Artikel vom 11.11.2010

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J.-P. Lienhards Archiv

Meine Theater-Produktionen

1987 bis 1992

Von Jürg-Peter Lienhard



Vier Spielflächen im Foyer des Grossen Hauses des Theater Basel für die «Chàltnàcht» (hier sind nur drei abgebildet, die vierte ist mitten im Publikum und auf dem Bild nicht sichtbar).


Im Rahmen um meine Bemühungen zur Förderung und des Austausches elsässischer Kultur, habe ich im Stadttheater Basel und anderen Spielstätten verschiedene Theaterproduktionen in eigener Regie, als Gastspiel, als Auftragswerk und aus Freude am Thema auf die Beine gestellt. Die Produktionen waren jeweils ausverkauft und sehr gut in der Presse besprochen worden.

«Chàltnàcht» nach Nathan Katz

Szenische Lesung in Sundgauer Sprache im Theater Basel, Foyer




Die Diseuse Yvonne Gunkel mit dem Autor, Moderator (Verständnisperson für das Basler Publikum) und Regisseur Jürg-Peter Lienhard. Yvonne Gunkel zog das Publikum mit ihrer Bühnenpräsenz derart in Bann, dass die Darbietung vom damaligen Assistenten des Germanistischen Seminars der Universtiät Basel, Ewald Käser, als «eine für die Sprachforscher ausserordentlich interessante Begegnung» gehalten wurde.


Der elsässisch-sundgauische Ausdruck «Chàltnàcht» ist vom alemannischen «Chilten» oder «Chalten» abgeleitet und bedeutet so viel wie sich Besuchen. Eine «Chàltnàcht» ist daher ein langer Winterabend, wo man sich im einzigen geheizten Raum des Bauernhauses, der Stube, besuchte und rund um den warmen Kachelofen Geschichten erzählte, Karten spielte, Musizierte und Aepfel im Rohr schmorte oder einen Glühwein ausschenkte.

Die Gedichte des elsässischen Poeten, genannt «le prince des poètes alsacien» - Nathan Katz -, sind in der erdigen Sundgauer Sprache abgefasst. Mit dem Überhandnehmen der französischen Sprache sind seine Gedichte und Erzählungen in seiner Heimat vom Vergessen bedroht, denn sein Idiom kann bald niemand mehr rein wiedergeben.

Diese Tatsache war der Ausgangspunkt für eine szenische Lesung im Stadttheater Basel, wo seine Sprache noch mühelos verstanden wird. Ein Glücksfall war auch, dass seine engste Mitarbeiterin, die Radiofrau und Diseuse Yvonne Gunkel eine hervorragende Interpretin seiner Gedichte war.

Ich verfasste ein Buch in Gesprächsform, womit ich zusammen mit Yvonne Gunkel Leben und Werk Nathan Katz_ darstellte. Yvonne Gunkel sprach zu jedem Thema ein Gedicht, das mit Musik der klassischen Volksmusiker «Géranium» untermalt und mit Darstellungen und Tänzen der Gruppe «Burgdeifela» versinnbildlicht wurde.
Ich führte zudem Regie und gestaltete das Bühnenbild: Drei Szenen und eine Tanzfläche inmitten des Publikums.



Die vierte Spielfläche inmitten des Publikums war für die Darstellergruppe «Burgdeifela» reserviert, die hier das Gedicht von Nathan Katz «Conscrit» mit einem alten Sundgauer Volkstanz «illustrierten». Die «Conscrits» sind seit der nach-napoleonischen Zeit der Jahrgang der Stellungspflichtigen, die ihren bevorstehenden Einzug mit allerhand übermütigen Kapriolen und Scherzen zu feiern pflegen. Traditionell bis heute sind sie weiss bekleidet und tragen Trikolore-Schärpen am Oberkörper und farbige Hüte oder Kopfbedeckungen, die oft an die Jakobiner-Zeit erinnern.



E gfitzti Hochzitt - Brecht auf Elsässisch

Nach Bertolt Brechts «Kleinbürgerhochzeit» von Germain Muller («ex «Barably»)




Das Plakat zu «Brecht auf Elsässisch» entwarf der weltberühmte Illustrator und Zeichner Tomi Ungerer.


Germain Muller vom Strassburger «Cabaret-Barably» hat Bertolt Brechts Klassiker «Kleinbürgerhochzeit» auf Elsässisch umgeschrieben. Das heisst, dass es gegenüber dem Original eine ganze Viertelstunde länger dauert: Weil die Hochzeiter auf Elsässisch tafeln, und nicht etwa nur einen Kloppfisch verdrücken...

Was Wunder, dass die elsässische Version das «Fidleburgerische» durch diese Fresserei à l'alsacienne erst recht entlarvt: Denn am Familientisch mit den «lieben Verwandten» bricht schon bald nach den ersten Gläsern Edelzwicker der Kleingeist brutal aus.

Die Inszenierung von Francis Haas mit seinem «Atelier Lyrique du Rhin» mit den bekanntesten Schauspielern des «Cabaret Barably» hatte mich derart begeistert, dass ich sie als eigene Produktion ins Stadttheater Basel brachte.

Dabei wurde im Foyer des Grossen Hauses ein «Theater im Theater» errichtet. Da wurden Gradins links und rechts der Spielstätte aufgebaut und rundum beleuchtet - wie eine Arena und ganz entsprechend dem Inhalt des Stückes. So wurden die Zuschauer unfreiwillig Mitwirkende - Voyeure in einem Drama der bekannten Art.

Die Veranstaltung wurde ein voller Erfolg, zumal das Premieren-Publikum mit einem Käsebüffet des Maître Fromager Bernard Antony aus Vieux-Ferrette verwöhnt wurde. Es war das einzige Mal in der Geschichte der Theater Basel, dass im «Musentempel» selbst nach Tagen der charakteristische Duft von reifstem «Fromage de Munster A.O.C» schwebte.



«Odilie - eine europäische Legende»

Szenische Lesung im Kulturzelt «Die Kuppel»




Titelblatt des Programmheftes zur Aufführung «Odilie - eine europäische Legende». Es zeigt auch das Sujet des Theater-Plakates, das sich auf das Legendensymbol der blinden und heiligen Odilie bezieht. Idee und Gestaltung: J.-P. Lienhard, Basel © 2003


Bei diesem Stück handelt es sich um ein Auftragswerk, das ich im Namen des Vereins Elsass-Freunde Basel dem in Basel lebenden deutschen Schriftsteller Frank Geerk erteilte: Er sollte aufgrund der Odilien-Saga, der Schutzpatronin des Elsass, ein Theaterstück verfassen. Die Grundlage war die Ode des Strassburger Dichters Friedrich Lienhard. Die damit verbundenen Absichten habe ich in einem Geleitwort des Programmheftes verfasst (Download-Link siehe unten).



Als Mitwirkende habe ich die folgenden Künstler am Theater Basel gewinnen können: Adrian Furrer, Rudolf Ruf, Michaela Steiger, Cornelia Heyse. Regie: Marc Zurmühle. Musik: Urs Blöchlinger, Robi Rüdisühli, Peter K. Frey. Produktion: Jürg-Peter Lienhard. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2003



Silberkiesel

Szenische Lesung im Migros-Restaurant Burgfelder


Der in Basel lebende Zofinger Schriftsteller und Theaterautor Hansjörg Schneider verfasste seinen ersten literarischen Kriminalroman der späteren Serie mit dem Kommissar Hunkeler unter dem Titel «Silberkiesel».

Weil die Handlung in unserem damaligen Wohnquatier spielt, konnte ich Hansjörg Schneider dazu bewegen, eine eigene Fassung für eine Szenische Lesung über die Geschichte um die «Silberkiesel» zu schreiben.

Und weil nebst dem Kommissar Hunkeler auch die weibliche Hauptperson in der Migros unseres Quartiers arbeitete, war es naheliegend, dass die Genossenschaft Migros Basel aus ihrem «Kulturpozent» die Aufführung im Restaurant des Einkaufszentrums sponserte und die Gaststätte zeitweilig zu einem Theater umfunktionierte.

Der in breiten Kreisen und weit über Basel hinaus beliebte beliebte Autor sowie die hochkarätige Schauspielertruppe aus dem Theater Basel führte selbstredend zu ausverkauften Vorstellungen. Besonders erfreulich war, dass die meisten Besucher auch aus dem Quartier selbst stammten und nicht zu den sonst beworbenen Theatergängern gehörten.



Flugblatt zur Aufführung «Silberkiesel». Auf dem Bild von links nach rechts: «Silberkiesel»-Autor Hansjörg Schneider (fasste im Stück die Übergänge der Szenenausschnitte zusammen), die Mitwirkenden Deborah Epstein, Hilde Ziegler (von links), Norbert Schwientek (damals von «theater heute» zum «Schauspieler des Jahres» erkoren). Nicht auf dem Bild: Jürg-Peter Lienhard, Idee, Regie und Produktion. Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2003

Von Jürg-Peter Lienhard


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