Artikel vom 04.07.2011

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- Rubrikübergreifendes

Mit Zeremonien-Protokoll der Beerdigung

Otto von Habsburg gestorben

Er war oft Gast in Vieux-Ferrette bei seinem Freund, dem Maître Fromager Affineur Bernard Antony - zuletzt gemeinsam mit dem Prinzen Albert von Moncaco

Von Jürg-Peter Lienhard



Der Europäer der ersten Stunde, Otto von Habsburg (rechts) neben Prinz Albert von Monaco vor dem alten Tribunal von Pfirt, wo sie vom inzwischen verstorbenen Bürgermeister Pierre Brand im Mai 2006 gemeinsam empfangen wurden. Foto J.-P. Lienhard, Basel © 2011


Am Montag Morgen, 4. Juli 2011, starb 98-jährig Otto von Habsburg, der älteste Sohn des letzten regierenden Kaisers von K.u.K. Oesterreich und Ungarn und durch den Ersten Weltkrieg verhinderter Thronfolger in seinem Heim in Pöcking am Starnberger See (Bayern). «Seine Hoheit», wie ihn sein elsässischer Freund Bernard Antony von Vieux-Ferrette stets respektvoll nannte, war ein erklärter Gegner Hitlers und floh vor den Nazis via Frankreich in die USA.



Was durften die Blaublütler denn anderes erwarten als ein fürstliches Käsebüffet vom Sundgauer Käskönig Bernard Antony (auf dem Bild verdeckt von seinem Sohn Jean-François im Vordergrund, Otto von Habsburg mit Käseteller in der Mitte). Foto J.-P. Lienhard, Basel © 2011

Gleich zwei «Blaublüter» vom höchsten Adelsstand fanden sich an jenem 16. Mai 2006 im aussterbenden Sundgauer Kaff Pfirt ein, um das wunderbare Käsebüffet des Maître Fromager Affineur Bernard Antony aus Vieux-Ferrette zu geniessen: Prinz Albert von Monaco und Graf von Pfirt (Titel nur geerbt) sowie der älteste Sohn des letzten österreichisch-ungarischen Kaisers, Otto von Habsburg.

Obwohl «verhinderter» Thronfolger als Folge des Ersten Weltkrieges, der übrigens durch die Ermordung des damaligen österreichischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand und dessen Gattin, Sophie Herzogin von Hohenberg, durch den Anarchisten Gabrilo Principe in Sarajewo ausgelöst wurde, entwickelte sich Otto von Habsburg zu einem der ersten Europäer, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg für die Einigung des Kontinents einsetzte: Er war Mitgründer und von 1973 bis 2004 Präsident der Paneuropa-Union, die von Richard Graf Coudenhove ins Leben gerufen wurde. Von 1979 bis 1999 war er Europa-Abgeordneter und setzte sich für die Völker hinter dem Eisernen Vorhang sowie für eine rasche Osterweiterung nach 1989 ein.

Noch nach 1999, nach seinem Ausscheiden aus dem Europaparlament, bestritt er hochbetagt als Redner und Politiker viele hochrangigen Konferenzen und Versammlungen, und es wurden ihm zahlreiche Ehrungen zuteil. Zuletzt verlieh ihm der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy das Grosskreuz der Ehrenlegion.

Beim stets bescheidenen Bernard Antony aber ging er ein und aus als liebenswürdiger Freund des Hauses und mehrte so den Ruf des «unadeligen» Sundgauer Käsekönigs an allen grossen Häusern der Welt - ob in ihnen nun rotes oder blaues, ob abendländisches oder morgendländisches Blut fliesst…

Die Fotos vom blaublütigen Käsezeremoniell

Fotoreportage von J.-P. Lienhard, Basel © 2011




Sowas von Köstlichem - aber vor allem höchst Seltenem, denn darunter leiden selbst grosse Gastronomie-Häuser: Die besten der guten Produkte werden immer rarer, und selbst für Maître Antony ist es nicht immer einfach, das Beste vom Besten, respektive die Besten der Besten unter den Käseproduzenten Frankreichs zu finden. Foto J.-P. Lienhard, Basel © 2011




Und hier gleich noch von Nahem die Widmung auf Antonys Käsebüffet an die blaublütigen Gäste: «Le 16 mai 2006, Buffet de Fromage en l'honneur de Son Altesse Impériale et Royale Monseigneur Otto de Habsbourg - Son Altesse Sérénissime Comte de Ferrette Le Prince Albert II - organisé par M. Brand Pierre, Maire de Ferrtte, élaboré par Antony Bernard, Maître Fromager et son fils Jean-François» - süss, gell? Foto J.-P. Lienhard, Basel © 2011




Und da kommt schon einer der Ehrengäste, Seine Hoheit Otto von Habsburg, im Auftreten ebenso bescheiden wie der Gastgeber Antony. Foto J.-P. Lienhard, Basel © 2011




Nicht immer gelingt einem Reporter die Aufnahme eines freundlichen Händedrucks - hier aber gelang sie, weil sich die beiden Freunde und Kenner des Guten eben sehr lange die Hände hielten. Foto J.-P. Lienhard, Basel © 2011




Und dann der freundschaftliche Schwatz zwischen dem liebenswürdigen Gastgeber Antony und Seiner Hoheit, bevors zum Käseschmaus im Saal des alten Tribunals von Pfirt geht. Foto J.-P. Lienhard, Basel © 2011




Blaublütiges Trio (von links): Der Sundgauer Käskönig Bernard Antony, Prinz Albert II von Monaco und Pfirt, Otto von Habsburg. Foto J.-P. Lienhard, Basel © 2011


Termine für die Trauerfeierlichkeiten von Dr. Otto von Habsburg vom 5. bis 17. Juli 2011

mitgeteilt von Bernard Antony via Eva Demmerle, Pressesprecherin von Dr. Otto von Habsburg:


Dienstag, 5. Juli, ab 12 Uhr, bis Samstag, 9. Juli 2011:

Aufbahrung der sterblichen Überreste von Dr. Otto von Habsburg in der Kirche St. Ulrich, Pöcking, Hauptstrasse.
Ewige Anbetung des Allerheiligsten Altarssakraments.
Die Kirche wird auch nachts geöffnet sein.

Samstag, 9. Juli, 14 Uhr:

Requiem in St. Pius, Pöcking
Hauptzelebrant: S.E. Diözesanbischof Dr. Konrad Zdarsa

Montag, 11. Juli, 10 Uhr:

Requiem in der Theatinerkirche, München
Hauptzelebrant: S.E. Kardinal Dr. Rainhard Marx
anschliessend Gebet durch S.E. Kardinal Dr. Rainhard Marx und Verabschiedung durch Bayerische Gebirgsschützen und Tiroler Schützenkompanien auf dem Odeonsplatz

Dienstag, 12. Juli:

Aufbahrung der sterblichen Überreste von Dr. Otto von Habsburg und Regina von Habsburg in der Wallfahrtsbasilika Mariazell

Donnerstag, 14. Juli, und Freitag, 15. Juli:

Aufbahrung von Dr. Otto von Habsburg und Regina von Habsburg in der Kapuzinerkirche, Neuer Markt in Wien

Samstag, 16. Juli, 15 Uhr:

Requiem im St. Stephans-Dom, Wien
Hauptzelebrant: S.E. Kardinal Dr. Christoph Schönborn

Anschliessend Kondukt durch die Wiener Innenstadt

Anschliessend Beisetzung von Dr. Otto von Habsburg und Regina von Habsburg in der Kapuzinergruft

Sonntag, 17. Juli

Requiem in Budapest

Beisetzung der Herzurne von Dr. Otto von Habsburg in der Benediktinerabteil Pannonhalma

Von Jürg-Peter Lienhard

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• Wer ist Bernard Antony?


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