten Soldier beigebracht.

Männer als Monster

Am Ende des mit Western-Elementen verzierten Kriegsfilms erlebt Norman das Gegenteil; ausgerechnet ein SS-Soldat entdeckt den US-Feind unter dem Fury-Panzer, lässt ihn unbeachtet für die anderen im Versteck und marschiert weiter.

Und somit kommt ein weiteres Klischee zum Tragen: Der Krieg als Schicksalsschlag. Damit versucht David Ayer zu erklären, dass Krieg aus unerklärlichen Gründen aus Männern Monster macht. Oder eben nicht.

Doch die Erklärung ist er uns schuldig geblieben. Deshalb: Kinovorhang zu und alle Fragen offen!

Von Ottokar Schnepf


Klicken Sie hier, wenn Sie fortan bei neuen Artikeln dieses Autors benachrichtigt werden wollen!





Nach oben


Copyright © 2003 by webjournal.ch

 

Die Funktion Newsletter ist wegen Spam blockiert. Schreiben Sie eine Mail an info(ad)webjournal.ch mit dem Betreff: «Bitte newsletter zusenden» Besten Dnak für Ihr Verständnis.