Artikel vom 27.04.2009

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Rubrikübergreifendes

Robert Walser nach Bern umgezogen

Das wertvolle Archiv des wichtigsten Schweizer Dichters des 20. Jahrhunderts hat seinen definitiven Sitz an der prominenten Marktgasse bezogen

Von Gast



Das Walser-Archiv bei seiner Ankunft in Bern vor der Schweizerischen Nationalbibliothek. Fotos: SNB


Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen ist am Montag, 27. April 2009, das Robert-Walser-Archiv in Bern angekommen. Die Robert-Walser-Stiftung (RWS) verlegte ihren Sitz von Zürich nach Bern, wo sie in der Altstadt das Robert-Walser-Zentrum (RWZ) eröffnet. Die kostbarsten Archivgüter sind in Zukunft im Schweizerischen Literaturarchiv (SLA) der Schweizerischen Nationalbibliothek (SLN) deponiert, wo sie fachgerecht konserviert werden.

-- Von Hans-Dieter Amstutz --

Die Robert-Walser-Stiftung hatte am frühen Morgen Zürich verlassen. Die Bestände – darunter auch die berühmten «Mikrogramme» – trafen mit einem Sicherheitstransport der Securitas in Bern ein, wohlverpackt in schlagfesten Metallbehältnissen. Eine Motorradeskorte begleitete den Lastwagen, um eventuellen Unfällen vorzubeugen, die das wertvolle Material des grossen Dichters hätten beschädigen können und gar Räuber abhalten sollten. Der neue «Wohnort» Robert Walsers ist das Robert Walser-Zentrum (RWZ) an der Marktgasse 45.

Ein Teil der wertvollen Fracht ist künftig im Robert Walser-Zentrum zugänglich, die besonders kostbaren Manuskripte werden im Schweizerischen Literaturarchiv (SLA) der Nationalbibliothek (NB) deponiert. Das an bester Lage in der Berner Altstadt gelegene Robert Walser-Zentrum wird im Laufe der nächsten Monate eingerichtet und am 18./19. September feierlich eingeweiht. Es beherbergt das Robert Walser-Archiv, eine öffentliche Ausstellung sowie die weltweit umfassendste Fachbibliothek zu Robert Walser und Carl Seelig, zu der auch eine umfassende Sammlung von Erstausgaben, Zeitschriften und Druckbelegen gehört.

Walser-Liebhaber und -Forscher können hier unter anderem sämtliche Manuskripte aus Robert Walsers und Carl Seeligs Nachlässen konsultieren - in digitaler Form. Die Originale werden in Zukunft als Leihgabe im SLA konserviert und erschlossen, zusammen mit den anderen Kernbeständen der RWS: dem Doppelnachlass von Hugo Ball und Emmy Ball-Hennings, einem Teilbestand Friedrich Glauser/Max Müller, den Nachlässen von Josef Halperin und von Ossip Kalenter sowie dem Archiv des Steinberg-Verlags.



Walser-Transport in Bern angekommen.


Die enge Zusammenarbeit zwischen der RWS als privater Stiftung und der Bundesinstitution SLA verbessert die Sicherung, Konservierung, Erschliessung und Vermittlung der kostbaren Materialien. Beabsichtigt sind gemeinsame Veranstaltungen, Publikationen und Forschungsprojekte. Die Kooperation, die Pilotcharakter hat, erlaubt die Vernetzung mit den Beständen des SLA, wie den Nachlässen von Friedrich Glauser, Hermann Hesse, Carl Spitteler, Heinrich Federer oder Cécile Lauber. Die Forschung kann dadurch neue Einsichten in das literarische Leben der 20er bis 50er Jahre des 20. Jahrhunderts gewinnen.

Den Umzug der RWS nach Bern machte das wegweisende «Berner Modell» möglich, eine Partnerschaft verschiedener öffentlicher und privater Institutionen. Die Eidgenossenschaft ist im «Berner Modell» mit der Nationalbibliothek, dem SLA und dem Bundesamt für Kultur vertreten. Die weiteren Partner sind die RWS, die Stadt und der Kanton Bern, die Burgergemeinde Bern, die Berner Kantonalbank sowie die Stadt Biel.




Warum ist Robert Walser ein grosser Dichter? Hier nachfolgend eine Leseprobe aus «Der Gehülfe»


Die Fahne

Auszug aus «Der Gehülfe» (Seite 61 in der Ausgabe Suhrkamp-Taschenbuch 1110)

«Von Josephs Turm herab flatterte eine schöne, grosse Fahne. Je nachdem der Wind wehte, machte sie mit ihrem leichten Leib einen kühnen, stolzen Schwung, oder sie bog sich beschämt und müde zusammen, oder sie kräuselte und schwang sich kokett um die Stange, wobei sie sich in ihren eigenen, graziösen Bewegungen zu sonnen und zu spiegeln schien. Und dann auf einmal wieder wehte sie hoch und breit und weit empor, einer Siegerin und starken Beschützerin ähnlich, um allmählich von neuem rührend und liebkosend in sich selber zusammenzusinken. Dieses prachtvolle Blau am Himmel.»





Prominenter Fan von Robert Walser: Dieter Meier von «Yello» - hier in der Sendung «Klanghotel» mit Moderatorin Sandra Studer am Sonntag, 26. April 2009, wo er sich als «Walser-Fan» bezeichnete und wo er dies mit einem Film eines Walser-Textes «Die Klavierlehrerin» belegte. Foto: zVg SFDRS.


Von Gast


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