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KulturSchweigen

Artikel vom 04.03.2010

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Ottokars Cinétips

Polizist mit Realitätsverlust

In Scorceses Thriller «Shutter Island» soll Polizist Daniels (Leonardo DiCaprio) eine aus einem psychischen Gefängnis verschwundene Mörderin finden; bei den Ermittlungen beginnt er an seinem eigenen Verstand zu zweifeln

Von Ottokar Schnepf



Mark Ruffalo und Leonardo DiCaprio sind zwei Polizisten auf der Suche nach einer vermissten Mörderin.


«Shutter Island» ist eine Adaption von Dennis Lehanes gleichnamigem Bestseller und erzählt eine eindringliche Geschichte voller Rätsel und psychologischer Spannung. Zeitpunkt der Handlung ist 1954, als sich der Kalte Krieg zwischen den Grossmächten auf seinem Höhepunkt befindet. Ort der Handlung ist eine festungsähnliche Insel mit einer Anstalt für psychisch kranke Straftäter - aus der eine Flucht unmöglich scheint.

Denn streng wird die «Klinik» bewacht, nur mit einer ebenfalls bewachten Fähre kann die Insel verlassen werden. Und trotzdem gilt eine «Patientin» als vermisst und unauffindbar. Marshal Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio) und seine neuer Kollege Chuck Aule (Mark Ruffalo) sollen diese mysteriöse Flucht aufklären.

Dennis Lehanes Roman ist eine Mischung aus Kriminal- und Schauerroman, dem Meister Scorcese für seinen genialen Thriller noch etliche Erinnerungen an Hollywoods Film Noir beigegeben hat. So regnet es in DeCaprios Wohnung plötzlich wie 1963 in Sam Fullers Enthüllungsdrama «Shock Corridor» in einer Nervenheilanstalt.

Das Wasser also ist überall, es tropft nicht nur von der Decke, sondern tobt auch in Gewitterstürmen über die Insel, umspült den Helden DiCaprio in seinen Träumen. «Shutter Island» ist ein Psychothriller mit sehr düsterem Film-Noir-Setting.

Grau sind die Himmel über diesem Eiland vor der Küste Bostons, unheimlich die psychotischen Rechtsbrecher, die Pfleger und die sinistren Psychiater, die einen obskuren Fall zu vertuschen scheinen. Dass sie nämlich, wie zuvor die Nazis in Deutschland, Menschen als Versuchskaninchen für Experimente zur Bewusstseinskontrolle verwenden.

Führen die Ärzte hier tatsächlich Menschenversuche im Nazi-Stil durch? Verbirgt sich im Leuchtturm die Aufklärung aller Geheimnisse? - fragen sich die beiden Ermittler Daniels und Aule vor dem Hintergrund eines heraufziehenden Hurricanes als zunehmend beschleunigte Alptraumfahrt.

Inszeniert ist das mit jenem technischen Geschick, das Scorcese immer schon spielerisch zur Verfügung stand und das er hier nun darauf verwendet, jedes seiner Bilder unter Verdacht zu setzen. Rückblenden, Visionen, Traumabilder lassen am Verstand der Hauptfigur zweifeln. Doch dass man paranoid ist, bedeutet nicht zwingend, dass man nicht auch tatsächlich verfolgt wird.

Von Ottokar Schnepf


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