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KulturSchweigen

Artikel vom 17.02.2010

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Ottokars Cinétips

ad Polanskis Inhaftierung in der Schweiz

Grundsolider Polit-Thriller

Absolut lächerlich ist, dass Roman Polanski unter Hausarrest steht und er nicht an der Gala-Premiere seines neuen Films an der Berlinale teilnehmen durfte - ab Donnerstag, 18. Februar 2010, im Basler kult.kino atelier

Von Ottokar Schnepf



Während Roman Polanski noch immer in seinem Chalet in Gstaad unter Hausarrest steht, feiert die Kinowelt sein neuestes Werk «The Ghost Writer» - ein gradliniger, spannender und grundsolider Polit-Thriller.


Briten agierten als Folterkomplizen, sie hätten von den Foltermethoden im Irak gewusst und sie unterstützt. Das war erst kürzlich in der Tagespresse zu lesen, könnte aber genau so gut aus Polanskis neuem Film stammen, einem Thriller mit politischem Hintergrund.

Darin geht es um einen stark an Toni Blair erinnernden und unbeliebten englischen Ex-Premierminister namens Adam Lang (Pierce Brosnan), dem seine Amerika-Treue im Irak-Krieg vorgeworfen wird; er hätte die Folter von inhaftierten Terrorismus-Verdächtigen gebilligt.

Das bringt die Hauptfigur des Films, einen unbedarften Schreiberling (Ewan McGregor), in moralische Konflikte, soll er doch die Memoiren Langs überarbeiten, nachdem der bisherige Ghostwriter auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen ist.
Darf man die Lebenserinnerungen eines Kriegsverbrechers verfassen? Wer trägt die Schuld am Tode seines Vorgängers? Diese beiden Fragen beschäftigen ihn - und der Lohnschreiber wird zum Detektiv. Dabei stösst er auf so hochbrisante Dinge, dass deren Veröffentlichung zu einem weltpolitischen Chaos führen würde: Wie tief war der Premier in Kriegsverbrechen verwickelt? Stand er während seiner Amtszeit möglicherweise in Dienste der CIA? Und was für Pläne verfolgt Langs Ehefrau Ruth (Olivia Williams), von der sich der Ghostwriter verführen lässt?

Es geht in Polanskis «Ghost Writer» nicht nur um die Macht und ihren Preis, es geht auch um den Preis der Nähe zur Macht. Das erfährt der namenlos bleibende Ghostwriter, der von Politik keine Ahnung hat, war er doch bisher ausschliesslich für Stars aus dem Showbiz tätig. Doch gerade deshalb hat man ihn mit einem 250'000 Dollar starken Honorar als Langs Lohnschreiber geködert.

Das wiederum wirft die Frage auf: Kann der Ghostwriter seine stolz reklamierte professionelle Distanz wahren, oder wird er zum Handlanger der Politmächte? Und somit gibt es auch Parallelen zu Polanskis Verhaftung, die als groteske Justizposse in die Geschichte eingehen wird.

Neben «Frantic» (1988) ist «The Ghost Writer» ein weiterer Thriller in Polanskis Filmographie, eine geschickt auf vordergründige Spannung angelegte und hintergründig mit feinem Humor gewürzte Story, basierend auf einem Roman von Robert Harris. Etwas geschwätzig zwar, aber deshalb nicht weniger spannend ist dies in den klassischen Thriller-Bestandteilen professionell angefertigtes und kluges Politkino.

Info

Täglich ab Donnerstag, 18. Februar 2010, um 15.30, 18.00 + 20.45 im kult.kino atelier

Achtung: über die Basler Fasnachtstage vom 22. bis 24. Februar 2010 bleiben die Kinos in Basel geschlossen.

Von Ottokar Schnepf

Für weitere Informationen klicken Sie hier:

• Direktlink zur Homepage der kult.kinos Basel


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