Artikel vom 01.06.2004

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Szenen-Gossip

Freude herrschte…

Aus lauter Freude am Wiedersehen gabs in «Rosario‘s Lo Spuntino» am oberen Spalenberg in Basel ein Jazzkonzert der Altstars Eckinger, Mermet, Burrows und Althaus

Von Jürg-Peter Lienhard



Freunde und Freude: Das Altstars-Freundschaftsspiel in «Rosario's Lo Spuntino» am oberen Spalenberg in Basel (v.l.n.r.: Althaus, Mermet, Burrows, Tante Corinne, Eckinger). Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2004

BASEL.- Wenn einem die Worte fehlen, stammelt man wie weiland Bundesrat Adolf Ogi, als er dem Schweizer Astronauten Claude Nicollier Glückwünsche ins All senden sollte: «Freude herrscht…», war alles, was er trotz fünf- bis sechsmaligem Anlauf hervorbrachte. Seither ist der Ausspruch ein geflügeltes Wort geworden, das sich auch als Bildschirmschoner-Laufschrift hervorragend eignet. Aber auch für alles Gelungene sinngemäss anwenden lässt.

So herrschte am Montag, 24. Mai 2004, am oberen Spalenberg in Basel in dieser seltsam-kitschig ausstaffierten Spunte mit dem treffenden Namen «Rosario‘s Lo Spuntino» ausgesprochene Freude: Eine Altstars-Jazzband mit hochkarätiger Besetzung und erst noch mit einem international berühmten Jazzer bestückt, mit Isla Eckinger nämlich, fegte in höchst intimem Rahmen nur für die Stammgäste, die auch meist die Fans der Spontan-Gruppe sind: Neben Eckinger, der für einmal die Posaune blies und nicht am Bass zupfte, sondern diesen Louis Mermet überliess, bearbeitete Johnny Burrwos die etwas zu laute Schlagzeug-Küche, und Heiner Althaus, der sich wohl nächstens für das «Altstars-Prädikat» bedanken dürfte, ist er doch wesentlich jünger als die anderen «Spontis», aber immerhin ist das «alt» ja in seinem Namen enthalten, begleitete und solierte an der Elektro-Gitarre.



Ein Bild von Seltenheitswert: Isla Eckinger - für einmal nicht am Bass, nicht am Xylophon, sondern an der Posaune - wäre eigentlich auch als Poster nicht schlecht…Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2004

Apropos «Elektrisch»: Ausser Althausens Gitarre war keines der anderen Instrumente irgendwie verstärkt - brauchte es auch nicht in diesem kleinen Lokal. Und so kam man mal in den Genuss, Mermets Zupfkunst, die er auch mit dem Bogen vertauschen konnte, im «groovigen Natursound» vibrierend mitzubekommen. Überhaupt Mermet: Es war ein respektheischendes Vergnügen, sein Gesicht während seiner Soli zu beobachten: Der sah aus wie weggetreten, abgehoben oder gar auf Wolke 21!



Heiner Althaus an der Jazz-Gitarre (l.) und Louis Mermet am Bass (r.) - tief versunken in seinem «Himmelreich» und stets mit hochgeschobener Lesebrille…Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2004

Und auch Burrows: Er spielte, als spiele er allein für sich - auf Teufel komm raus. Seine gebündelte Konzentration spiegelte sich in seinem Gesicht in wechselnden Grimassen, als ob ihm im Achter-Tram ständig eine Bildhübsche mit ihrem Bleistiftabsatz auf die grosse Hühneraugen-Zeh träte…



Johnny Burrows wird soeben von der Tante Muse geküsst. Das ist die mit den Bartstoppeln, die so eklig pieksen - wie das Gesicht von Johnny verrät. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2004

Die Begenung mit diesen vier altbekannten, grossen und gleichwohl höchst bescheiden gebliebenen Musikern war ein schönes Erlebnis - es fehlte vielleicht noch der Saxophonist und Klavier-Jazzer Andy Scherrer oder der Drummer Peter Schmidli - aber alles kann man von den Agenden der zweifellos begehrten Jazz-Stars nicht erwarten. (Für diejenigen, die schreiben können: Agenden ist der Plural von Merkbuch.)



Ganz schön aufgestellt war das Publikum für so einen gewöhnlichen Montagabend - Kunststück bei so einer ungewöhnlichen Jam-Session-Band. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2004

Nebst den bei solchen Szenen-Anlässen gern gesehenen Stammgästen fiel einer besonders auf - nicht nur seiner Grösse wegen, sondern wegen seines tiefen Basses: der pensionierte Opernsänger Rudolf Mazzola. Ihm musste Mermets Corinne mal bedeuten, auch aufs Flüstern zu verzichten - weil man auch das durch den ganzen Spunten hindurch hören konnte…



Wenn der flüstert, zittern die Scheiben (und Corinne zischt): Opernsänger im Bass-Fach Rudolf Mazzola. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2004

Immerhin dauerte der Anlass bis gegen elf Uhr - bei offenen Fenstern. Aber niemand schickte die Polizei. Es ist ja bekannt, dass die Spalenberglemer von jeher toleranter sind als beispielsweise die Meckerer von (…)! Und zudem: wer ruft schon die Polente, wenn man gratis eine derart hochkarätige Jam-Session an einem gewöhnlichen, grauen Montag gratis mithören kann/darf…

Von Jürg-Peter Lienhard


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