Artikel vom 04.08.2014

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La Grande Guerre

Mit Fotoreportage am Schluss

Die Jugend stahl beinahe Gauck und Hollande die Schau

Die beiden Staatspräsidenten von Deutschland und Frankreich legten am Sonntag, 3. August 2014, auf dem Hartmannsweilerkopf den Grundstein für ein deutsch-französisches Gedenk-Museum

Von Jürg-Peter Lienhard



Das deutsche Mädchen verliest die zuvor von ihrem Kollegen französisch vorgetragene Friedensbotschaft, die aus Anlass des 100. Gedenktages des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges von 100 Jugendlichen aus beiden Ländern gemeinsam erarbeitet wurde und die sie am 3. August 2014 ihren Staatspräsidenten am Hartmannsweilerkopf übergaben. foto@jplienhard.ch


Uffholtz/Wattwiller.- Das haben Journalisten gerne. Wenn an einem hochoffiziellen Staatsakt das Programm ganz anders verläuft, als im voraus verschickten vorgesehen. Am Gedenkanlass in den Vogesen zum 100. Jahrestag des Ersten Weltkrieges legten die beiden Staatspräsidenten François Hollande und Joachim Gauck ihre Hände gemeinsam auf dem Grundstein des künftigen Museums «HWK» aufeinander. «HWK» steht für Hartmannsweilerkopf, der Gedenkstätte für einen der unsinnigsten Kriegsschauplätze in den beiden ersten Kriegsjahren. Sie hatten zuvor an einem grossen Zeremoniell über der Krypta und dem riesigen Soldatenfriedhof teilgenommen. Für weiter hier klicken:

Das künftige Museum hätte zwar im Gedenkjahr eröffnet werden sollen, aber der Bau verzögerte sich peinlicherweise wegen finanzieller Querelen. Vor dem Händeauflegen der Staatspräsidenten Deutschlands und Frankreichs, hatten das deutsche Mädchen Schabo Sidiqi und der französische Junge Gabriel Foniciety stellvertretend für die Jugend der beiden Länder das Wort ergreifen können um eine deutsch-französische Friedensbotschaft zu verlesen. Sie sagten je auf Deutsch und Französisch, dass der Wille nach Frieden unter Jugendlichen stark ausgeprägt sei, zumal sie grosses Interesse haben andere Länder und deren Kulturen kennenzulernen. «Ganz anders war es vor 100 Jahren», meinten sie. Die Träume einer ganzen Generation seien auf den Schlachtfeldern zerstört worden. Aber trotz der unfassbaren Gewalt hätten einige europäische Soldaten von einer friedlichen Zukunft geträumt, und sich wohl nicht vorstellen können, dass sie mit dem heutigen Europa Wirklichkeit geworden.

Darum sei der beste Weg, die Beziehungen zwischen Völkern zu intensivieren, der direkte Kontakt der Jugend durch Austauschprogramme zu fördern. Sie schlossen ihre Botschaft an alle Jugendlichen der Welt mit dem Aufruf, «angesichts der kriegerischen Zustände auf der ganzen Welt Fremdenfeindlichkeit zu bekämpfen, Euch zu vernetzen und Fremdsprachen zu lernen, um so dauerhaften und nachhaltigen Frieden für alle zu schaffen».



Nach dem Besuch in der Krypta, wo sich die beiden Präsidenten der ehemals feindlichen Länder innig umarmten, legten sie am Gedenkmonument darüber mit gemeinsam verschränkten Händen einen Kranz nieder und verharrten einen langen Augenblick demütig mit gesenkten Köpfen. foto@jplienhard.ch




Wie schon die damaligen deutsch-französichen Präsidenten Kohl und Miterrand 1984 sich die Hände hielten, wiederholten Gauck und Holland die symbolträchtige Geste, aber nicht mit ausgestreckten Armen distanziert, sondern eng anliegend innigste Zuneigung zeigend. foto@jplienhard.ch




Als Gauck für seine Ansprache an der Reihe war, schickte er ein «Bild» voraus, das ihm noch aussagekräftiger schien als es schon sein vorgedrucktes Manuskript war. Indem er auf die drei Fahnen am Weg zur Krypta zeigte, meinte er, dass ausgerechnet auf dem Schlachtfeld, wo sich im Ersten Weltkrieg Deutsche und Franzosen gegenseitig umbrachten, nun 100 Jahre danach die deutsche und die französiche Fahne gemeinsam mit der europäischen gehisst worden sind. foto@jplienhard.ch

Die Friedensbotschaft der Jugendlichen wurde in einen metallenen Zylinder gesteckt und dann im Fundament des geplanten Gedenk-Museums von den beiden Staatspräsidenten mit je einer Kelle Pflaster symbolisch eingemauert. foto@jplienhard.ch






Auch der Deckel auf dem Grundstein wird gemeinsam draufgehoben. Eine kupferne Platte davor erinnert an den Gedenkanlass.



Die beiden Präsidenten Gauck und Hollande legen nun symbolisch über dem Grundsteindeckel mit der Urne die Hände aufeinander.



Dann reichen die Jugendlichen den Präsidenten die Zementkelle. Zuerst ist Gauck an der Reihe…



…dann Hollande. Fertig! Die Urkunden-Urne mit der Friedensbotschaft ist von höchsten Magistraten beider Länder fachmännisch eingemauert.





Alle Fotos: foto@jplienhard.ch

Das geplante Gedenk-Museumist kommt übrigens am selben Ort zu stehen, wo zuvor ein ziemlich heruntergekommenes Bergrestaurant in einer verlotterten Baracke untergebracht war. Der Architekt Gilles Martin nennt das Projekt «Invisible», denn es sollte keine optische Konkurrenz zur Krypta bieten. Schon aus diesem Grund war die Baracken-Wirtschaft mehr oder weniger unsichtbar von der Strasse gebaut gewesen.

Wohl aus Pietätsgründen fehlt zumindest ein Hinweis auf Toiletten, was insofern ungalant ist, als die Gedenkstätte jedes Jahr von Tausenden von Touristen, zumal meist älteren, besucht wird. Dafür liegen hinter den Hecken des langen Zugangs zur Krypta unzählige papierene Spuren eines durchaus «natürlichen Bedürfnisses». Ob das pietätvoller ist, sei dahingestellt…

Noch ein Wort zu den Jugendlichen: Die 100 Jugendlichen sind ausgewählt worden aus dem Deutsch-Französischen Jugendwerk und aus den Verbänden Fédération nationale des Francas und Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Sie gehörten zu einem Treffen geschichtsinteressierter Jugendlicher in Colmar, wo sie vom 31. Juli bis 4. August 2014 sich mit der Geschichte dieses Krieges im Kontext interkultureller Erinnerungs- und Friedensarbeit beschäftigten. Das Treffen wurde angeregt von der Mission du Centenaire und dem Comité du Mouvement National du Hartmannswillerkopf und dem oberelsässischen Tourismusamt.

Der Wortlaut auf Deutsch und Französisch im Format PDF kann mit untenstehendem Direktlink hier heruntergeladen werden. Ebenso das Pressecommuniqué der Verbände zum Jugend-Seminar in Colmar.

Von Jürg-Peter Lienhard

Für weitere Informationen klicken Sie hier:

• Die Friedensbotschaft der Jugend (D/F) im Format PDF

• Was ist das Deutsch-französische Jugendwerk - Communiqué PDF

• Die amtlich-offiziellen Reden Gaucks und Hollandes PDF

• Generelle Berichterstattung des Gedenkanlasses PDF


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