Artikel vom 30.07.2014

Druckversion

La Grande Guerre

Hollande und Gauck gedenken auf dem Hartmannsweiler-Kopf

100 Jahre nach Beginn des Ersten und 70 Jahre nach dem Ende des «Dreissigjährigen Krieges des 20. Jahrhunderts» ist das Vereinte Europa Wirklichkeit

Von Jürg-Peter Lienhard



Das seltene Licht- und Schattenspiel an diesem Felsspitz am Hartmannsweiler-Kopf, wirkt zusammen mit der «Landkartenflechte» wie die Silhouette eines Kriegers. Aufgenommen am 10. März 2014 und vor dem Hintergrund der elsässischene Ebene. © foto@jplienhard.ch


Hartmannsweiler-Kopf (Vogesen).- Wohl kein Treffen von Staatspräsidenten hatte je eine derart blutige Vergangenheit. Am Sonntag, 3. August 2014, dem 100. Jahrestag der deutschen Kriegserklärung an Frankreich, treffen sich der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck und Frankreichs Präsident François Hollande in den Vogesen zum gemeinsamen Gedenken an den Ersten Weltkrieg: Am Hartmannsweiler-Kopf in den Südvogesen im «Territoire de Thann» (Haut-Rhin). Für weiter hier klicken:



Und gleich darunter am Denkmal an der Nordwand des «HWK» der Kopf eines Soldaten, dessen Form durch das gleissende Winterlicht und der Patina aus Kupfer-Vitriol ein Totengesicht zeigt. Beide Fotos: © foto@jplienhard.ch


Am Hartmannsweiler-Kopf (französisch: «Vieil Armand» und «Hartmannswiller», militärisch auch «HWK» abgekürzt), einem der unsinnigsten Kriegsschauplätze, wo es weder um strategische noch um territoriale Ziele ging und wo sich von Dezember 1914 bis Mitte 1916 die Gegner eingruben und sich einen verbissenen Grabenkampf lieferten, starben zwischen 30’000 und 50’000 Soldaten auf beiden Seiten. Die genaue Zahl der Getöteten konnte jedoch nie ermittelt werden, weil die überwiegende Zahl der Opfer gewissermassen pulverisiert in den von Granat-Explosionen aufgewühlten Erdmassen zutode kamen.

Durch den Dauerbeschuss des Hartmannsweiler-Kopfes wurde nicht nur das stark bewaldete Gelände bis auf die Wurzelstöcke richtiggehend «rasiert», sondern auch die felsige Höhe um zwölf Meter buchstäblich geköpft. Noch heute erkennt man auf dem Weg zur Anhöhe bis zum Aussichtspunkt Bombentrichter um Bombentrichter, als ob es sich um eine Mondlandschaft handelte. Immerhin hat die Vegetation wieder viele Stellen zuwachsen lassen, und in manchen Granatlöchern sind nun bereits mehr als schlanke Bäume hervorgesprossen.

Es ist streng verboten, die ausgeschilderten längeren oder kürzeren Rundwanderwege durch die Unterstände und Schützengräben zu verlassen. Denn noch immer finden sich scharfe Blindgänger im Gebiet, die mit der Zeit von der Witterung freigelegt worden sind. Auf der langen Eingangsrampe zur Krypta stehen in unendlich scheinenden Reihen entschärfte Findlinge, die mit dem Fundort und dem Funddatum angeschrieben sind. Die letzten vor drei Monaten… Während ein grosses Gräberfeld mit weissen Kreuzen den identifizierbaren Toten gewidmet ist, konnten Abertausende von Körperteilen nie identifiziert oder einer der beiden Kriegsparteien zugeordnet werden und sind daher in einem Gemeinschaftsgrab in einer riesigen Krypta mit darüber errichtetem Denkmal begraben.

Am Tag des Präsidententreffens eröffnen gemeinsam 20 Ausstellungen in den drei Ländern am Oberrhein. Jeder Ausstellungsort beleuchtet den Ersten Weltkrieg, den die Franzosen «la Grande Guerre» heissen, aus verschiedenen nationalen und vor allem unterschiedlichen thematischen Perspektiven.

Fotoreportage vom 10. März 2014 am HWK
© foto@jplienhard.ch




Auf dem Schild steht in zwei Sprachen und bezieht sich auf das Birken-Stämmchen daneben: «Arbre de l'Amitié Franco-Allemande 30 mai 1997 - Baum der deutsch-französischen Freundschaft 30. Mai 1997» und wurde aufgestellt, respektive gepflanzt von L'association des amis du Hartmannswiller-Kopf und den Reservisten der Reservistenkameradschaft Siegen. © foto@jplienhard.ch 2014




Gegenlichtaufnahme des höchst dramatischen Gedenk-Monumentes unter dem HWK. © foto@jplienhard.ch 2014




Das vergoldete Monument mit den Bezeichnungen der Regimenter, die am HWK beteiligt waren, ist über der Krypta errichtet. Darunter sind die Überreste von rund 5’000 aufgefundenen Gebeineteile von unbekannten Opfern begraben. © foto@jplienhard.ch 2014




Mitten unter dem Meer der christlichen Kreuze erinnert ein muslimischer Grabstein daran, dass auch Soldaten aus den französischen Kolonien am HWK fielen. © foto@jplienhard.ch 2014




Ausschnitt aus dem riesigen Gräberfeld, wo die identifizierbaren Toten bestattet worden sind. © foto@jplienhard.ch 2014




Ob original oder nicht: Der HWK war von kilometerlangen Stacheldrahtfallen gewissermassen umgarnt. © foto@jplienhard.ch 2014




Überreste eines Schützengrabens, der auf dem Gedenk-Rundwanderweg begehbar ist. Aber Vorsicht: Wem bewusst wird, dass unter seinen Füssen hier zu Tausenden Menschen starben wie die Fliegen, der will möglichst rasch raus aus dieser Erinnerungsstätte des Grauenes!!! © foto@jplienhard.ch 2014


Von Jürg-Peter Lienhard

Für weitere Informationen klicken Sie hier:

• Mehr Infos zu den Ausstellungen im Neztwerk der Museen im Dreiland

• Les Amis du Hartmannswillerkopf (F) mit Fotos

• Expedition Hartmannsweilerkopf (D) mit Fotos


Klicken Sie hier, wenn Sie fortan bei neuen Artikeln dieses Autors benachrichtigt werden wollen!





Nach oben


Copyright © 2003 by webjournal.ch

 

Die Funktion Newsletter ist wegen Spam blockiert. Schreiben Sie eine Mail an info(ad)webjournal.ch mit dem Betreff: «Bitte newsletter zusenden» Besten Dnak für Ihr Verständnis.