Anzeige:
KulturSchweigen

Artikel vom 07.03.2010

Druckversion

Basel - Kultur

Michelangelo und Böcklin im Museum Tinguely

Die Ausstellung «Fasnacht & Kunst & Tinguely» zeigt ab Sonntag, 7. März 2010, zusätzlich zwei neue Laternenbilder von der Fasnacht 2010

Von Redaktion



Zwei künstlerische Laternenbilder von der Fasnacht 2010 sind neu in der Ausstellung «Fasnacht & Kunst & Tinguely» zu sehen - mehr Fotos im Artikel. Foto zVg Museum Tinguely


Keine andere Laterne hat die Gemüter so bewegt wie die Vorderseite der Lampe der Fasnachtsgsellschaft «Alti Stainlemer»: Michele Käppeli hat – der Pietà von Michelangelo folgend – meisterhaft Muammar al-Ghaddafi und Bundesrat Merz ins Bild gesetzt. Die zweite Laterne stammt von der «Rätz». Für ihren Geld-Wahnsinnszug hat Markus Urfer Böcklins «Pest» zitiert.

Seit Jahren ist die Fasnachtsgesellschaft «Alti Stainlemer» eine der Cliquen, die die klassische Sujetfasnacht hochhält. Sie setzt sich oft sehr prononciert mit politischen und gesellschaftskritischen Themen auseinander. So auch an der Fasnacht 2010, bei der sie die verunglückte Mission des Bundesrats Merz in Libyen und dessen voreiliger Kniefall vor Muammar al-Ghaddafi zum Sujet gemacht hat.

Michele Käppeli hat dafür ein treffendes und provozierendes Bild gefunden, das aus den vielen «Ghaddafi und Merz»-Laternen der Fasnacht 2010 deutlich hervorsticht. Angelehnt an die «Pietà» von Michelangelo, die sich im Petersdom in Rom befindet, zeigt er den libyschen Herrscher, der den Bundesrat auf der Schoss hält. Dieser sarkastischen Umdeutung der berühmten Skulptur liegt auch ein radikaler Bedeutungswandel zugrunde: Spricht die Skulptur «Pietà» von Mitleid und Trauer, so ist das Laternenbild ein Opferbild, eine Verbildlichung des Triumphes von Muammar al-Ghaddafi über Bundesrat Merz und damit über die ganze Schweiz.



Michele Käppeli: «Zirkus KNIE-Fall», 2010, Fasnachtsgsellschaft «Alti Stainlemer». Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2010


Michelangelos Monumental-Skulptur aus Carrara-Marmor bedeutete einstmals eine radikale Umdeutung der künstlereischen Marien-Darstellungen, die bis dahin Maria als Mutter mit ihrem Sohn lediglich als Säugling auf der Schoss zeigte. Der geniale Bildhauer und Universalkünstler Michelangelo jedoch bildete erstmals kein Buschi, sondern den erwachsenen Leichnam Jesu ab - das Sinnbild wirkt daher um so bewegender auf die Zuschauer. Ein Religionsfanatiker schleuderte im vergangenen Jahrhundert einen Stein auf die Marmor-Skulptur im Petersdom und zertrümmerte die Nase Mariens - zum Entsetzen der Kunstwelt. Das Kunstwerk konnte zwar wieder restauriert werden, aber die optische Wirkung und die Ausstrahlung gingen dadurch verloren. Michelangelo hatte das Motiv mehrfach verwendet und ähnliche «Pietà»-Skulpturen u.a. in Florenz geschaffen.




Markus Urfer: «Dr Waahnsinn goot wyter», 2010, «Rätz Clique». Foto: J.-P. Lienhard, Basel © 2010


«Mer leen e bitz Graas driiber waggse, machen aber glyych wie vorhäär wyter»: Die «Rätz Clique» spielte an der Fasnacht 2010 den anhaltenden Banker-Bonus-Wahnsinn aus. Die Tambouren und Pfeifer traten als Krokodile auf, die im Schilfgras versteckt darauf warten, die nächsten Bonus-Happen zu erwischen.

Markus Urfer hat auf der Laterne mit Arnold Böcklins «Pest» (das Bild befindet sich im Kunstmuseum Basel) ein Gemälde als Vorlage verwendet, das bereits mehrfach auf Fasnachtslaternen erschienen ist. Hier verbildlicht der Künstler die Pest des Geizes und der Raffsucht, die – von einem Bankerkrokodil assistiert – durch die Strassen fegt und Schrecken und Verderbnis hinterlässt. Eine Analogie auf die kapitalistische Geldgier, sprich «Finanzkrise».

Von Redaktion


Klicken Sie hier, wenn Sie fortan bei neuen Artikeln dieses Autors benachrichtigt werden wollen!


Anzeige:

Latein8



Nach oben


Copyright © 2003 by webjournal.ch

 

Die Funktion Newsletter ist wegen Spam blockiert. Schreiben Sie eine Mail an info(ad)webjournal.ch mit dem Betreff: «Bitte newsletter zusenden» Besten Dank für Ihr Verständnis.