Artikel vom 15.11.2010

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Basel - Wirtschaft

BaZ-Redaktion wegen Blocher-«Mandat» besorgt

Quasi-Verleger Martin Wagner vereinbart aufgrund eines offenen Briefes eine Aussprache mit den Redaktoren

Von Redaktion

Mit einem offenen Brief hat die BaZ-Redaktion auf die wie eine Bombe eingeschlagene Meldung der «NZZ am Sonntag» vom 14. November 2010 reagiert, dass Christoph Blocher im Zeitungsunternehmen Einfluss nehmen soll. Während im Bericht von «Machtübernahme» durch den SVP-Strategen steht, widersprachen die neuen Besitzer der BaZ, Tito Tettamanti und Martin Wagner, erst am späten Sonntagnachmittag und wollten Blocher nur als «Berater» an Bord geholt haben.

Aufgrund der einhelligen Reaktion der BaZ-Redaktion und des offenen Briefes kündigte Quasi-Verleger Martin Wagner für den Dienstag, 16. November 2010, um 9 Uhr, eine Aussprache mit den Redaktoren an. Immerhin hiess es im genannten Bericht der «NZZ am Sonntag», dass mit dem Beizug Blochers der Einfluss von Teilhaber Wagner wesentlich vermindert würde. Er soll sich gegenüber anderen Medien ebenfalls überrascht über die Meldung gezeigt haben, die offenbar einer Indiskretion entsprang.

Im Brief an Wagner fordert die Redaktion explizit die Überprüfung der Zusammenarbeit mit dem aus Zürich und der «Weltwoche» zugezogenen Aargauer Chefredaktor Markus Somm.

Hier der Wortlaut des offenen Briefes:

«Offener Brief der BaZ-Redaktion an Verleger Martin Wagner

Sehr geehrter Herr Wagner,

mit grosser Besorgnis haben wir die jüngste Berichterstattung über unsere Unternehmen zur Kenntnis genommen. Die darin angedeutete politische Einflussnahme auf die Basler Zeitung gefährdet unsere Glaubwürdigkeit und unsere journalistische Unabhängigkeit – und damit das höchste Gut einer Zeitung. Die Instrumentalisierung der BaZ schadet unserem Image nicht nur bei der Leserschaft, sondern auch bei den Inserenten. Stimmen die im Artikel der „NZZ am Sonntag“ dargelegten politischen Verstrickungen, riskiert unsere BaZ irreparablen Schaden zu erleiden. Gerne erinnern wir Sie daran, was Sie der Öffentlichkeit und der Redaktion bei Ihrem Antritt als Verleger der BaZ versprochen haben: eine unabhängige Zeitung „aus der Region Basel, für die Region Basel“ zu bleiben. Nun müssen wir feststellen, dass Sie sich in der schwierigen Anfangsphase zu früh aus der Leitung des Unternehmens zurückgezogen haben.
Darum erwarten wir von Ihnen:
• Nehmen Sie Ihre Verantwortung als Verleger der BaZ wieder aktiv wahr!
• Legen Sie die wahren Besitz- und Interessensverhältnisse unserer Zeitung offen!
• Stoppen Sie jegliche politische Einflussnahme auf die BaZ – egal aus welcher Richtung!
• Garantieren Sie unsere journalistische Unabhängigkeit und die Einhaltung von allen weiteren Richtlinien gemäss Redaktionsstatut!
• Überprüfen Sie unter diesen neuen Umständen die Zusammenarbeit mit Chefredaktor Markus
Somm!

Wir sind äusserst motiviert, eine qualitativ hochstehende Zeitung zu produzieren. In den vergangenen zwei Jahren haben wir das mit einem sehr knappen Personalbestand jeden Tag aufs Neue bewiesen. Mit einem nun offenbar zur Debatte stehenden weiteren Abbau von Stellen, wäre der Fortbestand der BaZ als politisch unabhängige Qualitätszeitung nicht mehr gewährleistet.

Dieser offene Brief wurde von der Gesamtredaktion heute Vormittag einstimmig verabschiedet.

Wir bitten Sie zu den hier genannten Punkten der Redaktion gegenüber Stellung zu nehmen. Eine Antwort von Ihnen erwarten wir bis heute Montagabend, den 15. November, 18 Uhr.

Mit freundlichen Grüssen. Die Redaktion der Basler Zeitung»


Von Redaktion


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