Artikel vom 08.10.2009

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Ottokars Cinétips

Stereotype Kino-Unterhaltung

Nach dem Autobiographie-Bestseller «Wüstenblume» von Waris Dirie kommt jetzt der Film über das somalische Flüchtlingskind, das es vom Supermodel bis zum James Bond Girl und sogar zur UNO-Botschafterin geschafft hat

Von Ottokar Schnepf



Das somalische Fotomodell Waris Dirie brach in dem Bestseller «Wüstenblume» das Schweigen über die weitverbreitete Praxis der Genitalverstümmelung, unter der 130 Millionen Frauen in Afrika und anderswo leiden.


Das Buch Buch schildert nicht nur ihre Flucht aus Afrika nach London und den märchenhaften Beginn ihrer Karriere als glamouröse Titelblatt-Beauty, sondern ein wenig auch, wie Waris Dirie die in muslimischen afrikanischen Ländern weitverbreitete Tortur der Genitalverstümmelung am eigenen Leib erfahren hat. Der Film «Desert Flower» kreist lange, zu lange, um die exemplarische Migrations- und Aufstiegsgeschichte der schönen schwarzen Frau, ehe sie Diries besondere Leistung herausstellt, nämlich das Tabu um die verheerende Praxis der Klitorisbeschneidung gebrochen zu haben.

Diries Rede vor der UNO in New York, in der sie die barbarischen Eingriffe und deren Folgen für Mädchen und Frauen anprangert, ist als eine Info im Abspann das Finale des Films. Zuvor werden in Rückblenden Bilder von Diries Flucht aus Somalia gezeigt, dann wieder ihr kometenhafter Aufstieg zum Fotomodel, so dass man immer wieder das Gefühl hat, sich in zwei verschiedenen Filmen zu befinden.

Auch eine (im Drehbuch dazugedichtete) romantische Liebesgeschichte darf natürlich nicht fehlen sowie eine gutherzige englische Freundin und Aufklärerin in Sachen sexueller Selbstverwirklichung in der westlichen Welt, clownesk dargestellt von Sally Hawkins.

Ein väterlicher Starfotograf wird von Timothy Spall verkörpert. Er entdeckt Dirie beim Putzen in einem McDonald-Lokal. Eine arrogante Agentin (Juliet Stevenson) steht sodann für die knallige Modelszene und sorgt dafür, dass ihre Black Beauty in allen Herren Ländern problemlos auftreten darf.

Mit Feelgood-Movie-Klischees lenkt Regisseurin Sherry Horman von den Afrika-Episoden ihres Films ab, die Waris Diries Schockerfahrung über die Haltung ihrer Mutter andeuten.

Fazit: Zu schön ist diese Liya Kebede als Waris Dirie, zu schön sind die Wüstenbilder, zu exotisch das Leben der Nomaden, zu faszinierend Diries Aufstieg zum Supermodel - zu märchenhaft und stereotyp ist dieser Film über solch ein heikles Thema.



Liya Kebedes sich wiederholende Auftritte auf dem Laufsteg erinnern an Robert Altmanns Modefilm «Prête-à-porter»...




...und die Wüstenbilder an eine Afrika-Reportage aus dem Geo-Magazin.

Von Ottokar Schnepf


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