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KulturSchweigen

Artikel vom 13.02.2009

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Basel - Kultur

Mit Fotoreportage

Durchzogene Lyychefledderei

Das Zofinger Conzaertli ist nicht nur die älteste Vorfasnachts-Veranstaltung Basels, sondern auch ein Treffpunkt wirtschaftlicher, politischer und akademischer Prominez der Stadt

Von Jürg-Peter Lienhard



Das Zofinger-Conzaertli 2009, Premiere vom Donnerstag, 12. Februar: total ausverkauft, volles Haus im Stadt-Casino Basel! Foto J.-P. Lienhard, Basel © 2009


Nun hat es also doch stattgefunden: Das Zofinger-Conzaertli hatte am Donnerstag, 12. Februar 2009, im Stadt-Casino Basel Premiere. «Tout Bâle» war versammelt, würde -minu schreiben, der denn auch, wie ein Bundesrat mit gestreifter Hose und schwarzem Kittel bekleidet, in der ersten Reihe in der Mitte sass. Tatsächlich war im vollgestopften Festsaal alles anwesend, vom Nationalrat über die Regierungsräte bis hin zum «Daig» und der üblichen «Wurst-Prominenz»: «A», «B», «C» und «sogar D».




Bevor der Vorhang aufgeht: Fagunzen-Gesang mit dem traditionellen Conzaertlicantus: «Was isch im ledschte Johr bassiert? Wo het sich naimen-ain blamiert?» Foto J.-P. Lienhard, Basel © 2009

Die brennendste Frage - sie wurde mir nach dem Conzaertli in der Rio-Bar, wo dann auch die Zofinger die Premiere feierten, ununterbrochen gestellt: «Wie ist es gewesen?». Obwohl in Basel aufgewachsen, gehöre ich nicht zum «Daig», und es war das erste Mal in meinem sehr, sehr langen Leben, dass ich von «unbekannter, freundlicher Hand» dazu eingeladen wurde, wohl, um darüber wohlwollend zu berichten…

Auf die Gefahr hin, dass es das letzte Mal sei, ans Conzaertli in die erste Reihe eingeladen zu werden, schreibe ich: «Wer nicht mal Glattyys fürchtet, sollte unbedingt hingehen!»

Die Pointen sind allerdings durchzogen, wie ein gutes Suppenfleisch, was schon alles sagt: Damit das Kesselifleisch mundet, muss es von allem etwas am Knochen haben. Nur: die gewählten Lyyche, über die sollte man eher den Schleier des Vergessens breiten, statt sie zum Gegenstand eines Conzaertli machen. Zumal sie selbst böser Spott aufwertet: Francine Jordi (wer kam eigentlich auf die Idee?), fügt der Volksmusik so grossen Schaden zu, dass jegliche Erwähnung ein Dolchstoss ins Herz der Poesie bedeutet!

Ja, und auch über die zweite Lyyche, alt Bundesrat Schmid, hat die Zeit bereits den Schleier des Vergessens gelegt. Er wurde allerdings unglaublich authentisch von einem «echten» Zofinger dargestellt - perfekt in Gestik und Duktus. Einige «Pointen» allerdings zielten eindeutig auf «Abstrafung» statt auf pfiffige Satire. Für mich ist Schmid der grundsolide Eidgenosse, Berner zumal, aber auch seine Meuchelmörder verdienten nicht mal den Lyyche-Status…

Was die dritte Lyyche betrifft, so musste ich mich zuerst erkundigen, wer denn dieser René Häfliger sei - ich sehe nicht fern, weil ich zu viel Arbeit habe und zu viele ungelesene Bücher sich neben meinem Bett stapeln. Aber eben: Auch ein Conzaertli ist Abbild der Gesellschaft, zumal der jungen. FCB, Tattoo und Fun sind selbst bei Akademikern so hoch im Kurs, dass sie Langeweile statt Pfeffer ins Conzaertli bringen. Das hochbetagte Publikum jedenfalls - Durchschnittsalter zwischen Grufti und Komposti - bekam dadurch immerhin einen Einblick, welche Heroen zurzeit bei den jugendlichen Akademikern Basels in deren Gunst am höchsten obenausschwingen - am Geburtstag Darwins, nota bene…

Ein älterer (!) Pressefotograf neben mir in der vordersten Reihe bemerkte nach Schluss des Conzaertli, alles sei «gut gelaufen», nur das Klavierkonzert sei «daneben» gewesen (Frédéric Chopin: Etüde in E-Dur, op. 10 Nr. 3 und die beliebte Polonaise in cis-Moll, op. 26 Nr. 1). Das Conzaertli hat seinen Namen vom Konzert, das vor 120 Jahren den Höhepunkt bildete, als es noch keine Schallplatten, Radio und verhunzte Volksmusik gab… «Q-Dur» hat es ausgezeichnet gemacht, und es war absolut der Höhepunkt auch des Conzaertli 2009!


Fotoreportage von J.-P. Lienhard, Basel © 2009




Der Jäger der Gejagten: Traditioneller Prolog in Versform.




Blumenstrauss vom Fagunzen, statt von hübscher Studentin (die Zofinger sind - noch - eine reine Männergesellschaft): Pianist Christian Brunner, vulgo «Q-Dur», Ausführender des Konzertes, das zur Conzaertli-Tradition gehört und ihm daher auch den Namen gab.




Bundesrats-Lyyche, im Begriff, durch den Gaggo gezogen zu werden - immerhin perfekt dargestellt.




Auch er, der Strassenwischer-Turban-Inder, eine stadtbekannte Persönlichkeit, ebenfalls perfekt im Zofinger-Gaggo gebadet.




Wer da hinter «seiner» Weltwoche steckt, war unschwer zu erraten: Er bereitet sich am Mörgeli auf die «Radikal-Amputation» an Sämi Schmid vor.




Man muss schon auf 20-Minuten und Schweizer Fernsehen abonniert sein, um die Allegorie dieses Bildes zu schnallen…




D’Lälli als «Gast-Referentin» fürs Conzaertli 2009 eingeladen - ebenfalls eine glänzende Nummer.




Kabarettistischer Höhepunkt: Kliby und Caroline, erstaunlich authentisch parodiert, weil scharf beobachtet während der langweiligen Arbeitszeit in der juristischen Abteilung bei Roche…




Bei wem der Conzaertli-Präsident dieses wohl echte Verbrecher-Kostüm ausgegraben hat - das dürfte interessieren!




Ringelreihen - so viele Mitwirkende auf und hinter der Bühne, alle in bester Laune.




Trotz Doppelbelastung mit Proben und Prüfungen: den Mitwirkenden hats Spass gemacht, und der Applaus war anhaltend. (Inzwischen weiss ich, was «La Blanche» meint, die hier gesungen wird.)




Zum Schluss dann das Unvermeidliche: D’Lyych küsst die l(L)ebende…




Die drey Lyyche stellen sich den Fotografen: Von Nahem ziemlich authentisch im Vergleich zum Original…




…und hier mit Original - allerdings ohne Sämi, der den Gaggo ganz offensichtlich verschmäht.




Dafür um so mehr schillernde Prominenz vom Rheinknie: Der liebe -minu (links im Bundesrats-Dress), seit 40 Jahren begeisterter Anhänger der Zofinger, für die er jedes Jahr einen Apéro spendiert, und (rechts) Peter Blome vom Antikenmuseum. Blomes Wunsch, nach diesem Porträt, konnte ich nicht ausweichen - aber kaufen muss er es (Postkonto 40-369 091-9, Verein webjournal.ch, CH-4015 Basel)!




Prominenz in jeder Reihe, allüberall gar: Hier rechte Prominenz…




…oder sagen wir, bürgerliche Prominenz…




…zumindest liberale (oder wie die jetzt heissen).




Bei der (alt) linken Prominenz fällt auf, dass die Ueli-Maurer-Frisur offenbar Mode ist…




Wo der Farbige Gym-Lehrer war, da ging auch ich zur Schule, aber blieb bis heute immun für seinen rot-weissen Verein. Übrigens ist er verwandt mit der schönsten Pfarrerin der Region!




Nein, -minu fragt nicht nach der Telefonnummer von General Nefs Mätresse, dafür kenne ich ihn zu gut! Abgesehen davon ist es nicht Nef, sondern ein Fagunze, mit dem -minu flörtet.



PS (post scriptum, nach/unter dem Geschriebenen, also nicht: Pferde-Stärken!): Was ist der Unterschied zwischen einem Unterschied? Antwort: Es gibt keinen, denn beide sind gleich faul…

PPS: Falls Sie, bildhübsche Leserin, holder Leser, an gewissen obigen Stellen nicht ganz drauskommen, oder sich fragen, was da wohl gemeint sei, so deshalb, weil Sie schon wieder nicht am Conzaertli dabei waren!

Von Jürg-Peter Lienhard

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• Lesen Sie auch die Vorschau aufs Conzaertli 2009


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