Artikel vom 25.06.2008

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Ottokars Cinétips

One-Woman-Thriller-Show

Bestbekannt als wandlungsfähige Schauspielerin, hat sich Tilda Swinton für ihre neue Rolle als alkoholsüchtige «Julia» mehrere Pfunde angefressen - ab Donnerstag, 26. Juni 2008, im «kult.kino club» in Basel

Von Ottokar Schnepf



Die alkoholabhängige Julia entführt im Auftrag einer jungen Frau, die das Sorgerecht für ihr Kind verloren hat, deren achtjährigen Sohn. Eine wilde Verfolgungsjagd von Los Angeles nach Tijuana beginnt.


Betrunken taumelt sie Nacht für Nacht dem Nächstbesten in die Arme; Julia kriegt ihr Leben nicht mehr in den Griff, verliert Job und Freunde und fasst in ihrer Verzweiflung einen absurden Plan ins Auge: Brutal kidnappt sie ein Kind, um Lösegeld zu erpressen.

Auf ihrer dilettantisch organisierten Flucht Richtung Mexiko gerät die Gesuchte in ein mörderisches Inferno. Ein Foto von Helmut Newton habe ihn - neben Jonn Cassavetes Film «Gloria» - zu seiner «Julia» inspiriert: Das Bild einer flamboyanten Rothaarigen in einem BMW, unterwegs durch Los Angeles, sagt Regisseur Erick Zonca, der sich mit zwei formidablen Aussenseiterdramen - «La vie révée des anges» (1998) und «Le petit voleur» (1999) Beachtung verschaffte.

Bei seiner ersten englischsprachigen Produktion, dem Übertritt ins «grosse Kino», ist ihm jedoch einiges aus dem Ruder gelaufen; mehr als ein überspannter One-Woman-Thriller ist daraus nicht geworden. Dem Newton-Bild kann Zoncas kämpferisch-chaotische Heldin wohl entsprechen, den Mangel an Intelligenz, der ihre Handlung kennzeichnet, nimmt man dieser Figur jedoch nicht ab.

Daran ändert auch die wandlungsfähige Tilda Swinton nichts. Als torkelnde Julia reiht sie sich ein in die Riege der Schauspielerinnen, die einmal auch als Huren oder Alkoholikerinnen vor die Kamera treten wollen, um mit der Aussenseiterrolle Festival-Preise oder Oscars zu kassieren.

So bleibt nur das Staunen über Julias prolongierte Wahnsinnstat und über Regisseur Zonkas Exzess-Versessenheit eine Art postrealistisches Krimi-Melodram zu entwerfen.

Von Ottokar Schnepf


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