Artikel vom 27.03.2009

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Happy Birthday Vincent

Kurz vor seiner Mammut-Ausstellung im Kunstmuseum Basel feiert der Künstler seinen 156. Geburtstag am Montag, 30. März 2009

Von Redaktion





Vor 156 Jahren ist Vincent van Gogh in Zundert bei Breda in Holland geboren worden. Das ist nicht gerade ein runder Geburtstag, aber das Kunstmuseum Basel hat für die Zeit vom 26. April bis 27. September 2009 eine spektakuläre Sonderausstellung mit selten gesehenen und kunstgeschichtlich überaus wertvollen Werken organisiert. Vollmundig nennen die Museums-Kommerzler die Ausstellung «eine spektakuläre Gesamtschau», weil damit «zum ersten Mal die Landschaftsbilder der grossen Künstlerlegende van Gogh» auf einem Fleck zu sehen sind.

70 Gemälde sollen «einen ganz neuen Zugang zur Kunst van Goghs» eröffnen, schreibt das Museum in seiner Mitteilung zum Künstler-Geburtstag. Die Ausstellung wird zudem ergänzt durch 40 Meisterwerke von Zeitgenossen aus der weltberühmten Sammlung des Kunstmuseums, die van Goghs «bahnbrechende Auseinandersetzung mit der Natur untermalen». Dadurch werde die Ausstellung «zum wichtigsten europäischen Kunstereignis 2009».

Für ein solches «Marketing-Event» hat sich das Museum und die Stadt etliches einfallen lassen, damit es die enormen Kosten wieder einspielt und auch das Gewerbe, die Gastwirte und Hoteliers davon profitieren können. Spektakulär ist das soeben fertiggestellte temporäre Dach über dem Innenhof des Kunstmuseums, wozu kürzlich ein Kran die Alder-Skulptur «grosse Spinne» per Kran aus dem Atriumhof hieven musste.

Den Einnahmenfluss will das Museum aber auch rückvergüten, indem es für die Bildung und Belehrung von schätzungsweise 15’000 Kindern und Jugendlichen Kapazitäten für Führungen geschaffen hat und fünf Mal an einem Montag exklusiv Schulklassen vom 27. April bis 25. Mai 2009 Gratiseintritt gewährt. Zwar können auch während den regulären Öffnungszeiten Schulklassen ebenfalls gratis die Ausstellung besichtigen, müssen jedoch von einer Führung zu 150 Franken begleitet werden. Weitere Details gehen aus dem umfassenden Programm für Schulen und Kinder hervor, das hier unten via Link im Format PDF heruntergeladen werden kann.

Auf Wikipedia kann man lesen, dass van Gogh 864 Gemälde geschaffen hat, meist in seiner typischen «Spachteltechnik»; manchmal hat er die Farbe direkt aus der Tube auf die Leinwand aufgetragen. Ferner habe er über 1000 Zeichnungen hinterlassen, die er fast allesamt in den zehn Jahren vor seinem Freitod am 29. Juli 1890 in Auvers-sur-Oise (Südfrankreich) angefertigt hatte.

Kunstgeschichtlich gilt er als Begründer der modernen Malerei, die sich von der fotografisch-präzisen Abbildung gelöst hat, und übte einen grossen Einfluss auf die nachfolgende Künstlergeneration, insbesondere die Impressionisten aus.

Kommentar von Jürg-Peter Lienhard

Die modernen Reproduktionen seiner Werke ermöglichen aber auch vielen weniger bemittelten Kunstliebhabern, van Gogh-Bildern zu begegnen und mit ihnen zu arbeiten. Die Originale hingegen erzielen an Auktionen märchenhafte Preise in Millionenhöhe. Allerdings bemerkenswert ist, dass die Preise für seine Werke, von denen er zu seinen Lebzeiten nicht viele verkaufen konnte, erst nach 1980 explodierten. Zuvor war er noch nicht für den Kunsthandel entdeckt worden, obwohl mein Zeichenlehrer, Hanns Studer, heute in Soultz im Oberelsass wohnhaft, ihn uns künstlerisch unbeleckten Eliteschülern, noch in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts mit grösster Verve und gebildeter Leidenschaft als «unbedingt zu entdeckendes Genie» nahezubringen versuchte.

Das Kunstmuseum Basel will aus den Hunderten von van-Gogh-Bildern nur die Landschaftsbilder zeigen lassen. Es ist also trotz, oder gerade wegen dieser Auswahl, eine einzigartige Ansammlung. Ich erinnere mich an die 2000 in der Fondation Pierre Giannada in Martigny aufgesuchte Ausstellung von 90 Werken von van Gogh. Das war eine kunterbunte Auswahl von vielen mittelmässigen bis gar miserablen Werken van Goghs. Doch genau deswegen bleibt sie mir unauslöschlich in Erinnerung, weil sie den Weg, die Irrungen, die mühsamen Versuche zur Selbst- und Stilfindung, schlicht die künstlerische Entwicklung aufzeigte. Das war ungeheuer interessant.

Insofern zupft die Basler Ausstellung gewissermassen die wenigen Rosinen aus dem Gugelhopf, macht aus dem suchenden, zweifelnden und schliesslich verrückten Künstler ein absolutes Genie, der sozusagen vom musischen Himmel ins gemachte Nest des Kunstmarktes katapultiert worden ist… Das ergeht und erging übrigens auch Musikern und Schriftstellern ebenso und wird sich ebenso ständig so wiederholen.

Der Anleitung zu Kultur und Kunstverständnis leisten solche Super-Ausstellungen von sensationellen Gnaden einen schlechten Dienst - auch wenn Schüler freien Eintritt geniessen dürfen: Die Initialzündung zum Selberversuchen wird zum vornherein durch die Aussichtslosigkeit, ein solches Niveau zu erreichen, verhindert.

Die Begegnung mit dem Weg des Künstlers jedoch ist gerade wegen misslungener Versuche oder Irrungen und Umwege zum Meisterwerk eher zum «Anfixen» geeignet.

Wer übrigens bei solchen spektakulären Mammut-Ausstellungen dieser Epoche vergessen wird: Hodler - er ist wahrlich auch einer der Grössten, weit über seine Zeit hinaus, nur nicht an Auktionen «so viel wert»…


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Von Redaktion

Für weitere Informationen klicken Sie hier:

• Die van-Gogh-Ausstellung 2000 in Martigny

• Das Programm für Schulen und Kinder im Format PDF


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