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KulturSchweigen

Artikel vom 08.09.2011

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Ottokars Cinétips

Scheidung auf iranisch

Zurzeit im Kino in Basel: «A Separation» - ein komplexes Sozialpanorama des heutigen Iran

Von Ottokar Schnepf



«Nader and Simin, A Separation», ist ein Spielfilm des iranischen Regisseurs Asghar Farhadi aus dem Jahr 2011. Das Drama basiert auf einem Originaldrehbuch von Farhadi, der auch die Produktion übernahm und seine Tochter als Schauspielerin einsetzte. Erzählt wird die Beziehung zweier iranischer Familien, eine aus dem gebildeten höheren Mittelstand, die andere aus der religiösen Unterschicht stammend.


Das iranische Kino befindet sich zurzeit in einer Krise. Renommierte Filmemacher wie Abbas Kiarostami («Der Geschmack der Kirsche», «Der Wind wird uns tragen») und andere haben in ihrer Heimat Berufsverbot oder wurden mit Gefängnisstrafen verurteilt. Für ein Land mit einer jahrzehntelangen Kinotradition, ist das ein Riesenschlag.

Kein Wunder also, wenn der eine oder andere iranische Filmregisseur beschliesst, das Land zu verlassen. Oder einen Film dreht, der so komplex ist, dass die Zensur gar nicht weiss, wo sie hinsehen soll, oder der kluge Richter und gutmütige Polizisten zeigt. Beides ist bei Asghar Farhadis Film «Eine Trennung» der Fall.

Sonst wäre er nicht als Festivalbeitrag nach Berlin und im Iran für die Kinos freigegeben worden. In Berlin notabene wurde er mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet, nicht zuletzt als Protest gegen die iranische Regierung und ihre Machenschaften.

Das Ehepaar Nader und Simin lernen wir zu Beginn des Films vor dem Eherichter kennen. Es ist die erste von zahlreichen formellen und informellen Verhandlungen, die den Lauf des Films prägen - und ihn zu einem Kammerspiel machen, in dem der ganze Iran Platz hat.

Simin will mit Nader und ihrer halbwüchsigen Tochter aus dem Iran ausreisen. Doch weil ihr Gatte nicht einwilligt, weil er seinen an Alzheimer erkrankten Vater nicht verlassen möchte, braucht sie eine beurkundete Trennung.

Aus Protest zieht Simin zu ihren Eltern, was ihr Mann dazu veranlasst, eine andere Frau als Betreuerin für seinen Vater einzustellen. Schon bald nach einem Streit, weil die Laienpflegerin den Alten in der Wohnung alleine zurückgelassen hat, katapultiert Nader sie vor die Tür. Dabei stürzt sie über die Treppe und verliert kurz darauf im Spital ihr Baby im dritten Monat.

Jetzt überstürzen sich auch die Ereignisse in diesem iranischen Familiendrama. Denn wieder einmal steht Nader vor Gericht, diesmal wegen Tötung eines ungeborenen Kindes.

Ein komplexes Sozialpanorama vermittelt uns Asghar Farhadi in seinem Film. Bürgerliche und fundamentalistische Codes, Sharia-Gesetze, Ehrgefühl und eheliche Solidarität vermischen sich. Daneben geht es um die Herstellung von Gerechtigkeit und Wahrheit.

Fazit: Die Zuschauer gehen mit vielen Fragezeichen im Kopf aus dem Kino.

Von Ottokar Schnepf


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