Artikel vom 19.02.2013

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Kino in Kürze

NEUE RUBRIK FÜR FILMLIEBHABER

Kino in Kürze…

…bewertet von unserem Filmjournalisten

Von Ottokar Schnepf



red.- Er gehört zur Tradition der unvergesslichen, aber buchstäblich ausgestorbenen Figuren des Basler Pressewesens, deren Namen untrennbar für die Qualität ihrer Texte stehen, für die Kontinuität ihrer Verpflichtung gegenüber dem Leserpublikum und für eine gebildete, liberale Auffassung, gepaart mit handwerklich-sprachlichem Können für spannend geschriebene Texte: Unser Filmjournalist Ottokar Schnepf ist nicht Lohnschreiber, der über Dinge schreibt, von denen er nichts bis wenig versteht. Er weiss wovon er schreibt, und was er schreibt, gilt seiner Leidenschaft, dem grossen, gemeint ist dem gekonnt guten Kino und nicht dem Fernsehfilm oder dem gefilmten Dialog. Geschichten in bewegten Bildern gut erzählt und auf Grossleinwand in einem Kinosaal - das ist das Erlebnis von gutem Kino! Lesen Sie von nun an seine Kurzberichte über lohnende bis unwerte Kinoerlebnisse und nehmen Sie ungebremst die Füsse unter Ihre Beine, wenn die Filme dann demnächst in einem Lichtspieltheater angesagt sind. Seine Bewertungen sind hieb- und stichfest, jedenfalls subjektiv, ganz klar, aber zweifelsfrei nicht korrupt! Bei Nichtgefallen: kein Geld zurück, aber garantiert sind Sie um ein Erlebnis reicher!

*****hervorragend
****sehenswert
***annehmbar
**zwiespältig
*schlecht




Beasts of The Southern Wild

In mythologischen Bildern erzählt der junge Amerikaner Benn Zeitlin in seinem Film von einem Leben in den Urwäldern von Louisiana, dem durch Stürme, aber auch durch die Behörden zunehmend die Grundlage entzogen wird – und der Horror in Gestalt von stampfenden und schnaubenden Urviechern daherkommt. Doch Hushpuppy, die sechsjährige Heldin der Geschichte, wird ihnen ganz persönlich Einhalt gebieten. Eine hochenergetische Parabel von seltener Kraft über den Untergang der Welt. (os) *****





Broken

Die 11-jährige Skunk (Eloise Laurence) lebt in einer scheinbar normalen Nachbarschaft in einem britischen Vorort. Ihr gegenüber wohnt der geistig zurückgebliebene Rick zusammen mit seinen Eltern, und ebenfalls in der Nähe der verwitwete Mr. Oswald mit seinen drei Töchtern. Skunk selbst lebt mit ihrem Vater Archie (Tim Roth) und ihrem Bruder Jed - die Mutter ist vor Jahren mit einem anderen Mann abgehauen. Alles ist so wie immer, bis sich eines Tages zu Beginn der Sommerferien die Ereignisse überschlagen. Die kleine Elois Laurence drückt dem hervorragend inszenierten Film in eindrucksvoller Manier den Stempel auf wie einst Natalie Portman in Léo und Jodie Foster in Taxi Driver. (os) ****





Django Unchained

Hollywoods Regiewunderkind Quentin Tarantino schickt seine Helden Jamie Foxx und Christopher Waltz auf die Suche nach einer mythischen Broomhilda und widmet seinen Western der Sklavenbefreiung. Wen wunderts, wenn dabei das heute nicht mehr statthafte N-Wort in rascher Folge fällt. Wie schon in Inglorious Bastards, in dem Tarantino es den Nazis gründlich heimzahlte, ist auch Django Unchained von einer eigenartigen Ambivalenz hinsichtlich der Heldenfunktion geprägt – und hinterlässt den Eindruck einer verpassten Chance.***





Flight

Denzel Washington spielt in Robert Zemeckis Drama einen zwiespältigen Helden, der als Pilot mit einem halsbrecherischen Manöver bei einer Notlandung fast alle seine Passagiere rettet. Doch Wip Whitaker hat viel Fusel und Koks im Blut und ernsthafte Probleme, charakterliche wie juristische. Eine teilweise packende Fallstudie, die ohne Zeigefinger Schuld, Schwächen und Suchtverhalten skizziert. ***





Gangster Squad

Mit Zombieland (2009) bewies Regisseur Ruben Fleischer zuletzt seinen Sinn für Humor, in Gangster Squad geht es jetzt weniger lustig zu. Fleischer konstruiert einen klassischen Krimiplot, angesiedelt in der düsteren Halbwelt von Los Angeles in den 1940er-Jahre; Sean Penn gibt den Unterwelt-Boss Mickey Cohen (den Harvey Keitel 1991 in Bugsy so unvergesslich verkörperte), dem die unbestechlichen Inspektoren John O'Mara (Josh Brolin) und Jerry Wooters (Ryan Gosling) mit ihrer Spezialeinheit nachstellen. So wenig wie der Faxen schneidende Sean Penn als Mickey Cohen überzeugen kann, so wenig gelingt es Regisseur Fleischer einen überzeugenden Gangsterfilm zu inszenieren. Sein Film ist beinahe eine Zumutung. *





The Hobbit

Peter Jackson hat mit seiner Lord of the Rings-Trilogie ads Fantasy-Kino wieder modern gemacht. Ausstattungswahnsinn, klassisches Schauspiel und Hightechtricks kann man jetzt auch im Prequel The Hobbits erleben, der von der Reise der Zwerge, von Trollen und dem berühmten Hobbit Bilbo Beulten, der eine Figur namens Gollum trifft und schliesslich auch den furchterregenden Drachen Smog ärgert. Fortsetzung folgt. (os) ***





Life of Pi

Mehr als 200 Tage muss der junge Inder Pi als Schiffbrüchiger überstehen, mit einem Tiger an seiner Seite, der nur langsam seine Raubtierinstinkte einbüsst. Die ziemlich langatmige Rahmenerzählung zu Beginn muss man einfach durchsitzen, denn man wird danach reich belohnt mit dem Spiel der Elemente in einen ins Visionäre gesteigerten Realismus. Ang Lee (Tiger and Dragon) hat mit dieser Bestsellerverfilmung das 3D–Kino auf eine neue Ebene gehoben. (os) ****





Lincoln

Steven Spielberg gelingt mit seinem Biopic über den US.Präsidenten Abraham Lincoln ein intelligenter und komplexer Film über gesellschaftspoli-
tische Visionen und spannende Alltagspolitik. Das überrascht, denn dem mit allen Hollywoodwassern gewaschenen Meister hätte man von einer sentimentalen Schmonzette bis hin zum pathetischen Geschichtsmonument alles zugetraut. Doch Spielberg und seinem Drehbuchautor Tony Kushner ist ein überzeugender Film gelungen – mit einem Daniel Day-Lewis als Lincoln, der zum grossartigen Porträt dieses korrekten Präsidenten seine grosse Schauspielkunst voll einsetzt: Day-Lewis ist Lincoln! ****





The Master

Fünf Jahre nach There Will Be Blood meldet sich Regisseur Paul Thomas Anderson mit einem weiteren Meisterwerk: The Master verfolgt das bewegte Schicksal des Ex-Marineoffiziers Freddie (Joaquin Phoenix), der im zivilen Alltag nicht mehr zurechtkommt. Als er zufällig auf eine noch junge Bewegung unter dem charismatischen Lancaster Todd (Philip Seymour Hoffman) stösst, den seine Anhänger nennen – und dessen Sendebewusstsein an dasjenige des Scientologen Ron Hubbard erinnert – nimmt sein Leben eine unerwartete Wende. Obwohl bei Freddie Zweifel an den totalitären Methoden und Lehren des entstehen, wird er dessen Freund und Bodyguard. Wirkt auch die Thematik etwas verwirrend, Andersons Film ist mit seiner eindrucksvollen Optik im ungewöhnlichen Breitwand-Format und den beiden grandiosen Hauptdarstellern gelinde ausgedrückt grosse Klasse. *****





Zero Dark Thirty

Kathryn Bigelows Tatsachenfiktion über die Jagd nach Osama Bin Laden beginnt mit dem 11. September 2011 und fokussiert rund um die Agentin Maya (Jessica Casein – siehe Bild) ein ganzes Jahrzehnt "Krieg gegen den Terror" in einem ungeheur dichten, moralisch ambivalenten, dezidiert kunstlosen Action-Thriller. Zero Dark Thirty ist der militärische Jargon für 0.30 Uhr – der Zeitpunkt, an dem am 2. Mai 2011 eine Spezialeinheit der US-Army mit ihren Helikoptern abhob, um im pakistanischen Abbottabad Osama Bin Laden zu töten. Der kontroverse Film hat in den USA bereits zu hitzigen Debatten geführt. ****


Von Ottokar Schnepf


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